Wie #Zürich das Geld für die Kulturförderung verteilt

Die Stadt Zürich gibt für die Kulturförderung knapp 100 Millionen Franken aus. Warum das nicht nur lustig ist...
07. Februar 2015
Die Stadt Zürich fördert die heimische Kultur mit insgesamt 161 Millionen Franken (2011). Demgegenüber stehen Einnahmen von 59 Millionen. Wer selber schon mal etwas kulturelles auf die Beine stellen wollte, weiss, wie schwierig es ist, das Projekt zu finanzieren. Kultur, so schreibt die Stadt Zürich, leiste «einen wichtigen Beitrag zu einer offenen und lebendigen Gesellschaft.» An diesem Punkt setzt die staatliche (in diesem Fall städtische) Kulturförderung an. Mit dem Geld soll ein «vielfältiges» Kulturangebot für die vielfältige Bevölkerung ermöglicht und unterstützt werden.

Elitäre Kultur So weit, so gut. Die Stadt Zürich hat dafür jährlich insgesamt 161 Millionen Franken (2011) Zur Verfügung. Demgegenüber stehen Einnahmen von 59 Millionen.

Nicht im Stile der «Vielfalt», sondern im Stile der elitären Kultur wird dieses Geld ausgegeben.

Für das Jahr 2015 sind 97,5 Millionen Franken für die direkte Kulturförderung budgetiert (ohne Bauten und ähnliches). Dieses Geld verteilt sich folgendermassen. Was fällt auf? Das Geld ist sehr ungleich verteilt. Es lässt sich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, einer Sparte die Hälfte des ganzen Budgets zu geben. Den Fokus auf das Theater zu legen macht jedoch durchaus Sinn, wenn damit ein herausragender Effekt bewirkt werden kann.

Das teuerste und bekannteste Theater der Stadt Zürich bekommt mit Abstand den grössten Betrag. Jährlich sind dies über 37 Millionen Franken. es folgen das Theater Neumarkt, die Gessnerallee und diverse kleinere Theater. Es fällt auf: Je etablierter und klassischer ein Haus ist, desto mehr Geld gibt es. Durch diese Förderpolitik zementiert die Stadt die herrschenden Machtverhältnisse, Raum für Neues entsteht kaum. Das Gegenargument: Ohne Fokus auf ein grosses Theater ist es nicht möglich, aussergewöhnliche Qualität mit internationaler Strahkraft zu inszenieren.

E-Musik und Bildende Künste Bei der E-Musik ein ähnliches Bild: Von den gut 22 Millionen Franken gehen über 19 an die Tonhalle-Gesellschaft (16) und an das Zürcher Kammerorchester (gut 3). Weitere acht Gruppierungen teilen sich 1,5 Millionen, diverse kleine Kredite und Stipendien machen nochmals gut 1,5 Millionen aus.

Auch die bildenden Künste werden sehr einseitig unterstützt. Hauptsächlich profitieren das Kunsthaus und die Zürcher Kunstgesellschaft, die Kleinen bekommen Kleines. Nichts gegen ein qualitatives Kulturangebot in der Stadt und im Kanton Zürich. Ebenso nichts gegen die faire Entlöhnung der Schauspieler, Musiker, Sänger, Techniker.

Kulturelle Zwei-Klassen-Gesellschaft Wenn die grossen kulturellen Institutionen fast die gesamte Förderung wegfressen, sollte ich als (zugegebenen schwacher) Steuerzahler nicht gratis ins Theater oder die Oper gehen können? Oder sollte die kantonale und städtische Förderung nicht besser kleinere Projekte unterstützen (nicht aufkaufen), die sonst keine Chance auf einige Franken haben?

Die heutige Form der Kulturförderung lässt die etablierten Häuser in Geld schwimmen und die kleinen fast verhungern. Profitieren tun nur die Macher selbst. Und die, die sich Eintrittspreise zwischen 100 und 300 Franken leisten können. Es wäre ein Einfaches, diese kulturelle Zwei-Klassen-Gesellschaft zu beenden.

09.02.: Interview mit dem Kulturdirektor Peter Haerle über die Zukunft der Kulturpolitik 13.02.: Schafft die Eintrittsgelder ab! Das sagen die Kulturhäuser der Stadt zu dieser Forderung

Kultur (6)
Bild: Flickr

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