Verein «Noigass» lanciert Volksinitiative für 100% günstige Wohnungen

Die Petition wurde von über 8000 Menschen unterschrieben, jetzt doppelt der Verein «Noigass» nach und fordert von der SBB per Volksinitiative 100% zahlbare Wohnungen. Diese will aber nur 33%.
20. Februar 2018

Das umstrittene Areal befindet sich im Kreis 5 an der Neugasse und gehört der SBB. Wie diese auf Anfrage mitteilen, habe sie gemeinsam mit der Stadt Zürich die Rahmenbedingungen der Areale Neugasse, Werkstadt und Hardfeld festgelegt. «Wohnraum soll gemäss dieser Zusammenarbeit auf dem Areal Neugasse entstehen, und zwar zu einem Drittel im gemeinnützigen Wohnungsbau.» Das Zürcher Stimmvolk schrieb 2011 für die ganze Stadt einen Drittel gemeinnützige Wohnungen in der Gemeindeordnung fest; mit einer überwältigenden Mehrheit von 73%.

Anwohner*innen und Aktivist*innen geht das zu wenig weit: Sie haben sich im Verein «Noigass» organisiert und fordern per Petition 100% gemeinnützige Wohnungen auf dem gut 30’000 Quadratmeter grossen Areal. Über 8000 Zürcher*innen haben das Begehren bereits unterschrieben, geändert hat sich dadurch aber noch nichts.

Darum geht der Verein «Noigass» noch einmal in die Offensive: Per städtischer Volksinitiative sollen die SBB und die Stadt Zürich gezwungen werden, eine Überbauung mit ausschliesslich bezahlbaren Wohnungen zu bauen. Lanciert wird diese am 21. Februar, bereits am 4. März sollen die nötigen 3000 Unterschriften gesammelt sein, offiziell hätten sie dafür ein halbes Jahr Zeit.

Im Zürcher Kreis 5 soll die neue Überbauung stehen. Bild: SBB

«Enormer Verdrängungsprozess im Kreis 5»

Das Zieldatum habe nicht mit dem gleichzeitigen Wahl- und Abstimmungssonntag zu tun. Res Keller, der Sprecher vom Verein «Noigass», gegenüber Tsüri.ch: «Die Zeit drängt: Je weiter die Planung fortgeschritten ist, desto schwieriger sind die Akteure für einen Richtungswechsel zu gewinnen.»

Die Initiative zeige einen gangbaren Weg zu mehr bezahlbaren Wohnungen auf, so die Initiant*innen. Ausserdem, so schreiben sie auf der Webseite, «müssten rund 50 solche Projekte mit 100% gemeinnützigen Wohnungen realisiert werden, um das Ziel von 33% zu erreichen!»

Zur Volksinitiative will sich die SBB nicht äussern, da der Initiativtext noch nicht öffentlich bekannt ist. Allerdings, so ein Sprecher zu Tsüri.ch: «Fordert eine politische Mehrheit einen höheren Anteil, muss die Gesamtstrategie auf Ebene Stadtrat / SBB-Konzernleitung überprüft werden.»

Die Initiant*innen hoffen nun auf die Stimmberechtigten und zeigen sich optimistisch: «Wir sind überzeugt, dass sie unsere Forderungen unterstützen», so Res Keller.

Das Engagement des Quartiers gehe über das Neugass-Areal hinaus. Es sei eine «Reaktion auf die in Zürich in den letzten zehn Jahren realisierten SBB-Projekte» und auf die Stadtentwicklungspolitik, welche «gerade im Kreis 5 einen enorm raschen Veränderungsprozess» eingeläutet habe. Der Mit-Initiant spricht damit die Überbauung der Europaallee und die Beruhigung des Langstrassenquartiers an.

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