Tsüri Shop 🛒

Wie die SP Bastien Girod zum Ständerat machen könnte – dies aber nicht tun will

Geld, Personen und die Telefonsoftware
02. November 2015
Chefredaktor


Bastien Girod versucht alles, um am 22. November die Sensation perfekt zu machen: Gegen Noser von der FDP und Vogt von der SVP will er den zweiten Ständeratssitz erobern. Sein Wahlkampf führt der Grüne allerdings mit den bescheidenen Mitteln einer Kleinpartei – das ganze Geld, die meisten Plakate und Flyer verpulverte er im ersten Wahlgang, in dem der SP-Kandidat Jostisch auf Anhieb gewählt wurde.

Wie die Grafik unten zeigt, ist Girod auf die bedingungslose Unterstützung aller linken Kräfte im Kanton angewiesen, damit er im zweiten Anlauf als erster ins Ziel kommt. Die Unterstützung der AL ist bereits im Sack – ebenso jene der jungen GLP und jener der SP. Die Sozialdemokraten scheinen aber nur halbherzig hinter dem Grünen zu stehen, obwohl sich seine Positionen in den allermeisten Fällen mit jenen der SP decken.

[caption id="attachment_4415" align="alignnone" width="640"]Quelle: Facebook Quelle: Facebook[/caption]

Eine einfache Lösung Alleine schafft es Girod nicht, dafür sind seine Mittel und die Stimmenanteile der Grünen zu gering. Für dieses Problem gäbe es aber eine einfache Lösung: Die SP plante für Jositsch den zweiten Wahlgang und sitzt jetzt auf überschüssigen finanziellen und personellen Ressourcen. Diese könnte sie Girod zur Verfügung stellen. Ebenso die Software, welche die Sozis extra für diesen Wahlkampf programmieren liessen und mit welcher sie in den vergangenen Monaten 100‘000 Wählerinnen angerufen haben.

Einen solchen Vorschlag wollte die Geschäftsleitung (GL) der Kantonalpartei gar nicht erst thematisieren. Girod müsste ein solchen Angebot mit Handkuss nehmen.

Vogt ist keine Gefahr Dies wäre ein aktiver Wahlkampf zugunsten der Grünen und eine Neuheit im Kanton Zürich. Doch nicht einmal die passive Unterstützung kommt so richtig auf Touren: Neu-Ständerat Jositsch verweigert Girod bisher jede öffentliche Unterstützung, Alt-Stapi Ledergerber und Alt-Regierungsrat Notter gehen sogar noch einen Schritt weiter und sprechen sich aus strategischen Gründen für den FDP-Kandidaten aus. Daniel Frei, Präsident der SP Kanton Zürich erlaubt es seinen Politikern zudem ausdrücklich, den FDP-Mann Noser zu unterstützen – um Vogt zu verhindern. Diese Angst ist völlig unbegründet: Wenn sich in einem Punkt alle einig sind, dann darin, dass Vogt über die SVP hinaus keine Stimmen holen wird. In den 90ern stehen geblieben? Warum wehren sich Teile der SP gegen eine grüne Vertretung im Ständerat und werden so zur Königsmacherin eines Vertreters des Zürcher Finanzplatzes, eines Mitglieds des neuen Geldadels, der sich am liebsten die Herrschaft der Zünfte zurück wünscht und in wesentlichen Fragen sogar auf SVP-Linie politisiert? SP-Präsident Daniel Frei wollte gegenüber Tsüri.ch keine Stellung beziehen, genau wie Ständerat Daniel Jostisch. Dies verstärkt den Verdacht, dass die SP-Oberen dem Vorschlag des Neo-Ständerats folgen und die Partei weiter nach rechts öffnen wollen.

Nationalrätin Badran äusserte auf Facebook den Verdacht, die älteren SPler träumten noch immer von einer SP/FDP-Dominanz und würden sich darum für Noser aussprechen.

Ähnlich äussert sich AL-Urgestein Niggi Scherr in einem Blogbeitrag: «Irgendwie habe ich den Eindruck, Markus Notter und Elmar Ledergerber sind bei ihren Einschätzungen in den Schützengräben der 1990er-Jahre steckengeblieben. Damals schmiedeten SP und FDP Koalitionen der Vernunft, um den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg der SVP und ihre destruktive Politik zu kontern. Von der damaligen Vernunft der FDP ist heute nicht mehr viel geblieben. Ihre Zürcher Exponenten, auch Noser, sind praktisch alle nach rechts geschwenkt. Gar nicht zu reden davon, dass mit einer Wahl von Noser das SVP-U-Boot Bigler in den Nationalrat nachrücken würde…» Bastien Girod selber gibt sich diplomatisch und sagt, er sei insgesamt sehr glücklich über den starken Support der SP. Und fügt an, dass zumindest einige personelle Ressourcen für seinen Wahlkampf bereit gestellt wurden: «Letzten Samstag war ich an einer Standaktion der SP, wo nur für mich geworben wurde.»



Das könnte dich auch interessieren

Kommentare

Willst du mitreden?

Wir kämpfen zusammen für mehr Diversität, Nachhaltigkeit, Gleichstellung und ein Zürich für alle. Als Tsüri-Member bestimmst du mit, worüber wir berichten und bist Teil von verschiedenen Formaten, die unsere Stadt bewegen.

Tsüri-Member werden
Einloggen und zurück zum Artikel
Weiterlesen