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Wie eine Startup-Schmiede dank der Zürcher Jugendförderung Geld spart

02. Oktober 2015
Chefredaktor


Junge Kreative, die einen günstigen Arbeitsraum suchen, wenden sich gerne an die Raumbörse der Stadt Zürich. Denn diese, so steht es auf der Webseite, vermittelt Räume an junge Menschen bis sie maximal 26 Jahre alt sind.

Am Sihlquai 131/133 macht die Stadt Zürich aber eine Ausnahme – eine, die 1050 Quadratmeter gross ist. Der Impact Hub, eine in 49 Ländern tätige Non-Profit-Organisation unter anderem mit Standorten im Viadukt und an der Hardbrücke, hat sich in dieser Zwischennutzung eingemietet und das alte Backsteinhaus für 500‘000 Franken umgebaut. Nicht nur aus Stilgründen, auch um bauliche Bestimmungen zu erfüllen.

Mit Unterstützung der Swisscom und der Börsenbetreiberin SIX entstand so ein «Coworking-Space», also Arbeitsplätze, die sich junge Kreative, Techniker, Ingineure etcetera teilen. Das Sihlquai bietet rund 250 Start-Ups einen Arbeitsplatz und vor allem gute Vernetzung mit anderen jungen Firmen.

Keine Räume an Start-Ups Es scheint, als passe die Raumbörse und der Impact Hub nicht so richtig zusammen. Eine städtische Organisation, die explizit darauf hinweist, dass keine Räume an Etablierte und an Start-Ups vermietet werden – dort eingemietet: der Impact Hub.




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Für die ganze Fläche im Erdgeschoss, im ersten Stock und im Dachgeschoss bezahlt der Impact Hub keine Miete. Allerdings verrechnet die Stadt pro Quadratmeter eine Pauschalentschädigung von 85 Franken. Total überweist der Verein monatlich 89‘250 Franken – im Jahr sind das gut eine Million Franken.

Bei gut 500 Mitgliedern, die monatlich 45 Franken bezahlen und bei rund 200 Personen, die regelmässig in der Zwischennutzung arbeiten und einen Platz für maximal 550 Franken im Monat mieten, nimmt der Impact Hub am Sihlquai höchstens 122‘500 Franken ein. Allerdings geht diese Rechnung so nicht auf. Denn nur 60 der Plätze werden à 550 Franken vermietet, der Rest ist nur teilweise belegt oder wird günstiger abgegeben.

Bisher kein Gewinn für den Impact Hub Alle drei Standorte zusammen erwirtschaften durch die Mitglieder im Jahr 2015 voraussichtlich 500‘000 Franken. Es ist anzunehmen, dass der grösste Teil vom Sihlquai stammt, da dieser mit Abstand die geräumigste Niederlassung ist. Der Rest des Budgets setzt sich aus Partnerschaften und vermietete Räumlichkeiten an externe Firmen zusammen.

Dies sei nötig, denn rein mit den Einnahmen durch die vermieteten Büroplätze können die Ausgaben nicht gedeckt werden, schreibt der Impact Hub auf Anfrage. Sowieso: «Ein potentieller Überschuss käme allein dem Standort des Impact Hub Zürichs zugute», so Céline Tykve vom Impact Hub.

Im vergangenen Februar erreichte der Hub erstmals in seinem vierjährigen Bestehen den Break-Even, Gewinne gab es bisher noch keine. Wegen dem teuren Umbau rechnet der Verein für das Jahr 2015 mit einem Verlust von 200‘000 Franken, bei einem Umsatz von 1,5 bis 2 Millionen. Wenn der Umbau eine halbe Million kostete und nun ein Verlust von 200‘000 CHF berechnet wird, könnte ab dem nächsten Jahr ein schöner Gewinn von 300‘000 Franken in der Kasse klingeln.

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Schwierige Aufschlüsselung Für Daniel Hilfiker von der Raumbörse ist das kein Widerspruch. Wegen der Grösse der Liegenschaften am Sihlquai seien die Räumlichkeiten anders verteilt worden als dies bei Standorten der Raumbörse üblicherweise der Fall wäre. Der Kanton, dem die Häuser gehören, habe die Stadt gebeten, auch die Interessen der Wirtschaftsförderung bei der Vergabe zu berücksichtigen. Darum seien die Räume zu je einem Drittel an bestehende Mieterinnen (zum Beispiel das Kinderballett), die Grossen (Impact Hub, Photobastei und Manifesta) und die U26-Jährigen (Zum Beispiel an die Jungen Journalisten) verteilt worden.

Das Wichtigste: Nicht nur die Kleinen, auch der Impact Hub habe nachweisen müssen, dass der Verein gemeinnützig arbeite, «niemand kann sich dort privat bereichern, das ist wesentlich», so Daniel Hilfiker.

Wegen den drei Standorten kann nicht einmal der Impact Hub klar aufschlüsseln, ob er am Sihlquai Geld verdient und damit die anderen beiden Orte mit den teureren Mieten querfinanziert. Oder ob es sich genau umgekehrt verhält. Um überprüfen und sicherstellen zu können, dass der Impact Hub in der Zwischennutzung keinen Gewinn erwirtschaftet, müsste diese Information für die Stadt Zürich jedoch von zentraler Bedeutung sein.

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