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Warum dich Techno so berührt

08. April 2016
Redaktorin


Ich habe da eine Theorie. Warum Techno manche Menschen mehr berührt als andere, das Kollektiv der Glücksmomente, das Kollektiv der geteilten Liebe. Und warum wir uns so darin verlieren können.

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit meiner Schwester. Dass wir unterschiedlich waren, war uns beiden immer klar. Wie sich dieser Unterschied manifestiert, wurde mir jedoch erst in diesem Moment richtig bewusst. Es gibt Menschen, die sind mit einer Disposition zum Glück und Urvertrauen in das Leben gesegnet. Sie sind geerdet, wissen, dass das Gute schon immer irgendwie kommen mag. Sie sehnen sich wiederum nach der Sehnsucht. Daneben es gibt Menschen, die zweifeln. Menschen, die in diese Welt geboren werden, und erst mal daran kaputt gehen. Die diese Sehnsucht selber verkörpern, diese Sehnsucht nach etwas Gutem im Leben, der Naivität des Nimmerlands, nach etwas, was uns den Glauben erst gibt, dass das Gute überhaupt existiert.

Die Menschen mit der Veranlagung zum Fels in der Brandung, schauen auf das Meer und die Berge mit einer Sehnsucht, die sie nicht wirklich fest machen können. Sie sehnen sich nach dem Gefühl, etwas zu fühlen, dass sie träumen lässt. Für sie ist der unendliche Blick auf die Naturgewalten ein Horizont nach Freiheit und Unerreichbarkeit. Für die anderen Menschen, mich eingeschlossen, ist dieses Gefühl völlig konträr. Im Angesicht von Achttausender in Nepal verspüre ich keine Sehnsucht, ich verspüre eine Ohrfeige im guten Sinne. Eine überwältigende Erinnerung, wie unendlich klein wir sind. Ich bin. Wie unendlich irrelevant ich für diese Erde bin, die schon seit Jahrtausenden besteht. Wie unwichtig mein Schmerz, meine Probleme für diesen Planeten, ja die ganze Menschheit sind. Dieser Blick erdet mich.

Nun ist eine Party mit hunderten oder tausenden Menschen in der Abendsonne eines Waldes zu einer Musik, die wunderschön und melancholisch zu gleich ist, schon an sich ein Erlebnis, das glücklich macht. Doch manchen Menschen vermag es überdies vielleicht mehr zu geben. Der Blick in lachende Gesicher, ins Glück, in Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe. (Und klar, Drogen haben da natürlich ihre Rolle, ich will ja nicht heuchlerisch sein). Und dennoch ist das reine Angesicht einer grossen Ansammlung von gleichgesinnten Menschen, die Peter Pan suchen und in der Realität stranden, die den Moment geniessen und selber nicht recht wissen, was das soll und was sie da tun, die reine Zerstreuung erleben, die sie dennoch glücklich macht, schlussendlich ein Moment des kollektiv geteilten Glücks. Ein Moment, in dem das Gute der Welt in dem Kollektiv der lachenden Gesichter auftaucht. Ein Moment, in dem du realisierst, dass das Gute auf der Welt in den Menschen vielleicht doch mehr existiert, als du dachtest. Indem du dich in diesen Momenten wieder in das Leben verliebst. Dass das Glück hier ist, in diesem Augenblick, zu wummernden Bässen, und du dir doch eigentlich keine Sorgen um das Morgen machen musst.

Nun, soweit so gut. Vielleicht völliger Nonsense. Vielleicht nur eine weintrunkene Überlegung. Aber in diesem Sinne: Happy Weekend!

PS: Mit herzlichen Dank an Lisa Schulz für das Bild. Sie kann übrigens eigentlich gar nicht erklären, WARUM Techno sie so berührt, aber: Nichts anderes löst vergleichbare, starke Gefühle in ihr aus. Vielleicht weil sie bei gutem, berührendem Techno das Gefühl hat: «alles ist gut».

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