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Wie finde ich meinen Weg? Folge 1: «So en Chäs»

Den richtigen Weg für sich selber zu finden ist nicht einfach. Es kann wehtun, braucht Zeit und die Komfort Zone will hin und wieder auch verlassen werden. Die 25-jährige Klara Hennig nimmt uns mit auf der Suche nach ihrem eigenen Weg.
15. November 2019

Text: Klara Hennig


Ich esse sehr gerne. Das tue ich schon von Kindsbeinen an. Aus diesem Grund möchte ich die Kolumne auch mit einer Situation beginnen, die in einem Lebensmittelgeschäft stattfindet.

In der Rushhouer von Migros und Coop schieben sich die Leute durch die Regale und kaufen ein. Es ist ein ewiges Gedränge und Geschupse. Dort schreit ein Kind, hier stöhnt eine ältere Frau genervt auf und ich nehme mir zum hundertsten Mal vor, nicht mehr zwischen 18:00 Uhr und 19:00 Uhr einkaufen zu gehen. Als grosse Käseliebhaberin finde ich mich vor dem überdimensional grossen Käseregal im Coop Wipkingen wieder und bestaune die Auswahl. Von Burrata bis Grillkäse ist alles dabei. Neulich habe ich mich dabei ertappt, wie ich völlig unbewusst meinen «Gewohnheitskäse» in meinen Einkaufskorb gelegt habe. Den anderen Käsesorten habe ich schon gar keinen Blick mehr gewürdigt. An der Kasse habe ich kurz innegehalten. Da wurde mir klar: Ich nehme meinen «Gewohnheitskäse» einfach und denke schon gar nicht mehr bewusst darüber nach, was ich hier nehme. Die Gewohnheit hat die bewusste Entscheidung übernommen. Das hat mich stutzig gemacht.

Es ist eben so: In genau der gleichen Situation befinde ich mich auch ausserhalb vom Coop Wipkingen. Ich arbeite seit fünf Jahren in der Kommunikation und denke schon gar nicht mehr darüber nach, was ich arbeite, wofür es ist und ob ich es überhaupt noch mag. Zumindest bis neulich: Mir wurde die Stelle gekündigt (betriebliche Gründe) und ich habe mein berufsbegleitendes Studium nicht bestanden. Das alles kam innerhalb von einem Monat zusammen, hat natürlich weh getan und man fragt sich: Ist das Altbekannte überhaupt noch das richtige für mich? Oder brauche ich eine Veränderung?

Jetzt bin ich 25 Jahre jung, muss eine Wohnung bezahlen und stehe irgendwie an einer Weggabelung. Wie soll ich mir die Kommunikation neu erarbeiten? Oder wie kann ich den Mut finden, in eine ganz neue Richtung zu gehen? Die Situation ist nicht komfortabel. Es bedeutet Überwindung mich wieder aufzumachen, egal in welche Richtung. Es isch scho chli en Chäs.

Stimmt das, was ich mache noch?

Das erste Ziel soll sein: Meinen Werten treu bleiben und mich wieder selber besser zu spüren, damit ich die Ruhe finde einen Schritt nach den anderen zu setzen und das Vertrauen in das Gute nicht zu verlieren.

In dieser Kolumne möchte ich dich auf meinen Weg mitnehmen. Dir von den Schwierigkeiten berichten, von den Durchhängern und von den Erfolgen. Im besten Fall darf ich vielleicht sogar den einen oder anderen inspirieren sich auch mal zu fragen: Stimmt das, was ich mache noch?

Und in dem Sinne: Wenn ich das nächste Mal in der Einkaufsrushhouer vor dem Käseregal stehe möchte ich nicht den altbekannte Käse nehmen, sondern mal ein «Geisechäsli». Das soll der erste Schritt aus der Comfort Zone sein und hin zu was Neuem.


Der zweite Teil folgt am 29.11. Am besten meldest du dich für den Newsletter an, damit du nichts verpasst.

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