Nachricht an die Nachbar*innen. Alle Fotos: Elio Donauer

«Wenn du noch einmal meine Wäsche auf den Staub packst!!!»

Hässige Post-its und Anarchie auf dem Waschplan – fünf Geschichten direkt aus den Waschküchen dieser Stadt.
09. Juni 2020

Die Mieter*innen müssen sich Waschmaschine und Trocknungsraum teilen, streiten um die Samstage als Waschtag und hängen den Nachbar*innen die noch feuchten Kleider ab, um sie auf den Boden zu klatschen. Kein Wunder, ist die Waschküche Ursprung manchen Übels im Haus. Fünf Geschichten aus den unterirdischen Küchen Zürichs.

Die Wäsche des Ex

«Ich lernte Rico an einer Party auf einem stillgelegten Bahngelände kennen. Er spielte 80er-Jahre Electro auf alten Vinylplatten, dabei fiel ihm die immer gleich Locke ins Gesicht, aber nicht auf den Joint, der gefühlt den ganzen Abend über in seinem Mundwinkel glimmte. Ein paar Wochen darauf zogen wir zusammen. An den Wochenenden legten wir Matratzen in seinen Transporter und fuhren über den Gotthard in Richtung Süden. Als er eine neue Stelle antrat, freute ich mich für ihn. Doch bald hatte ich das Gefühl, dass da eine Mauer war, zwischen uns. Der Transporter blieb in der Garage, ich stürtzte mich ins Nachtleben. Er machte Überstunden. Irgendwann bekam mein Gefühl einen Namen. Seines. Und dann auch meines.

Ich machte Schluss, auch wenn es im Prinzip er war, der mich verlassen hatte. Zur gleichen Zeit wurde eine Wohnung im selben Haus frei, ich konnte kurzfristig einziehen. Wir sahen uns kaum noch. Wenn er Besuch von ihr hatte, waren sie so freundlich, ihre Schuhe nicht vor der Wohnungstüre stehen zu lassen. Nicht so schlimm, sagte ich mir. Der Idiot, der hat dich gar nicht verdient, sagte meine beste Freundin. Und dann leerten wir unsere Proseccogläser und stürzten uns noch ein bisschen mehr ins Nachleben. Bis zu diesem Morgen. In feinsäuberlicher Schrift stand mein Name auf dem Waschplan. Doch als ich die Maschine öffnete, purzelte mir ausgerechnet sein nasses Lieblingsshirt entgegen. Und mit ihm meine ganzen Gefühle, die ich fest verschlossen aufbewahrt hatte.

Warum hast du es nicht zerschnitten? Warum hast du es nicht in die Mülltonne geworfen?, würde meine beste Freundin später fragen. Doch stattdessen ging ich in den Trocknungsraum. Ich strich jedes einzelne Stück glatt, bis sie in perfekter Symmetrie auf der Leine hingen und somit zu einem Manifest meiner Liebe wurden. Nur der Spitzen-Büstenhalter, das Trägershirt aus Fairtrade Seide und die Happy-Socks, die ich zwischen seinen Kleidern gefunden hatte. Die sind danach nie wieder aufgetaucht.»

Luisa

Waschen im Alklager

«Während meinem Studium wohnte ich in einem Juwo-Haus gleich an der Langstrasse. Die Waschmaschine befand sich im Keller, der nur über einen alten Lift oder über die Treppe der Bar im EG zu erreichen war. Gleich neben der Waschmaschine lagerte der Barbesitzer das Leergut und es roch immer nach altem Alkohol. Der ganze Raum war stets staubig und klebrig. Eines Tages fand sich dann auch mal dieses Post-it an der Waschmaschine vor:

An einem Samstag hatte ich mich zum Waschen eingetragen und bin mit dem Lift in den Keller gefahren. Als ich mit der nassen Wäsche auf den Armen (als Studentin hat man irgendwie nie eine «Wäschezeine») den Lift starten wollte, macht der keinen Wank. Es blieb mir also Nichts anderes übrig, als mir damit – begleitet von dummen Sprüchen – den Weg durch die johlende Menge in der Bar zu bahnen und darauf zu achten, dass niemand sein Bier über meine weisse Bluse leert.»

Seraina

Der Diebstahl

«Uns wurden mal drei Paar Wanderschuhe geklaut, die mein Vater zum Trocknen in der Waschküche gelassen hatte. Dann schrieb er einen bösen Zettel auf dem er fragte, wer in diesem Haus Wanderschuhe klaut, und ein paar Tage später waren sie wieder da.»

Flo

Anarchie

«In unserer Waschküche herrscht Anarchie. Sie riecht nach nassfeuchten Küchentüchern, die zu lange in einer Ecke gelegen sind. Auf dem Boden liegen tote Spinnen und tennisballgrosse Staubknäuel. Die Wände wurden von Kinderhand mit Kugelschreiber verschönert. Alle waschen, wann es ihnen passt, es gibt keinen Waschplan und deshalb auch keinen Streit. Wenn die Wäsche eine Woche lang hängen bleibt, stört das niemanden. Ich liebe es.»

Katja

Missgeschick

«Bei uns im Haus hatte ein Freier mal mit einer Prostituierten unsere Waschküche als Verrichtungsort ausgesucht, während sein Kumpel draussen vor dem Fenster zur Waschküche wartete. Dabei haben sie die Türe zur Waschküche ins Schloss fallen lassen, die aber keinen Türgriff mehr hatte. Nach dem Spässchen waren sie eingesperrt, auch von Aussen konnten wir sie nicht befreien. Der Kumpel draussen hat das Gitter zum Kellerfenster eingetreten und sie sind rausgeklettert. Ein bis zweimal mal haben sich auch Drögeler dahin verirrt für eine Ladung, ein Schläfchen oder was weiss ich. Jetzt haben wir ein funktionierendes Schloss.»

Rolf

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