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Wie es ist, kein Weihnachten zu feiern

Als Muslima feiere ich kein Weihnachten. Darum sind die Festtage die entspannteste Zeit des Jahres für mich.
16. Dezember 2019
Redaktorin

Mit einer Mischung aus Erstaunen und Mitleid fragt man mich oft: «Was, du fyyrsch kei Wiehnachte?! Denn bekunnsch jo gar kei Gschänk!»

Stimmt. Und darum ist Weihnachten für mich die entspannteste Zeit des Jahres. Als Muslima aus Kosovo bin ich fein raus: Ich muss mich nicht wenige Tage vor Weihnachten durch den Sonntagsverkauf quälen, auf der Suche nach den passenden Geschenken, den Familienbesuch haben wir bereits an Bajram abgehakt und Weihnachtslieder singen bleibt mir ebenfalls erspart. Der 24. bis 26. Dezember sind ziemlich normale, fast schon langweilige Tage für mich. Zu tun gibt's nicht viel. Ausser mit meinem Papa zum x-ten Mal Weihnachtsfilme zu bingewatchen – was anderes läuft ja nicht.

Christmas in your face

Natürlich geht Weihnachten trotzdem nicht einfach sang- und klanglos an mir vorbei. Ist Halloween erst durch, stehen ja schon im November die Schoggi-Samikläuse in den Läden parat. Hast du keinen Bock auf Weihnachten, hast du Pech gehabt. Denn in Zürich entkommst du den Glühweinständen, funkelnden Weihnachtsbäumen und Lichterketten (die Beleuchtung in der Bahnhofstrasse hat sogar einen Namen: Lucy) nur schwer. Aber ich hab’s ja gut. Ich kann die Weihnachtsatmosphäre geniessen, ohne dafür etwas tun zu müssen. Denn zugegeben: Schoggitaler umhüllt von farbigem glänzendem Papier sind einfach feiner als normale Schoggi und die überbordende Weihnachtsbeleuchtung macht die Dunkelheit im Winter gleich etwas erträglicher.

Für die Stimmung

Als Kind war ich immer etwas traurig, weil ich die einzige von meinen Freund*innen war, die keine Geschenke erhielt, keinen Adventskalender zu Hause hängen hatte, geschweige denn einen Adventskranz.

Meine Eltern liessen sich irgendwann dazu weichkochen, dass wir uns einen kleinen Weihnachtsbaum aus Plastik zulegten, den meine Geschwister und ich jedes Jahr dekorieren durften. Er war nicht einmal einen Meter hoch und eigentlich viel zu klein für die ganzen bunten Weihnachtskugeln und Figürli, die wir drangehängt haben. Aber das war egal. Es ging nur darum, dass auch bei uns festliche Stimmung herrschte. Der Baum war dann einfach weniger Christbaum als Neujahrsbaum. Und damit taten wir es eigentlich bloss den Menschen in Kosovo gleich. Ein Grossteil der kosovarischen Bevölkerung ist muslimisch. Trotzdem wird die Hauptstadt Prishtina in der Festtagszeit mit Lichterketten und anderem Weihnachtskitsch dekoriert. Warum auch nicht? Denn Weihnachten ist schon lange nicht mehr nur ein religiöses Fest, um die Geburt Christi zu feiern.

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