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Wie finde ich meinen Weg? Folge 3: «Taschenlampe»

Den richtigen Weg für sich selber zu finden ist nicht einfach. Es kann wehtun, braucht Zeit und die Komfort Zone will hin und wieder auch verlassen werden. Die 25-jährige Klara Hennig nimmt uns mit auf der Suche nach ihrem eigenen Weg.
13. Dezember 2019

Text: Klara Hennig


Neben guten Essen mag ich Metaphern sehr gerne. Wenn ich mir selber ein Bild von einer Situation machen kann, gelingt es mir besser, sie zu visualisieren und daraus heraus eine Lösung zu erarbeiten oder vielleicht auch zuerst einmal mit ihr klar zu kommen.

Als ich im Schlamassel steckte habe ich mich gefragt, mit welchem Bild mir eine Visualisierung gelingen könnte. Da sind mir die Nachtübungen bei den Pfadfinder*innen in den Sinn gekommen.

Als Stadt Züricher Kind gehörte es zum guten Ruf, dass man sich einer Pfadfindergruppe anschliesst. Ein leidenschaftliches «Pfadi-Meitli» war ich aber nie. Die meisten Übungen fanden im Wald statt und das war als Kind nicht so mein Ort. Nicht, dass ich die Natur nicht mochte, sondern es war einfach nicht meins. Danach ging man immer zu einem*r der Leiter*nnen nach Hause und dort gab es Unmengen an Süssigkeiten.

Der Wald und die Tatsache, dass ich zugenommen habe ist es zu verdanken, dass ich zügig wieder ein Ex-Pfadi-Meitli wurde.

Das zu meiner Kariere bei den Pfadfinder*innen.

Im Herbst und Winter fand die Übung oft erst bei Dämmerung statt. Man traf sich oben am Zürichberg und ging in den Wald. Das konnte für ein Kind von acht Jahren natürlich sehr beängstigend wirken. Es wurde dunkel, Nebelschwaden zogen durch den Wald, die Kälte liess uns mit den Zähnen klappern und man hörte irgendwo die Wölfe heulen. Dass die Wölfe zum Zoo gehörten, wurde uns natürlich nicht gesagt. Die Kinder wurden dann in Gruppen aufgeteilt. Die Gruppen bekamen je eine sehr schlecht gezeichnete Karte in die Hand gedrückt und mussten dann irgendwo im Wald den Schatz (Süssigkeiten) suchen. Den Gewinner*innen winkte ein noch grösserer Preis, also noch mehr Süssigkeiten.

Also was macht man? Man zündete die Taschenlampen an und ging tapfer in den dunklen Wald. Die Leiter*innen sassen hinter den Bäumen (inkl. Horrormasken), sprangen hervor, erschreckten uns mächtig und sorgten für den Stoff der nächsten Alpträume.

Nach sehr langem Suchen fand ich auch einen neuen Job.

In der vergangenen Zeit musste ich oft an diese Nachtübungen denken. Es gibt viele Parallelen. Ich befand mich auch in einem Wald, ging auf meinem Angst/Learings-Trampelpfad und wusste nicht so recht, wie ich weiterverfahren sollte, die Karte war auch sehr schlecht gezeichnet und «kalt» war es auch. Klar waren mir nur zwei Sachen: Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis die Nacht dem Tag weicht und wenn man keine Lust hat auf den Tag zu warten, zündet man sich in der Dunkelheit eben die Taschenlampe an.

Und so machte ich das auch.

Ich hatte aber nicht nur eine Taschenlampe sondern mehrere. Um genau zu sein waren es drei. Eine Stirnlampe und eine Lampe in der linken Hand und eine in der rechen Hand.

Meine erste Taschenlampe:

Eine Berufsberatung in der mir vieles klar wurde.

Ich muss/darf/soll ein Studium absolvieren und in der Kommunikation bin ich nicht falsch, nur muss/darf/soll das Sourrounding verändert werden. Bisher habe ich immer in Agenturen gearbeitet, da bin ich jetzt rausgewachsen und brauche ein neues Ziel.

Die Frage kam irgendwann auf: Also wieso nicht mein soziales Engagement und meine Freude für die Kommunikation verbinden und daraus heraus etwas machen?

Nach drei Sitzungen war also klar: Ich wiederhole das erste Studienjahr, damit ich meinem neuen Ziel einen Schritt näher komme. Direkt kann ich das Ziel allerdings nicht erreichen, ich muss nochmal einen Umweg über eine Agentur machen. Nach sehr langem Suchen fand ich auch einen neuen Job.

Die zweite Taschenlampe:

Ich lernte gut zu mir zu sein und mich in der Zeit selber zu verwöhnen. Das waren oft kleine Sachen aber sie halfen mir sehr. Ich bin immer noch sehr streng und selbstkritisch ABER auch etwas netter zu mir selber geworden. Hier gebe ich gerne zu; das ist noch ausbaufähig.

Die dritte Taschenlampe war wohl die wichtigste:

Das soziale Netz. Familie und Freund*innen wurden noch wichtiger. Da ich sehr stolz bin würde ich mir teilweise lieber die Zunge abbeissen, als zuzugeben wie es mir wirklich geht. Aber jetzt musste ich es meiner Familie und meinen Ferund*innen mitteilen. So entstand eine neue Vertrautheit. Der aktive Austausch (es hat zwar einige Anstupser gebraucht), die Ehrlichkeit und die Autenthizität machen den Weg gangbar.

Natürlich ging es auch in die andere Richtung: Ich wurde auch enttäuscht.

Mit meinen drei Taschenlampen stiefelte ich los. Ein Schritt nach dem anderen, ein Fuss vor den anderen und langsam aber sicher kam ich in den Rhythmus.

Dass mich immer mal wieder eine Horrormaske erschreckt hat, war wohl nicht zu vermeiden aber die Taschenlampen gaben mir das Licht, um in der Dunkelheit zu erkennen, was sich hinter der Maske verbirgt. Die Masken machten mir in der ersten Sekunde immer noch Angst aber das was sich dahinter verbirgt war sehr interessant und hat mir vieles beigebracht, vor allem über mich selber.

Der Weg wurde immer breiter und es war nicht mehr so dunkel. Das war er, das war mein Schatz.

member ad

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