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Warum es in der Landwirtschaft & im Ernährungssystem dringend einen Systemwandel braucht!

Präsentiert von Greenpeace
Der traurige 13.Juni 2021 ist nun vorbei und wir befinden uns inmitten des von Hitze und Stürme geprägten Sommers! Die Kombination aus der Pestizid freien Schweiz und der Trinkwasser-Initiative hätten einen Systemwandel in der hiesigen Landwirtschaft in den nächsten 10 Jahren ermöglichen können.
16. August 2021

Kolumne von Alexandra Gavilano, Projektleiterin Landwirtschaft & Klima, Greenpeace Schweiz


Eine Transformation die dringend notwendig ist! Angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise (auch in der Schweiz!) ist es notwendig, unsere Konsumgewohnheiten, sowie auch die Produktionsweisen und die damit zusammenhängenden Fragen zu sozialer Gerechtigkeit für Produzent:innen und Konsument:innen zu hinterfragen und anzupassen.

Warum ist es dazu gekommen?

Haupttreiber dieses klima- und umweltschädlichen Systems ist eine fehlgeleitete Agrar- und Ernährungspolitik. Damit werden einerseits die Landwirt:innen zu einer Produktionsweise gedrängt, deren Anpassungen und Verbesserungen sie oftmals aus der eigenen Tasche bezahlen müssen. Andererseits wird Konsument:innen beispielsweise durch irreführende Werbung für tierische Produkte das Gefühl verliehen, ein Poulet zu essen, sei völlig in Ordnung, insbesondere dann, wenn das Fleisch aus der Schweiz komme. Sinnvoller wäre es mitzuteilen, dass wir in einer Klimakrise stecken und dass das sechste Artensterben in vollem Gang ist. Es ist also dringend, dass wir den Konsum von tierischen nicht nachhaltigen Produkten reduzieren und auch unsere pflanzliche Produktion nachhaltig und gesund für Mensch und Böden gestalten.

Es ist Aufgabe des Bundes, eine sozial gerechte Agrarpolitik, eine zielgerichtete Klimastrategie und den Biodiversitätsschutz aufeinander abzustimmen und dabei Umwelt und Klima zu schonen und die Reform nicht auf dem Buckel der Produzent:innen und Produzenten auszutragen. Ein Systemwechsel in der Landwirtschaft und in der menschlichen Ernährung ist unausweichlich. Die Frage ist nur, ob wir diesen Wechsel selber mitgestalten oder ob wir aufgrund der massiven Auswirkungen der Klimakrise und des Artensterbens zu einer raschen Veränderung gezwungen werden.

Fakt ist, dass je nach Studie die Notwendigkeit einer Anpassung nicht hervorgehoben wird. Fakt ist auch, dass wir mit dem jetzigen Zustand der Böden und der Qualität und Quantität des Wasser in den nächsten 10-20 Jahren Probleme haben werden resilient hinsichtlich Umweltveränderungen zu sein. Wir könnten aber diese Zeit, wo zwar die alte Art und Weise der Produktion noch funktioniert, sinnvoller nutzen indem wir eine nachhaltige und integrierte Landwirtschaft betreiben. Denn wir wissen, wenn die Nahrungsmittelknappheit auf einmal auch nicht mehr durch Einkäufe aus dem Ausland (wie es in diesem Jahr der Fall ist nach den Stürmen) lindern können, dann ist global schon lange eine Hungersnot vor der Tür, welche dann auch auf die Schweiz trifft. Wir können dann eventuell Nahrung im Labor züchten, aber wollen wir das auch? Ich möchte das sicherlich nicht.

Vor allem braucht es aber auch die Politik, die aktiv hilft die Bevölkerung auf die richtige Bahn zu bringen.

Also bleibt uns nur die Ernährungsgewohnheiten so verändern, dass mit der gleichen Fläche mehr Menschen gesund satt werden, indem beispielsweise weniger Fleisch konsumiert wird und somit mehr Ackerfläche für die Nahrungsmittelproduktion für den direkten menschlichen Konsum genutzt wird. Zudem ist es den und den Akteuren in der Landwirtschaft zu ermöglichen, sich in Richtung einer nachhaltigen Landwirtschaft zu transformieren. Der Detailhandel, die Kantinen und die Privatpersonen müssen auch den Food Waste stark reduzieren und auch mit krummen, grossen und kleinem Gemüse zufrieden sein. Vor allem braucht es aber auch die Politik, die aktiv hilft die Bevölkerung auf die richtige Bahn zu bringen.

Aber nach dem 13. Juni stehen wir fast vor einem kompletten politischen Stillstand in Bezug auf das gesamte Ernährungssystem und somit auch zur Landwirtschaft. Natürlich gibt es einige politische Vorstösse, die im Parlament diskutiert werden, aber auch dort sind die Ziele minimal angesetzt und werden die notwendige Transformation nicht erreichen. Die nächsten wichtigen Initiativen stehen schon vor der Tür, aber vermutlich ist der Schweizerische Bauernverband (SBV) sich hier finanziell auch schon wieder für eine breit gestreute und panik-schaffende Kampagne am vorbereiten.

Der SBV ist ja sowieso ein halb trojanisches Pferd. Er wird als Vertretung der breiten Bauernschaft wahrgenommen, ist aber politisch nicht unbedingt repräsentativ für die ganze Arbeitsgruppe. Genau dort liegt auch die Gefahr: der SBV positioniert sich wie wir es in der 2xJA Kampagne gesehen haben, als DIE Stimme der Landwirtschaft, vor allem auch in ländlichen Gebieten wo sich dann entgegen gestellte Stimmen aus der Landwirtschaft kaum trauen die eigene Meinung kund zu tun. Somit schwächt das an eine Dampfwalze erinnernde auftreten des SBVs diejenigen, die Veränderungen vorantreiben wollen und hilft denen, die den status-quo in der Landwirtschaft wahren wollen, beziehungsweise auch den dahinter liegenden Industrien wie beispielsweise die Pestizidhersteller wie Syngenta oder Agrarkonzern Giganten wie FENACO.

Kolumne von Greenpeace
Während des Landwirtschaftsfokus publiziert unser Hauptsponsor Greenpeace ab Mitte August immer am Montag eine Kolumne. Dabei werden Themen wie das Landwirtschaftssystem, die Massentierhaltung, genveränderte Kühe und viele weitere diskutiert.

Aber auf einen Sektor wie die Landwirtschaft müssten wir differenzierter schauen, sei es wegen der Spezialisierung von Betrieben oder wegen regionaler Unterschiede, die ja bestimmte Formen von Landwirtschaft einfacher oder schwerer machen.

Die Aufgabe ist komplex und sämtliche Akteure die an der Wertschöpfungskette beteiligt sind müssen Hand in Hand die Transformation ermöglichen. Von der Politik über die Produzent:innen bis hin zu Handel und Konsument:innen. Es gibt für alle etwas zu tun, wenn wir dieses System auf Nachhaltigkeit ausrichten wollen, die Landwirt:innen allein können das nicht und sollen das auch nicht alleine richten.


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