Tsri-Geschenkbox 🎁

Willst du Flüchtling spielen? Dieses neue Zürcher Game schickt dich auf die Reise

«Cloud Chasers»
14. Oktober 2015
Chefredaktor


Das Zürcher Gamestudio «Blindflug» veröffentlicht am Donnerstag ihr neues Spiel. In «Cloud Chasers» wird die Spielerin zum Flüchtling und hat einige schwierige Herausforderung zu meistern. Was das Spiel ausmacht, was die Entwickler bei den Spielern bewirken wollen und wie sie mit der äusserst schwierigen Flüchtlingsthematik umgehen, liest du hier im Interview mit dem Blindflug-Chef Moritz Zumbühl.

Cloud Chasers ist das neue Spiel der Zürcher Firma Blindflug Studios. Moritz Zumbühl, um was geht es in diesem Game? Moritz Zumbühl: Die Geschichte dreht sich um ein Vater und seine Tochter, die aus der dürren Wüste in die wohlhabenden Wolken fliehen müssen, weil ihnen das Wasser ausgeht. Es geht also ganz konkret um die aktuelle Flüchtlingsthematik, die ausgelöst wurde, weil wir Reichen den Armen die Ressourcen streitig machen.

In unserer realen Welt gibt es viele verschiedene Konflikte und darum auch verschiedene Migrationsströme. Welche thematisiert Cloud Chasers? Wir hatten den Anspruch, ein Spiel für die ganze Welt zu machen – eines, das überall funktioniert. Darum haben wir für das Game eine fiktive Welt erschaffen, wodurch wir die nötige Universalität erhalten. Als global möglicher Konflikt wählten wir die Klimaveränderung aus. Die beiden Hauptcharaktere sind also Klimaflüchtlinge.

Das ist durchaus realistisch. Der Vater und seine Tochter müssen im Spiel Wasser sammeln, sonst verdursten sie und das Game ist zu Ende. Diese Wassersuche wird ihnen aber erschwert durch die Reichen, welche ihnen mit Drohnen vor ihren Nasen das letzte Wasser wegschnappen. Klar, das ist eine Analogie zur realen Welt.

Cloud_Chasers_Promo_3… und sehr aktuell. Das Timing für das Release eines Spiels zur ganzen Migrationsthematik könnte nicht besser sein. War das so geplant? Nein, das war absolut kein Kalkül. Es wäre ja grässlich, wenn wir darauf gehofft hätten, dass sich die Flüchtlingssituation so entwickelt, wie es nun tatsächlich der Fall ist. Als wir vor über einem Jahr das Thema für ein neues Spiel suchten, war die Tragödie im Mittelmeer schon voll am Laufen. Wir führten heftige Diskussionen darüber, ob wir als wohlbehütete Kreis 4-Kinder über dieses ernste Thema ein Spiel machen dürfen. Wir waren schockiert und angepisst, dass die Migranten in der politischen Diskussion bei ihrer Ankunft zum Problem werden. Warum jemand seine Heimat verlässt, wird fast nicht diskutiert. Diese Thematik wollen wir mit Cloud Chasers aufnehmen.

Wie soll das klappen? Indem wir ein ernstes Thema spannend umsetzen. Durch den hohen Spielspass soll Cloud Chasers den Gamern den Ärmel reinziehen, sie faszinieren und zum Nachdenken und Reflektieren anregen.

Hat das Game also einen politischen Anspruch? Nein, wir wollen zu einem Perspektivenwechsel anregen und verfolgen keine politische Agenda. Mit der Reflexion als oberstes Ziel ist das, was wir machen, Kunst.



Wie geht das, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben? Wenn der Zeigefinger da wäre, hätten wir einen Fehler gemacht. Es geht uns nicht darum, jemandem unsere Sicht der Dinge aufzudrücken. Unsere Hoffnung ist, dass die Leute darüber diskutieren, wie krass es eigentlich ist, dass die Flüchtlinge überhaupt auf diese Reise gehen müssen. Der Ausgang dieser Diskussionen soll und kann Cloud Chasers nicht beeinflussen.

Das Blindflug-Team tourt gerade durch Europa, um das Spiel zu vermarkten. Wie sind die Reaktionen? Sehr eindrücklich. Ich habe den Rummel noch nicht ganz verarbeitet. Wir waren gerade in London bei Sky News, die am Freitag einen Bericht bringen. In den letzten Tagen haben wir in Wien, München, Berlin, Hamburg, Paris und London über 40 Interviews gegeben. Das Interesse am Game ist riesig. Es ist auch gut, dass die Journalisten kritische Fragen stellen – zum Beispiel nach der Verantwortung der Gamekultur gegenüber der Gesellschaft.

Und? Games sind die bisher dominierende Kunstform des 21. Jahrhunderts, auch wenn das niemand wahrhaben will. Insofern ist diese Verantwortung sicher vorhanden.




 

Das Cloud Chasers erscheint am Donnerstag, 15.10. für Tablet und Smartphones auf iOS und Android und kostet einmalig vier Franken.

Transparenz: Ich kenne Moritz Zumbühl seit einem intensiven Intermezzo bei der Agentur Feinheit (zu der auch Blindflug Studios gehören), wo wir zusammen gearbeitet haben.

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare

Nöd Jetzt!