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21. Januar 2023 um 11:51

Winterrede Matthias Probst: Eine Rede zum Erhalt der Demokratie in der Stadt Zürich

Es ist wieder soweit: Das Debattierhaus Karl der Grosse lädt zur alljährlichen Ausgabe der «Winterreden» ein. Verstummt der Glockenschlag des Grossmünsters um 18 Uhr, beginnt vom 16. bis 27. Januar 2023 eine Winterrede. Jeweils eine Persönlichkeit aus Politik, Kultur oder Kunst spricht aus dem Erkerfenster des Karls. Du hast die Winterrede verpasst? Bei uns kannst du sie nachlesen!

Matthias Probst an seiner Winterrede im «Karl der Grosse» (Foto: Alexandra Li)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich spreche heute zum Thema Erhalt der Demokratie in der Stadt Zürich. Die Demokratie ist ein wichtiges Gut, das es zu erhalten gilt. In der Stadt Zürich ist sie jedoch in Gefahr. Die Exekutive nimmt immer mehr Macht in die Hand und entscheidet hinter verschlossenen Türen. Die Legislative wird ausgehebelt und die Judikative unter Druck gesetzt.

Das Volk wird ausgeschlossen und seine Stimme kaum noch gehört. Wenn wir nichts unternehmen, wird die Demokratie in der Stadt Zürich bald eine Farce sein.

Ich fordere Sie daher auf, sich für den Erhalt der Demokratie einzusetzen. Geben Sie den Menschen in der Stadt Zürich ihre Stimme zurück. Lasst uns gemeinsam für die Demokr...

stopp, jetzt wird es mir zu pathetisch, ich Versuche es nochmals neu:

Es ist mir eine Ehre, heute vor Ihnen zu stehen und über eines der wichtigsten Themen unserer Zeit zu sprechen – den Erhalt der Demokratie in der Stadt Zürich. Als Bürger sind wir alle dafür verantwortlich, dass unsere Stadt ein Ort ist, an dem jeder eine Stimme hat und an dem nachhaltige Entscheidungen getroffen werden.

Die Herausforderungen für die Zukunft unseres Landes sind zahlreich und vielschichtig. Wir müssen danach streben, eine Gesellschaft zu schaffen, die netto null Emissionen verursacht, die Bürgerbeteiligung fördert und sicherstellt, dass jeder Zugang zu Ressourcen und Möglichkeiten hat.

Vor allem müssen wir sicherstellen, dass der Gemeinderat bis 2023 gegenüber seinen Bürgern rechenschaftspflichtig bleibt. Heute stehe ich vor Ihnen, um für den Erhalt der Demokratie in Zürich zu sprechen – etwas, das wir nur erreichen können, wenn wir als eine Gemeinschaft zusammenkommen und uns für eine bessere Zukunft für alle einsetzen. stopp, jetzt entgleist es schon wieder völlig…

Diese beiden Reden stammen nicht von mir, sie stammen aus dem Fundes von zwei künstlichen Intelligenzen, die ich gefragt habe, ob sie mir eine Rede zum Erhalt der Demokratie in der Stadt Zürich ausspucken könnten.

Die gute Nachricht ist: Sie können es offensichtlich noch nicht

Die krasse Nachricht ist: Sie werden es bald können, und das sollte uns zu denken geben…

Matthias Probst im Erkerfenster vom «Karl der Grosse» (Foto: Alexandra Li)

Wir alle denken, dass wir unsere Demokratie zur Zeit vor allem gegen Despoten verteidigen müssen, da in Europa das schier undenkliche wieder möglich wurde, es herrscht Krieg. Es ist natürlich richtig, dass wir uns gegen Despoten und Diktaturen verteidigen müssen und selbstverständlich sollten wir auch in unserem Land selbst, neofaschistische Gruppierungen im Auge behalten und deren bestreben, sich in der Gesellschaft zu etablieren im Keim ersticken.

Ich denke jedoch das die grösste Veränderung im nächsten Jahrhundert, nicht davon kommen wird. Die grösste Veränderung wird von künstlicher Intelligenz kommen. Und zwar ganz einfach, weil diese einen Grossteil der Arbeit im III Sektor, also im Dienstleistungssektor, überflüssig machen wird. Die Revolution die uns dann bevorsteht ist ähnlich wie die Agrarrevolution, welche den I Sektor umgekrempelt hat und die Industrielle Revolution, welche den II Sektor neu erfunden hat. Was da kommt ist grundsätzlich nicht schlecht, aber wir sind noch nicht darauf vorbereitet.

Unsere Sozialwerke sind so organisiert, dass wir von nahezu 100% Vollbeschäftigung ausgehen von Personen im berufsunfähigen Alter. Leistung muss sich lohnen, ist das Motto unserer Zeit und im Umkehrschluss soll sich keine Leistung eben nicht lohnen. Nun sind wir glücklicherweise weit davon entfernt, die Leute wie in den USA einfach in Slums zu stecken und verhungern zu lassen, aber wir ermöglichen auch kein menschenwürdiges da-sein ohne Lohn. Das Ziel unserer Sozialwerke ist nach wie vor, die Leute wieder in den Berufsalltag zu integrieren und nicht sie leben zu lassen.

Doch was passiert, wenn innerhalb der nächsten Jahrzehnte plötzlich nicht mehr zwei drei Prozent arbeitslos sind, sondern über 50%? Und mit arbeitslos meine ich nicht, keiner sinnvollen Beschäftigung nach gehen, sondern kein Geld mehr zu verdienen, mit dem was wir machen, und das ist zum grössten Teil Arbeit im III Sektor. Damit komme ich zurück zu der künstlichen Intelligenz. Diese wir uns zu einem grossen Teil von der Lohnarbeit im Dritten Sektor befreien, aber sie wird und kein lebenswürdiges Einkommen beschaffen, weil sie das Geld nicht umverteilt, sondern einfach die Arbeit günstiger macht für jene, die bereits Geld haben. Wir müssen uns daher in der nächsten Zeit der Aufgabe annehmen, wie wir die Existenzen unabhängig vom Einkommen aus Erwerbstätigkeit sichern können. Das wird die grösste Umverteilungsaktion in der Geschichte der Menschheit werden und wenn wir sie nicht angehen, dann wird es unweigerlich zur grössten Armutswelle in der entwickelten Welt kommen die wir je gesehen haben und damit unser System ziemlich sicher über die Grenzen des tragbaren belasten.

Es gibt verschiedene Ansätze, wie wir dieses Dilemma lösen können. Sei es ein Existenzsicherndes Grundeinkommen, viel stärkere Sozialwerke oder eine Negativsteuer. Klar ist auf jeden Fall, dass es ein starkes korrektiv braucht auf die rein kapitalistische Art der Einkommensverteilung. Ich persönlich bin mir sehr sicher, dass ein existenzsicherndes Grundeinkommen, der richtige Weg wäre, respektive, ich sehe keine wirklich taugliche Alternative dazu. Damit meine ich eher etwas im Sinne einer AHV für alle als so absurde Ideen wie Pensionskassen, welche Geld über eine Generation hinweg sparen möchten. Denn schlussendlich muss ja die restliche Arbeit von der aktuell Lebenden Generation getragen werden und kann nicht auf Hold gespeichert werden wie Wertanlagen. Wenn wir es schaffen, diese Umverteilung rechtzeitig auf zu Gleisen, dann werden wir bald in einer ziemlich anderen Welt leben. In einer Welt voller Chancen.

Denn wir bekommen ganz viel Zeit. Zeit die wir einsetzen können um uns weiter zu bilden, um Kultur zu schaffen, um die Natur zu pflegen und damit die Biodiversitätskrise in den Griff zu bekommen, Zeit unsere Mitmenschen zu pflegen und Zeit um es uns gut gehen zu lassen. Wir stehen an einem Wendepunkt, wie wir es aus der Klimakrise kennen, ob wir in soziale Unruhen abdriften möchten, oder ob wir uns ein Leben, wie wir es noch nie hatten leisten möchten. Im Unterschied zur Klimakrise, können wir die Wende hier jederzeit organisieren und sie ist viel einfacher zu bewältigen. Sie haben die Wahl. Denn wir leben in einer Demokratie. Und in einer Demokratie entscheiden die Menschen, wie sie zusammenleben möchten.

Ich habe mir vorgenommen, etwas positives zu erzählen heute. Nicht von Krisen, nicht von Kriegen und nicht von Gefahren für die Demokratie. Sondern von Chancen. Und genau als solche betrachte ich die Entwicklung von künstlicher Intelligenz. Als riesige Chance und auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren, uns aus dem Überlebensmodus zu befreien, uns um unsere Mitmenschen zu kümmern und miteinander zu leben.

Ich denke es ist an der Zeit, dass wir uns vorbereiten auf die wundervolle Zukunft die uns erwartet.

Danke fürs Zuhören!