Wenn das Wetter und die Faulheit siegen, liegen wir Zürcher lieber im Bett

Ein Plädoyer für die Faulheit
15. Oktober 2015


Liebe Arbeit

Ich komme heute nicht. Denn das Wetter ist schlecht. Und ich weiss, ich hab’ recht, wenn ich heute im Bett bleibe und niemanden beneide, der sich gut gewässert auf dem Bürostuhl suhlt.

Ich lese, ich schreibe, und kaum bin ich müd und trüb, ab ins Bett zurück zum Zeichnen in Träumen, um damit zurechtzukommen, dass ich nicht bin, wie verlangt, sondern bin, was ich bin, nämlich nichts weiter, als ein vergeigtes Projekt, Der Amerikanische Traum nennt mich Insekt, inkorrekt und im Endeffekt uneffektiv, unproduktiv und intensiv mit mir selbst beschäftigt. Das ist bestätigt.

So werd’ ich beschuldigt, nichts zu wollen, nichts zu tun, ausser zu ruh’n. Das wäre schon ein Hohn für alle andern. Verstanden.

Wäre da nicht dein lieber Vetter »Geld«, der mir zwar nicht ganz so gefällt. Doch fällt Essen, Dach und Wände als Eintracht in seine Hände. Auch spräche ich Bände, um ihn zu verleugnen, zu vergeuden, ich bräche es nicht zustande. Denn es bestünde keine Welt ohne deinen Vetter »Geld«.

Also sollte ich heute trotzdem kommen, liebe Arbeit? Nein, denn ich bin bereit, seit einer Ewigkeit, dir zu sagen, ja, dass ich es wage! Die abscheuliche Scham, und die Qual des Zwangs und des Gangs zu dir nicht mehr tolerier’ und zwar verneine und bleibe, was ich bin: Ein Insekt, inkorrekt und uneffektiv und massiv unproduktiv. Denn das ist’s, was ich will. Null der Arbeit. Null des Geldes.

Stattdessen viel besser das Erbauen von Vertrauen zum Vermieter. Er muss nur glauben, er siegte. So kommt er prompt nicht, und ich trinke und stinke in meinem Bett, fett und komplett.

Deshalb ein Tost auf animalische Vergnügen, auf das Begnügen mit Regen auf Dächern, auf das Blättern in Büchern, auf das Fliehen vor Realitäten, späten Mietzahlungen, Ballungen von Musik und warmen Körpern auf das Verplempern der Zeit und auf das gute Leben. Wo auch immer es zu finden.

Lass mich feiern, alles der Sinne. Lass mich die Welt belachen, während sie darauf bedacht ist, nicht zu wirken, als birgt’ sie eine psilocybine Miene.

Liebe Arbeit und dein Vetter. Ich bleib’ im Bett, du weisst, das Wetter!

Titelbild: Flickr
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