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Fotos: Elio Donauer

DJ Verycozi: «Als Kind war ich besessen von Musik»

Seit Zinet denken kann, gehört Musik in ihr Leben. Vieles hat sie ihrem Bruder und dem Sender MTV zu verdanken. Seit fünf Jahren legt sie als DJ Verycozi in Zürcher Clubs und Bars auf.
19. Juli 2020
Praktikantin Redaktion

Zinet Hassan steht auf der Piazza Cella. Vor fünf Jahren spielte sie hier als DJ Verycozi ihr erstes Mixtape. Die damalige Besitzerin der Longstreet Bar kam auf sie zu und fragte, ob sie Lust hätte, zu spielen. Bis heute ist Zinet regelmässig in der Bar hinter dem Mischpult: «Die Leute tanzen hier gerne. Will ich Party machen, dann spiele ich am liebsten in der Longstreet Bar.» Auch das Fat Tony möge sie zum Spielen, die Leute seien authentisch – nicht wie teils in grösseren Clubs, wo der enge Kontakt zu den DJs keine Rolle spiele. «Die einen wollen nichts mit dir zu tun haben. Du kommst, gibst deine Daten an, spielst, kriegst die Gage und gehst wieder.» Reine Abfertigung, so Zinet, die daher kleinere Lokale bevorzugt.

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Das Auflegen hat sich die 29-Jährige vor fünf Jahren selbst beigebracht. Frauen sind bis heute, gerade in der Hip-Hop Szene, eher untervertreten. Warum das so sei, wisse sie auch nicht. Viele trauten sich vielleicht nicht oder kämen nicht auf die Idee, es einfach mal zu versuchen. Dabei spürt sie einen klaren Trend; Bars und Clubs setzten vermehrt gezielt auf weibliche DJs: «Das wird extrem supported, das ist cool. Sie sehen langsam, dass immer mehr Frauen super Musik machen und wollen, dass wir gesehen werden.» Aber klar sei es auch immer eine Frage von Beziehungen, man müsse sich selber vermarkten. Aber das ginge schnell, wenn die Musik stimmt. «An der Langstrasse kennt jeder jede. Legst du irgendwo ein paar mal auf, die Leute tanzen und mögen die Musik, so macht das schnell die Runde und du bekommst Anfragen», sagt Zinet und fügt mit einem Lächeln an, dass den Leuten ihre Musik scheinbar gefalle.

«Durfte ich den Fernseh einschalten, so lief MTV»

R'n'B, Hip-Hop und Popmusik gehören, seit Zinet denken kann, zu ihrem Leben. Ihr älterer Bruder weckte damals diese Leidenschaft in ihr. Er sammelte Alben und stellte diese schön arrangiert in seinem Zimmer aus. Die Sammlung sei riesig gewesen, alles hätte man zusammen angehört und dazu getanzt. «Er zeigte mir, wie man Tracks runterlädt und wo man neue findet – hunted. Das war in einer Zeit, wo es noch kein Spotify gab, eine wichtige Fähigkeit – heute unvorstellbar.» Nebst ihrem Bruder führte ein Fernsehsender sie an die Musik heran: MTV. Ihre Idole von damals sind Destiny’s Child und die Backstreet Boys. «Cartoons oder andere Kinder- und Teenieprogramme konnten einstecken. Durfte ich fernsehen, dann lief MTV – ich liebte die Musikvideos.»

Spiele ich 079ME im Club, so ist das wie eine unsichtbar Verbindung zwischen uns.
Zinet

Neue Musik zu entdecken, sei als DJ wichtig. Letztes Jahr hätte ihre Cousine ihr einen Afrobeat-Song, 079ME, gezeigt und sie wurde süchtig: «Ich hörte diesen bis zu 30 mal am Tag. Einer Freundin ging es ähnlich, spiele ich das Lied im Club, so ist das wie eine unsichtbar Verbindung zwischen uns.» Zinet ist froh, dass ihr Freundeskreis den selben Musikgeschmack hat – legt sie irgendwo auf, so wird sie oft von ihren Freund*innen begleitet. Tanzen und Musik verbinde. Während Corona fehlte das. Sie spielte ein paar Online-Sets: «Die Leute konnten miteinander chatten und Musik hören, das war schon witzig», sagt Zinet, aber ersetzen könne dies die Nächte an der Langstrasse nicht.

Fünf Tage die Woche arbeitet sie im Skatershop Doodah, teils bleibe da nicht mehr viel Zeit für die Musik. «Vier Stunden am Stück auflegen sind intensiv, das unterschätzen viele. Ich bin froh, wenn ich Gigs habe, aber würde ich weniger unter der Woche arbeiten, so hätte ich mehr Zeit, um in die Musik zu investieren oder auch in anderes», sagt sie und erzählt, dass sie gerne fotografiere und momentan daran sei, «Verycozi» Shirts und andere Merchandise Artikel zu produzieren. Sie sei ein kreativer und selbstkritischer Kopf, Ideen hätte sie genügend, an der Zeit hingegen mangle es manchmal.


Was magst du am Zürcher Nachtleben, was nicht?

«Die Schweiz ist teils sehr verklemmt, aber in der Nacht ist es anders, du kannst mit allen sprechen und Spass haben – vielleicht auch dem Alkohol zu danken. Und ja, ich mag eigentlich fast alles am Nachtleben in der Stadt.»

Portraitserie – Frauen des Nachtlebens
Das Nachtleben gilt als Männerdomäne – zu Recht: Der Frauenanteil in den Bar- und Club-Berufen ist sehr gering. Wir haben sieben Frauen getroffen, die die Nächte in der Stadt prägen. Die Frage «Was magst du am Zürcher Nachtleben, was nicht?» haben wir jeder gestellt. Ansonsten haben wir mit ihnen über Platten, Wein und den Alltag fernab der Nacht geplaudert.

1. Zarina Friedli – Kollektiv F96
2. Zinet Hassan – DJ Verycozi
3. Nathalie Brunner – DJ Playlove
4. Jenny Kamer – DJ und Bookerin Zukunft
5. Timea Horváth – Selekteurin Gonzo
6. Vera Widmer – Besitzerin Playbar
7. Valentina – DJ MS HYDE und Veranstalterin Konzerte Bar3000

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