Die Weihnachtskatastrophe und was du dagegen tun kannst

Das Weihnachtsgeschäft: man ballert uns mit Ramsch zu. Die Läden platzen fast vor Menschen.
18. Dezember 2017

Dieser Beitrag ist bereits im Winter 2016 erschienen.

Um uns in Kauflaune zu bringen, werden die Shops aufgeheizt, so dass wir zu kochen beginnen.
Wir mittendrin. Beim Schenken wollen wir schon mitmachen. Nur sollte es ein gutes Geschenk sein. Aber was ist ein gutes Geschenk? Ein Geschenk, an dem kein Blut von Minenarbeitern klebt. An dem keine toten Baby-Seehunden angenäht sind. Ein Geschenk, das wir nicht in kopfloser Konsumlust kaufen.

Hier liest du 8 einfache Tipps, wie du ein gutes Geschenk machst.

Mit dem Weihnachtsverkauf machen einige Branchen etwa 20 Prozent von ihrem Umsatz (Zahlen aus Deutschland: Bücher 25%, Unterhaltungselektronik 24%, Haushaltsgeräte 20%) Das bedeutet: Für den Weihnachtsverkauf wird extrem viel produziert. Es lohnt sich besonders an Weihnachten alle Geschenke überlegt zu kaufen. So, dass niemand ausgebeutet wird, nicht massiv viele Rohstoffe verschwendet werden. Kurz gesagt: Kauft nachhaltige Weihnachtsgeschenke, denn eingekauft wird sowieso.

1. Schenke keinen Ramsch

Wir kennen es alle. Es juckt in den Fingern bei einem lebensgrossen, aufblasbaren Gorilla aus Plastik: «Der würde mega gut zu meinem Kumpel passen.» Lass es sein. Solche Geschenke sind kurz oder garnicht lustig und vor allem sind sie Einmalgebrauch-Geschenke. Wir haben alle viele davon im Estrich. Wegwerfen geht nicht, weil ein Geschenk. Das gleiche bei Deko-Sachen. Meistens triffst du den Geschmack deines gegenübers schlecht. Daher: Kaufe etwas, das man wirklich braucht: Essen, ein Bio-T-Shirt, oder wenn du was als Gorilla-Ersatz willst: Eine Wasserspaarbrause mit komischem Tier drauf.

2. Kaufe Produkte, die sich reparieren lassen

Meine Jeans haben ein Loch. Im Normalfall wandern sie dann in den Abfall. Heute nicht. Meine biologischen Nudie Jeans werden im Shop gratis repariert. Flickbare Produkte sind viel nachhaltiger als kurzlebige, denn meine Jeans haben ein zweites Leben erhalten und sind dadurch auch viel günstiger als Hosen mit einem Leben.

Kopfhörer halten bei mir etwa drei Monate, dann haben sie einen Wackelkontakt. Heute habe ich mir Sennheiser Kopfhörer gekauft, da kann man die Kabel auswechseln. Mein Modell kostet zwar 140 Franken, dafür halten sie mehrere Jahre und beim Wackelkontakt wechsle ich ein Kabel aus und fertig. Solche Beispiele gibt es tausendfach. Meistens kosten sie etwas mehr, dafür halten sie viel länger.

Ein andere Geschenkidee zum Reparieren: Sugru, eine Knetmasse, mit der sich fast alles reparieren lässt. Ich habe damit gleich mal schnell meinem Ladekabel ein zweites Leben geschenkt.

3. Schenke Gebrauchtes

Ein Freund fand, das sei ein NO-GO. Ich verschenke dieses Jahr ein altes Buch. Eines, das ich schon gelesen habe. Warum eigentlich nicht? Dafür gibt es gleich mehrere Gründe:

  1. Ich weiss, dass es gut ist.
  2. Es schont Ressourcen.
  3. Die Eselsohren und angestrichenen Stellen verraten etwas über mich, der/die Beschenkte lernt mich besser kennen.

Ich gaukle dem/der Beschenkten natürlich nicht vor, dass das Buch neu ist. Ich schreibe es gleich in der Widmung mit den oben genannten Gründen. Auch eine schon vorhandene Widmung, die lässt sich überkleben.
Gleiches gilt für Dinge aus dem Brocki. Alles, was schon einmal gebraucht wurde, schont Ressourcen und hat Charakter. (Hier Brocki-Verzeichnis für Zürich)

4. Schenke Selbstgemachtes

Basteln liegt mir nicht besonders. Ich mache daher immer Essen selber. Essen passt auch sehr gut zu Tipp 1: man kann es immer brauchen. Letztes Jahr habe ich 10 Gläser Kiwi-Konfitüre aus Schweizer Kiwis gemacht. Die sind etwas sauer zum essen, in der Konfitüre schmecken sie jedoch perfekt. Dieses Jahr gibt es getrocknete Apfelschnitze. Verwandte lieben Selbstgemachtes. Wenns ganz schnell gehen muss: gebrannte Mandeln. Braucht Mandeln, Zucker, Vanillezucker und etwa 15 Minuten deiner Netchill-Zeit.

5. Schenke ein Abo

Abos sind ein starkes Geschenk, aber kein einfaches. Du musst ein Budget haben und wissen, ob das Geschenk gut passt. Daher ein Vorschlag, schenke eine Auswahl für verschiedene Abos, die Beschenkte darf eines auswählen:

Das Gute an Abos: Der/die Beschenkte hat nicht noch mehr Dinge zu Hause und digitale Produkte sind umweltfreundlich und essen muss er/sie sowieso.

6. Wähle Marke und Shop gut aus

Es gibt unzählige Kleiderläden, die Mode und Öko so vereinen, dass man das Öko nicht mehr sieht. Der rrrevolve schafft das in Zürich besonders gut. Weitere Adressen sind Changemaker, Soeder und Melvin. Es gibt aber auch zum Beispiel im Coop oder der Migros Bio- und Faire-Trade Linien. Weil man es Öko-Kleidern nicht mehr ansieht, sind sie etwas schwierig zu finden. Auch der Preis unterscheidet sich kaum noch. Daher: im Laden fragen. «Wo sind eure nachhaltigen Kleiderlables?»
Hier noch eine Liste mit nachhaltigen Länden in Zürich.

7. Online Shopping ist besser als sein Ruf

Wegen Zalando und Amazon sind Online-Shops im Verruf. Das sollte nicht sein, denn Online-Shoping kann durchaus umweltfreundlicher sein als ein Einkauf im Laden. Wenn man Heizkosten für die Ladenfläche einrechnet, deine Anfahrt in den Laden dann ist die Paketsendung zum Teil ökologischer. Das heisst nicht, dass du jetzt mit gutem Gewissen pestizidgetränkte 5 Franken T-Shirts bestellen kannst. Aber fast alle kleinen, biologischen und fairen Läden verkaufen auch online. Grosse, komfortable Online-Stores gibt es wenige. Eine Ausnahme den deutschen Avocadostore, der liefert vieles auch in die Schweiz.

8. Verpacke dein Geschenk recycelbar

Nach diesem langen Text hast du etwa 10 gefüllte Papiertüten in der Hand. Oder kaufst du ohne Verpackung ein? Das geht nämlich ganz einfach, aber du musst dich gegen die Säcke wehren. Auch Geschenke in Zeitungspapier einzupacken ist ganz einfach. Wie erwähnt, ich bin kein Bastler, aber das hab sogar ich geschafft:

Heute war ich auch an der Bahnhofstrasse: Kitsch, Konsumlust, Plastiksäcke, Pelzmäntel. Atomkraftwerke laufen weiter, Wirtschaftsbosse leugnen den Klimawandel. Und wir kaufen 20 Prozent der produzierten Ware an Weihnachten. Um mit glitzernden Geschenken aufeinander einzuprügeln.

Damit ist jetzt Schluss. Lasst uns diese Weihnachten gute Geschenke machen.

Hast auch du Tipps für gute Weihnachtsgeschenke? Verrate sie uns in den Kommentaren.

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