Warum es nicht so schlimm ist, dass die Perla-Mode weg ist

Die Perla-Mode hat sich zu Tode gefeiert
02. Februar 2015
Chefredaktor


Um es gleich vorneweg zu nehmen: Wenn ich etwas nicht verstehe, ist es meistens 1. entweder Französisch, oder 2. Kunst. Trotzdem wage ich es, hier über Letzteres zu schreiben. Es geht um das letzte Wochenende des zukünftigen vegetarischen Restaurants an der Langstrasse.

Mit zwei rauschenden Parties schloss der letzte Freiraum mitten an der Langstrasse für immer seine Pforten. Es war ein bisschen wie bei Gatsby: Wohl die wenigsten Partygängerinnen kennen die Gastgeber, doch das Hingehen ist bei nicht wenigen motiviert durch das Sehen und Gesehenwerden. Diese Floskel stinkt in der Regel wie die Kleider nach einer verrauchten Nacht. Doch sagt sie zumindest in diesem Fall auch etwas sehr Schönes aus: Das zukünftige Restaurant hat sich zum Treffpunkt einer ganzen Szene entwickelt.

Leider liegt auch genau darin aber das Problem. So glich der Platz vor dem Eingang nicht selten einer Reclaim The Streets Demonstration: laut, friedlich, fröhlich und jemand versucht die Menge davon abzuhalten, ihr Ziel zu erreichen. Bei den Demos ist das jeweils der Kreis 1, beim Perla-Mode wollten alle einfach nur rein – konnten aber nicht, weil eine Türsteherin den Freiraum schützen musste.

Klar: wenn voll ist, ist voll. Genug ist genug. Ein Freiraum, der so viele Menschen zu begeistern versteht, ist eine bemerkenswerte Seltenheit. Und ja, auch ein Freiraum darf sich nach aussen abgrenzen, wenn er voll ist. Nur: Ist er dann noch ein Freiraum? Und viel wichtiger: Ist das noch sinnvoll? Oder schon zu normal?

Die Perla-Mode wurde vom alternativen Kunstraum zum Treffpunkt für junge Zürcher: Das Bier, nicht die Kunst, stand im Zentrum. Ein Ort, der ohne Zwangskonsum und ohne Kunst auskommt, entspricht einem berechtigten Bedürfnis. Aber die Perla-Mode muss höhere Ansprüche haben.

Friction – so nennen sich die Leute, die für unzählige schöne Abende verantwortlich sind – zieht weiter an die Gessnerallee. Dort wird ein Teil des Perla-Mode weiter leben können: Der Partyteil oder der Kunstteil? Gleich wie früher kann es nicht werden – schliesslich ist die Gessnerallee das Gegenteil eines Freiraumes: institutionalisiert und durchorganisiert. Es ist gut, dass die Perla-Mode einem vegetarischen Restaurant weichen muss (natürlich nicht aus der Stadtentwicklungssicht). Ein Freiraum, der so hipp und beliebt ist, ist unheimlich. Ein Freiraum muss unbequem sein, die Besucher fordern und sie nerven. Erfolg ist schön, macht aber auch bequem.

Altes endet unfreiwillig, damit an einem anderen Ort etwas Besseres entstehen kann. In diesem Sinne: Danke und bis zum nächsten Mal.


Titelbild: Instagram

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