Wenn Passant*innen zu Schaufensterpuppen werden

Präsentiert von Manor
Die Künstlerin und Szenografin Claudia Marolf bespielt im Rahmen ihrer ZHdK-Masterarbeit zwei Manor-Schaufenster. Die Passant*innen werden dabei zum menschlichen Warenträger und inszenieren das Produkt.
24. Juli 2018

«Ein Schaufenster verbindet das Aussen mit dem Innen und thematisiert die Schnittstelle zwischen Bild und Raum», sagt Claudia Marolf. Zudem präge das Schaufenster als Spiegel der Sehnsüchte und als möglicher Ort des gesellschaftlichen Wandels das Stadtbild auf der Blickhöhe des menschlichen Auges. Vom 26. bis am 28. Juli 2018 experimentiert die 34-jährige ZHdK-Studentin jetzt in zwei Manor-Schaufenstern.

Claudia befasst sich seit Jahren mit dem Thema Raum und untersucht verschiedenste künstlerische Darstellungsformen von Raumvolumen. Sie hat bereits ihr Ausbildung als Dekorationsgestalterin im Manor absolviert und arbeitet seither Teilzeit im Visual-Team des Warenhaus. Sie bezeichnet sich als Manor-Kind: «Die Arbeit in meinem sehr kreativen Team inspiriert mich täglich aufs Neue und der familiäre Umgang bereichert meinen Arbeitsalltag», sagt sie. Nach dem Bachelorstudium in Szenografie an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) und drei Semestern im Master Fine Arts setzt sie sich nun in ihrer Masterarbeit in der Vertiefung Design Trends aktuell mit der Entwicklung der Schaufensterräume auseinander. Zu diesem Zweck hat ihr Manor zwei Schaufenster an der Lintheschergasse zur Verfügung gestellt.

Claudia Marolf beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit dem Thema Schaufenster.

Beziehung zwischen Konsument*in und Produkt

In ihrer Masterarbeit befasst sie sich unter anderem mit der Beziehung zwischen Konsument*in und Produkt: «Die Präsentation der Verkaufsware hat sich durch die Digitalisierung verändert und beginnt mehrheitlich bei der repräsentativen Selbstdarstellung der Konsument*innen», erklärt sie. Durch verschiedenste Onlineplattformen nimmt die Warenpräsentation neue Formen an. Über YouTube-Kanäle beispielsweise würden die Konsument*innen zu menschlichen Warenträger*innen im öffentlichen Raum und zeigen sich in Beziehung mit dem Produkt. Die Selbstdefinierung durch ein Image eines Produktes wird dadurch ins Bewusstsein der Betrachter*in gebracht. «Das Merchandising-Design verändert sich und passt sich der netnographischen Plattformästhetik an. Es entstehen neue Formen der Ausstellungskonzepte auf der realen Verkaufsfläche», erklärt sie.

Neue Nutzung der Schaukästen
Der Schaufensterraum wird über drei Tage bespielt und dabei der gestalterische Prozess sichtbar gemacht. Das Fenster soll als Ort verstanden werden, der nicht nur als Ausstellungsraum genutzt wird, sondern neue mögliche partizipative Aktionen zulässt. Da sich der Verkaufsraum mehr und mehr in den digitalen Raum verlagert, drängt sich die Frage auf, was mit den vorhandenen architektonischen Grundstrukturen der Schaufensterräume in einer Stadt der Zukunft geschieht. «Werden sie zunehmend digitalisiert oder können neue Formen der Nutzung dieser Schaukästen entstehen?», fragt sie sich. Claudia Marolf interessiert es, wie sich die Warenpräsentation verändert und wie die Beziehung Produkt – Mensch im öffentlichen und privaten Raum inszeniert wird. «Das Produkt ist vom menschlichen Körper nicht mehr wegzudenken und beeinflusst und formt unser Erscheinungsbild», führt sie aus.

Ihr Experiment soll die gewohnten Schaufenster-Inszenierungen hinterfragen und mehr Raum für gestalterische Prozesse ermöglichen. Das daraus resultierende Schaufensterszenario soll wie ein Stillleben funktionieren. Passant*innen werden durch aktive Teilnahme Teil der Inszenierung: Der/die Passant*in wird zum menschlichen Warenträger*in und inszeniert das Produkt. Die dabei entstandenen Video- oder Fotoaufnahmen werden über Screens im Schaufenster ausgestellt.

Das Experiment in den Manor-Schaufenster an Lintheschergasse läuft vom Donnerstag, 26. bis am Samstag, 28. Juli 2018.
Die Fotos wurden zur Verfügung gestellt.

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