Von Simon Jacoby

Chefredaktor & Verleger

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17. Juli 2022 um 04:00

Brunchgeschichten: Velounfälle lassen sich nicht mit Kampagnen verhindern – baut Velowege!

Die Polizei-Kampagne «Sicher Velo fahren» gibt den Velofahrenden gut gemeinte Tipps, damit es zu weniger Unfällen kommt. Weil die Zweiräder meistens nicht die Unfallschuldigen sind, geht diese Kampagne am Ziel vorbei.

Illustration: Zana Selimi

5151 Unfälle weist die Statistik der Stadt Zürich für das Jahr 2021 aus, in 483 Fällen war mindestens ein Velo involviert. In 250 davon sind Velofahrende als «Hauptverursacher» aufgeführt. Trotzdem wendet sich die Stadt mit ihrer aktuellen Plakatkampagne an sie. Ein Hohn, denn die Velofahrenden sind erstens offentichtlich nicht das grösste Problem und zweitens die schwächsten Verkehrsteilnehmenden und damit im Verkehr besonders gefährdet. 

Mehr als die Hälfte aller Unfälle gehen auf die Kappe von Autofahrer:innen – total waren es im letzten Jahr 3'354. Viel effektiver wäre es also, diese mit einer Sensibilisierungskampagne zu adressieren. In den sozialen Medien hagelt es deshalb Kritik. Auch, weil die Stadtpolizei die Kampagne mit einem unpassenden Bild bewirbt: Auf dem Foto ist zu sehen, wie sich ein Velofahrer von einer sich öffnenden Autotüre in Sicherheit bringen muss. «Dooring» nennt sich dieses Phänomen und wer mit dem Velo auf Zürichs Strassen unterwegs ist, kennt die Angst vor der angreifenden Autotüre. 

Ein Twitter-User reagiert auf das Foto: «Schon klar. Die Velofahrenden müssen schnell reagieren lernen, damit die Autofahrer:in bloss keinen Schulterblick machen muss vor dem Aussteigen. Gaht‘s no?» Jemand anderes fordert daher einen Wie-Steig-Ich-Aus-Dem-Auto-Workshop. Die Stadtpolizei reagiert und gibt zu, dass sie ein andere Bild hätten wählen sollen. 

Damit nicht genug. Auch von der Politik kommt Gegenwind. GLP-Gemeinderätin Carla Reinhard twittert: «Wo bleibt die Kampagne für Autofahrer:innen, die sich z.B. an engen Fussgängerinseln mit 2 mm Abstand gefährlich an Velos vorbeidrängen?»

Will Zürich wirklich zur Velostadt werden, indem die Opfer der Blechlawinen zu vorsichtigem Fahren erzogen werden? Jede Wette: Das wird nicht klappen. Diese Aktion entlarvt die Denkweise der Stadtpolizei: Das Auto zuerst, das Velo kann schauen, wo es bleibt. 

Klar ist es toll, wenn die Stadt die Sicherheit für die Zweiräder erhöhen will. Aber bitte nicht, indem diese lernen, einer sich öffnenden Autotüre auszuweichen. Es ist nie gut, den Opfern Tipps zu geben, wie sie sich zu verhalten haben. Besser wäre eine Kampagne, um die Autofahrenden zu sensibilisieren und noch viel besser wäre, die ganze Energie in eine schnelle und kompromisslose Verbesserung der Veloinfrastruktur zu investieren. Denn nur damit lassen sich wirkungsvoll Unfälle verhindern. 

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version wurden unpräzise Zahlen zur Unfallstatistik genannt; diese sind inzwischen korrigiert.

Brunchgeschichten

Das Wochenende bietet meistens viel Gesprächsstoff für den Sonntagmorgen. Wir wollen dich an unseren bescheidenen Erlebnissen teilhaben lassen. Simon, Elio, Ladina, Alice, Isa, Nico, Steffen, Seraina, Rahel, Jonas, Sofie, Emilio und Lara erzählen dir jeden Sonntag abwechselnd eine Geschichte aus deiner Lieblingsstadt, die sich bestens beim gemütlichen Brunch besprechen lässt – sollten euch dabei mal die Themen ausgehen.

1. Warum ich abhaue, ohne Tschüss zu sagen

2. Weshalb zu einer Stadt Lärm gehört

3. Warum Tattoos keinen Sinn machen müssen

4. Warum wir seltener in den Club gehen sollten

5. Warum ich meinen Geburtstag so mag

6. Weshalb wir alles andere als wild sind

7. Warum wir öfters Langweiler:innen sein sollten

8. Weshalb ich nicht in meiner Bubble bleiben will

9. Warum eigentlich Berlin?

10. Warum ich keine Flohmis mag

11. Weshalb wir über unsere Körper sprechen sollten

12. Warum ich wieder mehr Ankerbier statt Naturwein trinken will oder «Auch ich werde älter!»

13. Warum ich fast immer zu Fuss gehe

14. Warum ich mein Sternzeichen nicht kenne

15. Weshalb der Dezember ohne Weihnachten nur ein zweiter Januar wäre

16. Mit der Deutschen Bahn von Zürich nach Berlin – ein 12-stündiges Abenteuer

17. Wieso ich Brunch blöd finde

18. NZZ & FDP gegen den Rest

19. Fomo? Jomo!

20. Endlich eine Bachelorette

21. Warum ich mich am Hobby meiner Freund:innen störe

22. Der Konsumkritik zum Trotz oder weshalb ich Geschenke mag

23. Wieso Langlaufen mehr als nur ein Boomer-Sport ist

24. Der brennende Tannenbaum auf dem Bullingerplatz – und was ich (nicht) damit zu tun habe

25. Warum Sex für viele Zürcher:innen ein Tabuthema bleibt

26. Warum ich die «Generation Z» bewundere

27. Warum ich nicht (nur) im Jetzt leben will

28. Warum ich trotz Massnahmenlockerungen Spielverderber bin

29. Weshalb männliche E-Mountainbiker toxisch sind

30. Oh Hardbrücke, du schönste unter den hässlichsten Brücken!

31. Weshalb Aufbruch auch schmerzvoll sein kann

32. Zwei Coaches wollen Frauen helfen ihre «Problemzonen in den Griff zu kriegen» – weshalb das nicht ok ist

33. Wieso wir Exfreund:innen nicht aus unserem Leben streichen sollten

34. 5 Gründe, warum das Leben Ü30 besser ist

35. Warum die Bravo kein Bravo bekommt

36. Warum Serien und ich kein Match sind

37. Wie mir eine Party die Skiferien versaute

38. Ich weiss, was du letzten Sommer auf deinem Balkon gemacht hast

39. Wie das Geld meiner «Boomer»-Eltern mein Leben prägt

40. «Will nicht mehr über die Gründe für eine Elternzeit sprechen»

41. Wie ich Freund:innen auf dem Friedhof fand

42. Ich finde Sprachnachrichten scheisse

43. Warum mich mein Job als Klimajournalistin oft deprimiert

44. Wie es ist, als Nichtwähler aus dem Gemeinderat zu berichten

45. Wieso ich manchmal nicht abstimme

46. Stell dir vor, es ist EM – und keine:r geht hin