Wenn Leutenegger mit Flüchtlingen Müll einsammelt, kann das nur eines bedeuten

Leutenegger auf Stimmenfang?
03. November 2015
Chefredaktor


Warum verbringt der rechteste Stadtrat von Zürich einen ganzen Nachmittag mit Asylsuchenden? Nicht wenige Leserinnen der Pendlerzeitung 20 Minuten dürften sich am Montag diese Frage gestellt haben, als sie den Artikel «Leutenegger sammelt mit Flüchtlingen Abfall» lasen.

Charmant posiert der Stadtrat, der nicht gerade durch ausländerfreundliche Positionen auffällt, auf einem Foto mit Asylbewerbern, die Zürichs Strassen von Müll befreien. Die Bewohner des Zentrum Juch verdienen sich so bis zu 30 Franken pro Tag dazu. Leutenegger lobte «das Engagement dieser jungen Leute» gegenüber 20 Minuten.

Es ist nicht die erste PR-Masche, mit der sich der Medienprofi bei den rotgrünen Wählern der Stadt Zürich anzubiedern versucht. Bereits im Juli verteilte er in der brütenden Sommerhitze Wasser an die Arbeiter auf der Bellevue-Baustelle und begab sich mit den Abfallmännern des ERZ auf Züri-Sack-Sammeltour. Immer mit dabei: Eine Kamera einer auflagenstarken Zeitung.

Selbst die temporäre Binz-Wiederbesetzung im Sommer nutzte er, um sich bei den Wählerinnen gut zu präsentieren. Weil Polizeichef Wolff von der AL in den Ferien weilte, konnte Leutenegger einen Coup landen. Seit Jahren war es das erste Mal, dass ein Zusammentreffen von Besetzern und Polizisten einigermassen gewaltlos über die Bühne ging. Ausgerechnet dann, als die Stadtpolizei eine bürgerliche Führung hatte. Dass die Deeskalation nicht der Verdient der Polizei, sondern jener der Besetzer war, interessierte im Nachhinein natürlich niemanden mehr.

Damit wären wir wieder bei der Einstiegsfrage: Warum tut Filippo Leutenegger das? Immerhin vertritt er selbst für FDP-Verhältnisse stark rechte Positionen und würde von daher genauso gut in die SVP passen.

Es ist kein Geheimnis, dass die Bürgerlichen in der städtischen Exekutive gerne stärker vertreten wären. Heute stellen sie Two and a Half Men (Leutenegger, Türler und Lauber) – stehen also einer satten Mehrheit von sechs linken Magistraten gegenüber. Höchste Zeit also, diese Mehrheit anzugreifen.

«Wenn der so weitermacht, wird er noch Stadtpräsident,» schrieb Miklós Gimes in seiner Tagi-Kolumne im Juli über Filippo Leutenegger. Was heute nach reiner Spekulation tönt, könnte schon bald wahr werden. Denn Corine Mauch ist schon sechs Jahre im Amt und hat bis zu den nächsten Wahlen drei weitere vor sich. Gut möglich, dass sie dann keine Lust mehr hat.

Und ganz grundsätzlich muss man dem FDP-Mann eines zugutehalten: Es ist nicht sein Fehler, dass sich seine Stadtrats-Gspänli zu schade für öffentlich wirksame Auftritte sind.

 

Titelbild: Facebook

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