Stadt verzichtet absichtlich auf Velowege, dies beweist ein Stadtratsprotokoll #Albisriederplatz

Auto first
17. August 2015


Was bisher geschah:
  • Am Montag wurde der Albisriederplatz nach über drei Monaten Bauzeit wieder eröffnet, leider ohne Velowege. Dies kritisierten wir mit diesem Kommentar (siehe unten).
  • In einem Kreisel, und dies ist der umgebaute Albisriederplatz, dürfen die Velofahrer in der Mitte der Spur fahren. Realistisch und angenehm ist das nicht. Denken wir an den Feierabendverkehr, wenn sich nichts mehr bewegt am Platz: Die Velofahrer harren kaum inmitten der Autos und Abgase aus. Und: Die Autofahrer werden keine Velofahrer mitten auf der Strasse tolerieren.
  • Obwohl die Stadt in diversen Medienberichten am Kreisel-Velo-Nicht-Konzept festhält, tauchte dieser Auszug aus dem Stadtratsprotokoll auf Twitter auf. Wenn das mit der Mitte der Fahrbahn nicht klappt, sollen Velowege folgen.
  • Das Protokoll beweist: Die Stadt hat die Velowege nicht vergessen, sondern absichtlich darauf verzichtet und will offenbar eine neue Verkehrsführung ausprobieren. Das Protokoll beweist aber auch, dass die Bedürfnisse der Velofahrer beim Umbau des Albisriederplatzes nur eine sehr kleine Rolle spielten.
  • Am Montag, 24.8. um 19 Uhr will eine Gruppe die fehlenden Velowege mit Kreide auf den Albisriederplatz malen.


  • Mit viel Lärm ist der Albisriederplatz während dreieinhalb Monaten umgebaut worden. Erneuert wurde so ziemlich alles: der Strassenbelag, die Tramgleise, die Stationen, die Markierungen am Boden.

    Jetzt ist der Platz fast fertig. Die provisorischen Haltestellen sind weg, die Trams und Busse halten wieder am gewohnten Ort – die Fussgänger sind vom Nadelöhr ähnlichen Durchgang befreit und können sich wieder frei bewegen. Und ja, natürlich freuen sich auch das Gewerbe und die Gastrobetriebe am Platz, dass die Baustelle weiter zieht.

    Alles schön und gut? Leider nein. Während das Tiefbaudepartement der Stadt Zürich zwar rollstuhltaugliche Übergänge bauen liess, wurden die Velofahrer komplett vergessen. Schon vor dem Umbau war die Durchfahrt vor allem fortgeschrittenen Velofahrern zu empfehlen, nach der Totalsanierung sieht es nicht besser aus. Weil der neue Albisriederplatz ein Kreisel sei, sollen die Velofahrer in der Mitte der Strasse fahren, so der Plan der Stadt.

    [Bild nicht mehr vorhanden]

    Gerade am Morgen und Abend kann die Situation am Albisriederplatz unübersichtlich und damit gefährlich werden: massenhaft Autos blockieren den Knotenpunkt, dazu kommen die Trams und Busse. Ich höre schon jetzt das Hupen von genervten und gestressten Autofahrern, wenn ich mich auf meinem Drahtesel in der Mitte der Fahrbahn vorstelle. Kein Velofahrer stellt sich freiwillig in den stockenden Verkehr und lässt sich Abgase in die Nase blasen.

    Wie Zürich mit den Velofahrern umgeht, ist eine Schande. Nicht nur an diesem Ort, fast in der ganzen Stadt. Bei solchen Umbauten wäre es ein leichtes, breite Velowege zu markieren. Velowege sind kein Nice-To-Have, sondern ein absolutes Muss für eine moderne Stadt. Seit Jahren heisst es von der Politik immer wieder, es werde besser. Vorwärts geht es auch trotz dem Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft und der Annahme der Velo-Initiative nur sehr zögerlich.




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Während die Lobby für Velofahrer zwar öffentlich ein starkes Bild abgibt und wie im Juni wichtige Abstimmungen gewinnen kann, sind die Autolobby und die Freunde des Motorverkehrs in der Verwaltung viel einflussreicher. Nur so ist zu erklären, dass sogar neue Strassen und Plätze in erster Linie Autofahrer befriedigen müssen – erst viel später denken die Planer an Fussgänger und Velofahrer.

In einer zeitgemässen Stadt mit einer linksdominierten Regierung und einem linksdominierten Volk hat eine solche Bevorteilung des motorisierten Verkehrs keinen Platz.




Am Montag, 24. August um 19 Uhr soll der Albisriederplatz bemalt werden. Bring Kreide und mach' dir deinen eigenen Veloweg!

 

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