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Winterrede von Nik Hartmann: «Ich da obe, ihr da unde. Das isch recht ungwohnt für mich»

Wenn um 18 Uhr die Grossmünsterglocken verklungen sind, richtet sich jeden Abend eine Persönlichkeit aus dem Erkerfenster «Karl der Grosse» ans Publikum auf dem Grossmünsterplatz. Für 20 Minuten lauschen wir der Rede und wärmen uns danach bei Glühwein und Suppe im Restaurant auf. Hast du die Rede verpasst? Hier kannst du sie nachlesen!
14. Januar 2020

Liebi Zuhörerinnen und Zuhörer

Das freut mich ussergwöhnlich, dass ich hüt obig bi eu darf si. Ich ha vo dem Bruuch no nie gehört, Karl der Grosse, Winterrede! Kei Ahnig gha, dass es das git! das isch wie wenn Jugendlich hüt frögsch - Fernseh kennsch? Geschweige denn wer isch der Karl der Grosse gsi? E Ma, extrem bekannt mitere grosse Gfolgschaft - Influencer. Sozäge der Vorvorvorvorfahre vom Kollega...

Sie kenned de Kollega nid? Das isch e tütsche Rapper wo uf mini Söhn öppe die gliichi Würkig het wie der Martin Luther King ufd Welt...

Es bekannts Zitat, jetzt weiss i nümm öps vom Martin Kuther King oder vom Kollega isch:

  • Bitches fragen mich nach der Uhrzeit
    Doch ich antworte nicht, halt ihnen die Hand vors Gesicht
    Und sage «Sprich mit der Hand dort du Bitch»

Das isch ei Variante dass ich hüt e Viertelstund es Pointefüürwerch abloh.

So wie en Comedian. Ich bi keine, guet dass sind ja die meischte wo aagschribe sind mit Comedian au nöd.

Aber ich glaube Ich verzelle anders hüt. Chli ernschter vielicht. Und au nid so zynisch. Ich ha mir nämli vorgno, im neue Jahr nümm so zynisch zu sein. Das isch so e alti Manne Chranket...Weme sälber so mit gege 50i nümm i allem so zfriede isch mit sich selber, denn kritisiert me die Junge und wird intolerant. derbi händ mir üs doch mit 25i äu grauehaft uufgreggt über die topplet so alte - OK BOOMER.

Ich verzelle ihne hüt eifach mal chli us miim Läbe. Ich ha äu chli i anderne Winterrede vo mine Vorrrednerinne gchnöigget - dr Valentin Landmann het gredt...het übrigens der gliich Sprachprozessor wie der ehemalig SRG Chef de Weck....Guete Abig mitenand...- Potz d’Latte isch höch - ich bi chli...im schlimmste Fall chani unde dure chrüche...

Ich hamer no überleit gha, d’Red vom Kurt Äschbacher vom letschte Jahr no mau z’haute (Blätter blätter)

I möcht sozäge als Präambel oder uf Neudütsch gseit: als Disclaimer mim Glafer folgendes vora stelle:

Wo ig für die ominöse, mir bishär völlig unbekannte Winterrede (als Bärner im Zürcher Exil bini halt e chli langsam im Adaptiere vo lokale Gepflogeheite) wo ig also für dä Uftritt bi agfragt worde, bini zersch dervo usgange, dass es sech bi dere Gschicht umne vorweihnächtleche Aprilscherz handled.

De Kurt.

Ich verzelle Ihne da mal e Gschicht, wo mir erst kürzlich passiert ist. Beim Anblick vomne See, won ich schon kännt ha, han ich ghület wie ne Schlosshund. Der Wasserstand isch dank mine Träne um öppe 4 Zentimeter aagstige (woruf ich blitzartig a d’Gretha Thunberg dänkt ha und sofort wieder ufghört ha brüele). Die Umstände, wo zu däm unbeschreiblichen Glücksgefühl gfüehrt hend, sind einzigartig. Und es isch nid e chline, türkis leuchtender Bergsee gsi, kä typischi Influencer-Jagdtrophäe. Er passt äu nie und nimmer vollständig uf e Foti. Er ist viel z’gross. Aber den Moment, won ich mit dem See ha dörfe erleben, vergiss i nie mee. Und das isch so cho:

Üs hend nur es paar Schrtitt gfählt. Auf de Bärg wär’ äu e Bahn gefahren. Vo Montreux ufe. Mir sind aber zfuess duruf. Es isch der Rochers de Naye gsi.

E Uusflugsberg mit Restaurant und Murmelighege oberdruf. Vo der Bergstation wo der Zug vor Zahnradbad im Buch verschwindet sinds no öppe 10 Minute bis ganz ufe zur Antenne. Der Rochers de Naye isch e zivilisierte Berg. Wer da ufechunt muess vo Alpinismus nüt verstah. So wie die amerikanische Schulklasse, wo in Shorts und Sneakers auf dem Resten Schnee umeturnt und vor luuter «awesome» und «OMG» in die Selfiekameras glatt das atemberaubende Panorama nid gseht.

Der Dents du Midi glänzt, drhinder no es Stück vom Mont Blanc. Im Nordosten stönd d’ Gipfle vo de Bärner Alpen. Der Eiger, der Wildstrubel oder die Blüemlisalp. Berge, womer no vor wenige Täg am Fuess verbi gewandert sind. Es sind noch zwei Stegetritt bis ganz oben und die Wiitsicht hüt chönnti besser nid sii.

Aber was üs uf dere Tour den Atem verschlaat und üs zu Träne rüert, isch dr Blick gäge abe. Der Genfersee liet glitzernd in der Abigsunne vor üs. Mit händ Tränen in den Augen. Alle zusammen. Ich bin nämlich nicht alleine da ufe cho. Miin Kameramann der Marcel, der Janosch der Tönler, sogar der Bergführer hület. Und das alleine vom Anblick vom Genfersees. Und sälbstverständlich steckt hinter üsem emotionalen Füürwerch (dörf me Füürwerch no säge?) meh als eifach nur der Aablicks vomne See. Schön zwar, aber de häut üs ja nid eifach so us de Socken.

Ich bi vorher schon es paar Mal da obe gsi. Also nid da obe. Da obe ufem Rochers de Naye. Äu schon vor zwei Jahren wo mir e Sändig us em Unesco Weltkulturerbe, de Rebbergen vom Lavaux träit händ. Damals sind üs d’ Tränen höchstens wegen der Kopfschmerzen am Morgen nach exzessivem Weindegustieren cho.

Da und jetzt isch die betonierti Plattform mit den Panorama-Tafele in alli Himmelsrichtung vom Rochers de Naye gleichbedeutend mit der Erstbegehung vonere Nordwand im Himalaya. Will der Weg derthi isch härt gsi, lang, und mit ere driissg tägige Vorgschicht uufglade. De Blick uf de Gänfersee isch für üs der Lohn nach ere einmonatigen Wanderig uf der Via Alpina quer dur d’ Schweiz gsi. Oder hättet Sie ernsthaft dänkt, ich brüüchti e Bärgfüerer für ne Uusflugsbärg? Mir verschwändet doch keine Gebührengelder! Auf alle Fälle nid da.

D’ Vorfreud uf de Gänfersee abe z’luege het üs sit Vaduz begleitet. Und so hend üs d’ Gefühl übermannt oder überfraut oder überixt bi mne Aablick, wo mir doch eigentlich scho kännt gha hend.

D’ Via Alpina isch für üs die erschti Färnwanderig gsi. E Reis dur ganz viel Wälte im eigete Land. E Wältreise eigelich über 390 km im Schritttämpo. Und ich ha zum ersten Mal ds’Gfühl gha so richtig vorwärts cho z’sii im Leben.

Ich da obe, ihr da unde. Das isch recht ungwohnt für mich. Ich bi gern e Teil vonere Gruppe, verchrüch mich äu gern ir Mängi und freu’ mich jetzt uf eui Gschichte. Will ich lose immer no lieber zue als dass i e Oneman-Show abzieh. Aber füre Karl, für d’Suppe und füre Wii hani das gern gmacht.

Vo ganzem Herze wünsch ich eu es wanderbars 2020. Gönd use. Die gröschti Reis faht vor der Hustüür a.

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