Tsüri-Fäscht 🕺🏽💃🏽

Auf einen Kafi im Parteiseki – David Meier (GLP)

Die nationalen Wahlen stehen vor der Tür und Politiker*innen buhlen um die Gunst der Wählerschaft. Doch wer sind eigentlich die Personen, die hinter den Kulissen die Fäden spinnen? Wir besuchen vier Parteisekretär*innen in ihrem Büro.
14. Oktober 2019
Praktikantin Redaktion

«Sorry, wir haben leider keine Milch mehr», entschuldigt sich David Meier und reicht mir den dampfenden Kaffee. Wir setzen uns an den Tisch im Konferenzraum, in dem sogar die Polsterungen der Stühle grün sind. Normalerweise organisiert und plant der 25-jährige Parteisekretär der GLP Stadt Zürich von seinem Arbeitsplatz aus im Büro nebenan, das er mit vier weiteren Mitarbeitenden teilt.

Zwischen Studium und Politik

Der studierte Wirtschaftsgeograf arbeitet in einem 30-Prozent-Pensum bei den Grünliberalen als Sekretär und ist mittlerweile auch Parteimitglied. Als er den Job annahm, war dem noch nicht so: «Ich suchte einen Studi-Job und bewarb mich hier.» Damals sei er zwar politisch interessiert, aber nicht aktiv gewesen, so Meier. Durch seine Arbeit in der Partei habe er gemerkt, dass die Parteimeinung der GLP auch der seiner entspreche. So sehr, dass er vergangenen Frühling gar als Kantonsrat kandidierte. Gewählt wurde er «leider nicht», bedauert Meier zwar, so ganz ungelegen käme ihm dieser Umstand aber nicht.

Diesen Sommer begann der Geograf mit dem Medizinstudium – Plan A, wie er betont. Mit diesem habe er immer etwas geliebäugelt: «Wissen praktisch anwenden zu können, fasziniert mich.» Dafür nehme er auch die vollgepackten Wochen in Kauf, in denen Freizeit zweitrangig ist. Diese Phase gehe ja auch wieder vorbei, sagt Meier. In den Semesterferien sei er dann oft in den Bergen; beim Biken oder Wandern anzutreffen. Die Natur liegt dem Stadtzürcher am Herzen.

Kompromisse eingehen?

Dies spiegelt sich auch in seiner politischen Einstellung wider: «Die drei Fixpunkte Umwelt, Gleichstellung und liberale Gesellschaft müssen gegeben sein, damit ich für eine Partei sympathisieren kann.» Eine Voraussetzung, welche die GLP laut Meier erfüllt. Allerdings entstünden schon auch Situationen, in welchen er nicht mit allen Parteimitgliedern einer Meinung sei. Der junge Parteisekretär ist sich jedoch sicher: «Solche Diskussionen sind entscheidend, damit sich eine Parteimeinung bilden kann.»

Wenn sich Parteien isolieren, bringt das niemandem etwas.
David Meier

Von der Sturheit anderer Parteien halte er hingegen nicht viel: «Die Linken und die Rechten driften immer weiter auseinander. Wenn es so weitergeht, wird es in der Schweiz auch bald wie in den USA.» Zwar sei es als Partei wichtig, ihre Standpunkte zu vertreten, das Negative Campaigning der Flügel-Parteien würde allerdings vieles aufbauschen, was mit einem Kompromiss gelöst werden könne. Einer der Gründe, weshalb Meier sich in der politischen Mitte engagiert: «Wenn sich Parteien isolieren, bringt das niemandem etwas.»

Diplomatisch und bescheiden

Auf die Frage, wer Meier gerne aus den politischen Rängen streichen würde, antwortet der Städter diplomatisch: «Es gibt sicher Politiker*innen, die ich suboptimal finde, das wäre jetzt aber wieder Negative Campaigning.» Sehr optimal für die Schweizer Politik findet Meier seine Parteikollegin und Parlamentarierin Tiana Moser. Die Grünliberale ist sein politisches Vorbild. Ausschlaggebend für Meiers Schwärmerei sei in erster Linie ihre resolute Art: «In der Politik ist es schwierig, ohne Poltern einen Punkt zu machen.» Moser könne diesen «Punkt machen» ziemlich gut, so Meier.

Er selber poltert – zumindest politisch gesehen – momentan ebenfalls weniger. Nach seiner Kandidatur im letzten März, braucht Meier seine Energie vor allem für das Medizinstudium: «Hätte ich wieder mehr Freizeit, könnte ich mir wieder ein Thema für meine politische Agenda suchen.» Da er aber wisse, dass die restlichen Parteimitglieder*innen ihre Sache gut machen würden, habe er kein schlechtes Gefühl dabei, selber etwas kürzer zu treten.

Der Punkt, an dem du merkst, dass du etwas verändern kannst, ist entscheidend.
David Meier

Aus dem Verband in die Politik

Mehr Partizipation wünscht er sich hingegen von der jungen Bevölkerung: «Die Demokratie lebt von der Beteiligung aller, deshalb wäre es schön, wenn mehr junge Menschen an der Politik und somit an ihrer Zukunft aktiv teilhaben würden.» Es sei schade, wenn die Alten über die Jungen bestimmen, findet Meier, und erhofft sich von den diesjährigen Wahlen eine bessere Repräsentativität im Parlament.

Bei Meier war es der Studierenden-Verband, der ihm die Türen zum politischen Geschehen öffnete. Mitmachen, mitdiskutieren, mitbestimmen: all das habe er im Verband erfahren. Deshalb empfiehlt er Jugendlichen auch eine Mitgliedschaft in einem Verein oder Verband – egal ob regionaler Fussballclub oder Pfadi. Dadurch könnten junge Menschen lernen, sich für ihr Engagement zu begeistern. Der Schritt in die Politik ist laut Meier danach nicht mehr gross: «Der Punkt, an dem du merkst, dass du etwas verändern kannst, ist entscheidend.»

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