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Wie finde ich meinen Weg? Folge 2: «Ich will kein Opfer meiner Angst sein»

Den richtigen Weg für sich selber zu finden ist nicht einfach. Es kann wehtun, braucht Zeit und die Komfort Zone will hin und wieder auch verlassen werden. Die 25-jährige Klara Hennig nimmt uns mit auf der Suche nach ihrem eigenen Weg.
29. November 2019

Text: Klara Hennig


Der Verlust des Jobs und des Studiums kam innerhalb von einem Monat zusammen und dann begann auch noch die Wohnsituation unsicher zu werden. Ich wurde von meinem Weg gedrängt, den ich mir hart erarbeitet hatte. Als emotionaler Mensch nahm es mich ganz schön mit und tut es immer noch. Es war kein Weg mehr da und ich wusste auch nicht wie ich mir wieder einen neuen Weg basteln sollte. Schnell würde es nicht gehen, soviel stand fest. Ich fand mich im «fight or flight» Modus wieder.

Was ich machen konnte, war mir selber wieder auf die Beine zu helfen. Und dafür musste ich mich noch besser verstehen. Am nervigsten an der ganzen Situation war diese scheiss Angst. Wie ein Schatten begleitete sie mich. Also beschäftigte ich mich zuerst einmal mit dieser Angst.

Von meinem Elternhaus habe ich zwei Charakterzüge mitbekommen. Ein starker Aktivismus und ein Kampfgeist. Eine Eigenschaft, die mich ausserdem ausmacht, ist mein Stolz. Alle drei Eigenschaften zusammen haben mir geholfen, mich mit dem Gefühl der Angst zu befassen.

Aber jetzt der Reihe nach.

Der Kampfmodus war es, der mir den Mut gab mich aktiv mit der Angst auseinander zu setzten. Ich liess sie zu! Am Anfang haute sie mich fast um. Sie war jetzt da aber für irgendwas muss sie ja auch gut sein. Die nächste Eigenschaft war mein Aktivismus. Der schenkte mir die nötige Neugierde die Angst zu ergründen und zu verstehen. Der Stolz half mir, mich nicht mehr von einem Gefühl steuern zu lassen, kein Opfer meiner Angst zu werden.

Der Prozess führte mich nach langer Zeit zu den drei Learnings.

  • Erstes Learning: Angst ist die schlechteste Ratgeberin der Welt. Sie hat den unangenehmen Beigeschmack, dass sie die Dinge verdreht und die persönliche Wahrheit verzerrt. Wenn man sich davon steuern lässt, kommt man auf keinen grünen Zweig.
  • Zweites Learning: Die Erkenntnis, dass hinter der Angst etwas anderes liegt. Nämlich Sicherheit. Das wusste ich nicht. Aber niemand kann mir die nötige Sicherheit geben, nur ich mir selber. Also ist Angst (oder jedes andere Gefühl) immer nur die Spitze des Eisberges. Was darunter liegt ist meistens viel komplexer und grösser. Wenn man die Komponente d.h. die Zusammensetzung von einem Gefühl versteht, versteht man auch oft das, was sich hinter einem Gefühl verbirgt. Schlussendlich lernt man sich so auch besser kennen.
  • Drittes Learning: Ich war für das Gefühl, in meinem Falle war es ja die Angst, alleine verantwortlich. Das betrifft nicht nur die Angst, sondern jedes andere Gefühl auch. Ich steuere, was ein Gefühl mit mir macht. Die Dinge in der Welt kann man aus 1’000 unterschiedlichen Blickwinkeln anschauen. Man schaut sie sich einfach meistens so an, wie man es gelernt hat. In meinem Fall war das anfänglich leider eher negativ
Doch dann habe ich den Spiess umgedreht und wurde allmählich zur Siegerin über die Angst.

Ich habe sie nicht nur zerlegt und verstand mit der Zeit die Komponenten hinter meiner persönlichen Angst, sondern habe auch noch etwas Wichtiges dazugelernt (siehe Learning 1-3). Daraus heraus hat sich nun noch ein weiteres Learning ergeben: Learning 4: Etwas verstehen heisst noch lange nicht, dass man das Verstandene automatisch jeden Tag umsetzt und lebt. Das bedarf viel Übung und noch mehr Geduld. Das muss ich neu lernen.

Das Tüpfchen auf dem «i» war, dass sich dank der Learnings wieder ein neuer Trampelpfad auftat, auf dem ich die ersten unsicheren Schritte machen konnte. Noch immer war ich im «fight or flight» Modus aber immerhin war da ein kleiner Weg und mit ihm eine neue Richtung.

Ich nahm die Angst an die Hand und ging los...

Die oben genannten Eigenschaften Aktivismus, Stolz und Kampfgeist sind keine Grundvoraussetzungen, damit eine Situation verändert werden kann. Das geht natürlich auch mit anderen persönlichen Komponenten. Aber meine drei Eigenschaften haben mir diesmal geholfen.

Gleichzeitig muss man auch erwähnen, dass diese Wesenszüge in anderen Lebens-Bereichen nicht gerade vorteilhaft sind. Einmal mehr, es gibt nicht nur eine Wahrheit, sondern mehrere.

Aber die persönliche Werkzeugkiste für den Ernstfall hat jeder tief in sich drin.


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