8 Beispiele: So gross sind die politischen Unterschiede zwischen den Stadtkreisen

Am Sonntag wählen wir ein neues Stadtparlament. So denken die Gemeinderats-Kandidat*innen über Cannabis, Polizeipräsenz und gemeinnütziges Wohnen.
28. Februar 2018

Die meisten der 1054 Kandidat*innen werden am Sonntagnachmittag enttäuscht sein. Denn nur 125 von ihnen werden in den Gemeinderat gewählt. Die Politiker*innen unterscheiden sich nicht nur nach Partei, Geschlecht und Wahlchancen, sondern auch nach Wahlkreis.

Neun solche Wahlkreise gibt es in der Stadt Zürich, und die politischen Unterschiede sind zum Teil gross, zum Teil unerheblicher. Dies beweisen Daten der Plattform Smartvote, welche Tsüri.ch exklusiv zur Verfügung gestellt werden. Auf dieser Plattform können Kandidat*innen und Wählende Fragen zu politischen Themen beantworten, um so eine Wahlempfehlung zu generieren.

Diese 8 Fragen zeigen, wie gross die politischen Unterschiede zwischen den Wahlkreisen in Zürich sind.

1. Soll sich die Stadt Zürich mit mehr Geld für günstige Wohnungen einsetzen?

Die Wohnungsnot in Zürich ist gross. Es erstaunt deshalb nicht, dass sich kaum ein*e Gemeinderat-Kandidat*in dagegen ausspricht. Am wenigsten deutlich jedoch ist der Wahlkreis 11 mit 52,6 Prozent, der Wahlkreis 4+5 stimmt dieser Forderung mit 73,2 Prozent am klarsten zu. Dies überrascht wenig: Im Wahlkreis wohnen verhältnismässig viele Menschen in gemeinnützigen Wohnungen.

2. Sollen die Studiengebühren auf 1220 Franken erhöht werden?

Zürich ist eine Studierendenstadt. Die Universitäten und Hochschulen sind wichtig für unsere Stadt. Deshalb spricht sich eine deutliche Mehrheit der Kandidat*Innen gegen die Erhöhung von 500 Franken pro Semester aus. Im Wahlkreis 1+2 kommt die Forderung mit 45,6 Prozent relativ gut an, im linken Wahlkreis 4+5 hat sie keine Chance und kommt auf nur 25,8 Prozent.

3. Soll Zürich eine «City ID» ausgeben, damit sich Sans-Papiers ausweisen können?

New York hat sie bereits, Zürich spricht immer wieder darüber. Die City-ID soll Sans-Papiers das Leben in der Stadt Zürich erleichtern. Anstelle des Schweizer Passes soll die City-ID genügen, um zum Beispiel ein Konto zu eröffnen oder einen Mietvertrag zu unterschreiben. Zürich als linke Stadt ist klar dafür. Richtig deutlich ist dies sichtbar im Wahlkreis 4+5 mit 74,6 Prozent Zustimmung. Auch der Wahlkreis 10 – mit der geringsten Zustimmung – ist mit 50,4 Prozent der Stimmen dafür.

4. Soll der Konsum und Besitz von Cannabis legalisiert werden?

Was schweizweit verboten ist, gehört in Zürich fast schon zum Alltag: Der Besitz und Konsum von Cannabis. So sind sich auch alle Kandidat*innen Zürichs einig. Die Zustimmungsrate liegt zwischen 61,7 Prozent (Wahlkreis 11) und 82,8 Prozent (Wahlkreis 4+5).

5. Soll die Stadt Zürich weniger Geld für Kulturförderung ausgeben?

Mit ihren unzähligen Museen, Theatern und Galerien ist Zürich die Kulturhauptstadt der Schweiz. Die Forderung nach weniger Kulturgeld hat demnach nirgends eine Chance. Am allerwenigsten im Wahlkreis 4+5 mit 12,9 Prozent, am ehesten noch im Kreis 12 mit 39 Prozent.

6. Soll sich Zürich verstärkt für die 2000-Watt-Gesellschaft einsetzen?

Keine Diskussion auch in dieser Angelegenheit: 75,6 Prozent sind im Wahlkreis 4+5 für mehr 2000-Watt-Gesellschaft, und auch der Kreis 12 bringt es noch auf 57,6 Prozent Zustimmung.

7. Soll die Videoüberwachung in der Stadt ausgebaut werden?

Mehr Überwachung gefällig? Nicht in der Stadt Zürich. Die Mehrheit der Kandidat*innen aller Wahlkreise sprechen sich gegen Videoüberwachung aus. Einzig im Wahlkreis 12 findet diese Frage eine knappe Zustimmung von 50,2 Prozent. Alle anderen sind dagegen, allen voran der Wahlkreis 4+5 mit 16,3 Prozent.

8. Braucht es in Zürich eine stärkere Präsenz der Polizei?

Die Kandidat*innen sprechen sich nicht nur gegen mehr Überwachung aus; auch eine stärkere Polizeipräsenz stösst auf keine Zustimmung. Vor allem der Wahlkreis 4+5, welche die vermeintlich gefährlichsten Orte der Stadt beheimaten, lehnen dies ab. Einzig Schwamendingen (Wahlkreis 12) tanzt einmal mehr aus der Reihe. Mit 56,5 Prozent Zustimmung verlangt der Wahlkreis 12 eine aktivere Polizei.

Smartvote.ch hat 8 der total 50 Fragen aus deren Fragebogen ausgewertet. Es zeigt sich ein deutliches Bild: Die Kandidat*innen aus dem Wahlkreis 4+5 fallen links aus dem Rahmen, während es auf der rechten Seite meistens der Kreis 12 ist. Dies bestätigen auch die Resultate der Wahlen aus dem Jahr 2014: Die SP ist zwar in den Wahlkreisen 4+5 und 11 die stärkste Partei, allerdings kommt die SVP in Oerlikon und Seebach (Kreis 11) auf knapp 29 Prozent, während die Grünen, die AL und die GLP im Wahlkreis 4+5 viel stärker sind.

Vielen Dank an Smartvote für die Zusammenarbeit und die Daten!

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Titelbild: ZVG

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