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Wie finde ich meinen Weg? Folge 4: «Physiotherapie für die Seele»

Den richtigen Weg für sich selber zu finden ist nicht einfach. Es kann wehtun, braucht Zeit und die Komfort Zone will hin und wieder auch verlassen werden. Die 25-jährige Klara Hennig nimmt uns mit auf der Suche nach ihrem eigenen Weg.
27. Dezember 2019

Text: Klara Hennig


Die Situation hat sich verändert. Durch die Angst kam ich auf einen neuen Weg, dank den Taschenlampen war der Pfad nicht mehr ganz so dunkel und wurde breiter (siehe Kolumne 29.11.2019, 13.12.2019). Ich fand mich langsam, aber sicher am Waldrand wieder.

Konkret heisst das: Meine Wohnung kann ich behalten, einen neuen Job habe ich auch gefunden und das Studium kann ich wiederholen. Alles Schoggi! All diese Nachrichten kamen innerhalb von einer Woche zusammen.

On top habe ich jetzt noch 1.5 Monate Ferien, die ich in Zürich verbringe und das in der Weihnachtszeit. Oh du Fröhliche!

Allerdings möchte ich über ein Phänomen schreiben, das ich nicht kannte und das mich auch in der letzten Zeit heimgesucht hat – «die Physiotherapie der Seele» (im Volksmund auch bekannt unter «Nachwehen»).

Ich nenne das Phänomen bewusst «Physiotherapie der Seele» und nicht «Nachwehen», weil ich keine Kinder habe, aber schon zwei Mal in die Physiotherapie musste. Somit kann ich einen Vergleich ziehen.

In der Physiotherapie werden Muskeln wieder aufgebaut und gestärkt. Alle, die schon mal eine Physiotherapie machen mussten, wissen: Es kann sehr schmerzhaft sein. Gerade am Anfang sind die Übungen intensiv und können einem die Tränen in die Augen treiben.

Doch mit der Zeit kehrt die Kraft zurück. Man kann sich wieder normal bewegen, die Muskeln sind da und man geht gestärkt in den Alltag zurück.

Die Seele braucht das auch: Denn der Geist und die Seele müssen wieder die Muskeln aufbauen, um wieder fit und gestärkt in den Alltag zurück zu finden. Und genau in dieser Phase bin ich jetzt.

Mich hatte eine Nachricht in die «Physiotherapie der Seele» katapultiert hat. Ein Whatsapp mit dem Inhalt: «Musch dini freii Zit jetzt gnüsse».

Dieser Satz liess mich Mitte November die Wände hochgehen. Es war an meinem ersten Ferientag und ich war von Null auf Hundert in weniger als zwei Sekunden. Einerseits hat das sicherlich damit zu tun, dass ich jeden Satz, der mit dem Modalverb müssen beginnt, konsequent ignoriere und zweitens, weil man mich nicht auf eine Tatsache hinweisen muss, die ich ja eh machen würde, wenn es super einfach wäre.

Auf Knopfdruck geniessen, auf Knopfdruck an den Festtagen besinnlich sein, auf Knopfdruck vergessen, den Kopf abschalten und sein. Die Menschen, die das können bewundere ich. Ich gehöre ganz klar nicht dazu. Vielleicht kennt das der eine oder andere von den Ferien. Man liegt am Strand, die Sonne scheint warm ins Gesicht und die Gedanken wandern in die Heimat mit der Frage: Wieso hat ein*e Freund*in so oder so auf meine Aussage reagiert? Was hat der*die Chef*in mit der Frage gemeint?

Durch diese Whatsapp-Nachricht habe ich Bekanntschaft gemacht mit dem Phänomen.

Die Physiotherapie meiner Seele hat in den Ferien stattgefunden. Die Ferien schenkten mir die Zeit, mich aktiv mit dem Muskelaufbau bzw. mit mir selber auseinander zu setzten. In kurzer Zeit hat sich mein Blickwinkel verändert. Viele Tatsachen sind mir wie Schuppen von den Augen gefallen.

Natürlich taten die Nachwehen auch weh, weil es auch oft zum Schluss führt, dass man geliebte Verhaltensmuster loslassen muss. Aber das ist wohl der natürliche Weg des Wachstums – und Wachsen tut weh!

Durch die Nachwehen haben sich drei Kernfragen herausgebildet:

  1. Was macht das mit mir?
  2. Bei welchen Entscheidungen bleibe ich bei mir?
  3. Und wie kann ich mich selber begleiten?

Mit diesen drei Fragen und den diversen Learnings geht das Wachstum jetzt weiter.

Meine Antwort auf dieses Whatsapp war damals:

Heute wäre es:

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