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Weshalb nachhaltiger Strom und nachhaltiger Konsum zusammen gehören

Wir denken an Zero Waste, Fair Trade, Suffizienz, Regionalität und Saisonalität wenn wir «nachhaltiger Konsum» hören. Dies greift zu kurz: Wir müssen den Strom mitdenken!
06. Juli 2019

Ohne den elektrischen Strom würde unsere Welt anders aussehen. Unser westlicher Alltag wäre ohne Strom nicht zu bewerkstelligen. Es gibt die offensichtlichen Stromfresser wie Laptop, Handy, Lampen oder Kaffeemaschinen. Es gibt die weniger offensichtlichen Stromfresser wie die Wasserpumpe, ohne welche wir in der Wohnung kein fliessendes Wasser hätten. Und dann gibt es all jene Waren und Produkte, welche ohne Strom funktionieren: Zum Beispiel das Velo, das Küchenmesser, die Mango oder die Socken.

Aber auch diese dritte Kategorie würde es bei uns in Zürich bei weitem nicht im heutigen Ausmass geben, würden wir in einer Welt ohne Strom leben. Denn in der Produktion, dem Transport und dem Verkauf wird so gut wie immer Strom verbraucht:

  1. Auf dem Schiff, mit welchem die Mango transportiert wird, muss die Koje geheizt werden.
  2. Das Küchenmesser wird in einem beleuchteten Laden verkauft (selbst Zero Waste Läden haben elektrisches Licht).
  3. Deine farbigen Happy Socks werden genäht oder gewoben, die entsprechende Maschine hängt an der Steckdose.

An sich ist das alles weder gut noch schlecht. Die Menschheit hat längere Zeit ohne Strom gelebt als mit. Es ginge auch ohne, doch nicht mit unserem heutigen Lebensstandard. Erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die Menschen, den Strom technisch zu nutzen, und zwar für die Telegrafie. Damals reichten die Leistung von Batterien noch aus. Später, ab dem Jahr 1893 wurden mit Dieselgeneratoren grössere Mengen Strom für den öffentlichen und privaten Gebrauch hergestellt: Mittels Leitungen wurde er auf Plätze und in Wohnungen transportiert, wo er Glühbirnen speiste. Es werde Licht!

Auf die Dieselgeneratoren folgte die Kohlekraft, folgte ab dem 20. Jahrhundert die Wasserkraft, folgte die Atomkraft und schliesslich die erneuerbaren Energiequellen. Bis ins Jahr 1990 stieg der Stromverbrauch in der Stadt Zürich kontinuierlich an. Seither ging er um 3 Prozent zurück, während die Bevölkerung um 17 Prozent gewachsen ist; hauptsächlich durch das effizientere Nutzen der Energie und dem abnehmenden Energieverbrauch für das Heizen von Gebäuden. Heute liegt der Pro-Kopf-Verbrauch in Zürich bei rund 2759 kWh pro Jahr.

Bis hierhin haben wir gelernt, dass (fast) alles irgendwie mit Strom zusammenhängt, dass es früher vor allem Strom aus nicht erneuerbaren Quellen gab und dass der Verbrauch in der Stadt Zürich seit 1990 leicht zurückgegangen ist.

Soll die 2000-Watt-Gesellschaft oder sogar die Forderung «Netto-Null» bis im Jahr 2050 erreicht werden, müssen auch in Zürich noch zwei wesentliche Schritte getan werden:

  1. Der Energieverbrauch muss durch mehr Effizienz oder Verzicht reduziert werden.
  2. Der Anteil an erneuerbaren Energien muss gesteigert werden.

Beim zweiten Punkt sind wir auf sehr gutem Weg, wie die Stadt Zürich auf ihrer Webseite schreibt: «Die Zusammensetzung des Strommix hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert. Seit 1. Januar 2015 beliefert das städtische Elektrizitätswerk ewz alle Haushalte und die privaten Kund*innen, die nicht selber ihren Stromanbieter wählen können, ausschliesslich mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Der Anteil an geliefertem Strom aus Kernkraft ist infolge von rund 27 Prozent auf unter 10 Prozent gesunken, der Anteil an Strom aus Wasserkraft von rund 60 Prozent auf 77 Prozent gestiegen.»

Durch die Strommarktliberalisierung können gewisse Verbraucher*innen selber wählen, welchen Strommix sie wollen, weshalb der Anteil an grünem Strom in Zürich nicht bei 100 Prozent liegt.

Natürlich, wir Konsument*innen haben keinen Einfluss darauf, ob das Mango-Schiff oder die Socken-Maschine mit erneuerbaren Energien beleuchtet und betrieben wird. Aber wir selber haben den einzigen Einfluss darauf, was wir konsumieren. Bei den Argumenten für oder gegen etwas ist also nicht nur Zero Waste, Fair Trade, Saisonalität und Regionalität von immenser Bedeutung, sondern eben auch, mit welcher Energie etwas produziert und geliefert worden ist.

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