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Wie der Blick seine eigenen Journalisten zensiert

Steuererleichterung für Start-ups
08. März 2016
Chefredaktor
«Steuererleichterungen gehen zu wenig weit»: Kanton Zürich vergrault Start-ups – so titelte der Blick am 1. März einen kritischen Artikel über die kantonalen Steuererleichterungen für Jungunternehmen.

Die Hauptaussage: Der kantonale Beschluss, dass junge Firmeninhaber in den ersten drei Jahren auf ihren Aktienwert keine Steuern zahlen müssen, nütze den Start-ups nichts. Besonders im digitalen Bereich bräuchten die Unternehmen aber mehr als drei Jahre, um einen operativen Gewinn erzielen zu können – deshalb greifen die Erleichterungen zu kurz, kritisiert Stefan Steiner vom Institut für Jungunternehmer: «Das Ganze ist eine Scheinlösung und zielt am eigentlichen Problem vorbei.»

Natürlich ist der zuständige Regierungsrat Ernst Stocker (SVP), der im Artikel ebenfalls zu Wort kommt, anderer Meinung und verteidigt seine Politik. Und löste bei der Blick-Redaktion offenbar einen Denkprozess aus. Denn kurze Zeit später war der Beitrag von Journalist Onur Ogul online nicht mehr verfügbar.

Stefan Steiner wundert sich auf Twitter, warum der Artikel mit seiner Kritik an der Steuerpolitik auf Blick.ch zensiert wurde. Und die Blick-Redaktion vollzieht einen spektakulären Meinungsumschwung!

Statt der harschen Kritik an Ernst Stocker prangt neu ein Artikel auf der Webseite, der die Steuerpolitik in ein sehr positives Licht rückt. Die Kritiker vom vorherigen Artikel kommen nicht mehr zu Wort – dafür Expertinnen, die den «Schritt in die richtige Richtung» loben.

Doch warum drehte sich die Meinung der Redaktion innert kürzester Zeit um die eigene Achse? Entsprechende Tweets (mit über 500 Retweets) blieben bisher unbeantwortet. Auf Anfrage verweist die Medienstelle von Ringier auf die Schweizer Mediendatenbank (SMD), wo der Beitrag noch verfügbar ist. Sprecher Estermann fügt zudem an, dass der neue Artikel den vorangegangenen ersetze, «was soweit nichts aussergewöhnliches ist.»




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Brisant: Im neuen lobenden Artikel über die Steuererleichterungen kommt Christian Wenger, der Präsident von Digital Zurich 2025, zu Wort. Dies ist eine Initiative von Ringier-Chef Marc Walder, mit welcher er den Raum Zürich zu einer Art europäischen Silicon Valley machen will – also eine direkte Unterstützung für Start-ups im digitalen Bereich! Mit dabei im Komitee: Regierungsrat Ernst Stocker.

Wurde der Artikel von Onur Ogul entfernt, weil er die Bestrebungen seines Chefs in ein schlechtes Licht rückte? Ein Schelm, wer die Unabhängigkeit der Redaktion in Gefahr sieht.

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