Gemeinderat will nicht, dass du in der Kantine vegan isst

Der Fleischkonsum ist für einen Drittel der persönlichen Umweltbelastung verantwortlich. Eine Initiative verlangt deshalb, die Stadt solle pflanzliche Ernährung fördern. Das geht dem Gemeinderat zu weit. Er lehnt die Initiative ab. Stattdessen spricht er sich dafür aus, vermehrt über die Konsequenzen von Fleischkonsum zu informieren.
11. Mai 2017

Was die Initiative verlangte

Mindestens ein vegetarisches und ein veganes Menü sollen zukünftig auf dem Speiseplan von städtischen Mensas und Veranstaltungen stehen. Zudem soll eine Stiftung eingerichtet werden, die pflanzliche, nachhaltige und faire Ernährung fördert. Das verlangt die Initiative von Sentience Politics und den Jungen Grünen. Stadt- und Gemeinderat lehnen dieses Anliegen ab. Dafür fand der weitaus gemässigtere Gegenvorschlag der Grünen eine Mehrheit im Stadtparlament.

Der Stadtrat wolle die Initiative nicht umsetzen, weswegen er sie an den Gemeinderat verwies. Auch dort fand die Mehrheit der Kommission die Initiative obsolet. Die Stadt mache schon genug zur Unterstützung von vegetarischer und nachhaltiger Ernährung, erklärte Elisabeth Schoch (FDP) deren Standpunkt. Zudem würden wichtige Aspekte wie Regionalität, Saisonalität oder Food Waste ausser Acht gelassen.

Nur eine Minderheit der Kommission unterstütze das Vorhaben. Es gehe um Bewusstseinssteigerung in der Bevölkerung – dafür, dass tierische Produkte Haupttreiber vom Klimawandel seien, Fleischkonsum globale Probleme verursache, unseren Boden belaste und viel Wasser brauche, erklärte Eva Hirsiger (Grüne).

Gegenvorschlag will informieren

Die Errichtung einer Stiftung ging vielen in der Kommission zu weit. Deshalb formulierten die Grünen einen Gegenvorschlag. Dieser verlangt, dass die Stadt vermehrt über Fleischkonsum und über die damit verbundenen Konsequenzen fürs globale Klima aufklärt. Mit mehr Informationen könne die Bevölkerung bewusstere Entscheidungen in Sachen Ernährung treffen, so Marcel Bührig (Grüne). Die Grünen sähen ein, dass die 2000-Watt Gesellschaft nicht erreicht werden kann, wenn das Thema Ernährung dabei ausgeklammert werde. Diesem Punkt schlossen sich die GLP und die SP an. Der Fokus sei bis anhin auf Verkehr und Umwelt gelegt worden, so Marion Schmid (SP). Sie selber habe vor der Beratung in der Kommission auch nicht gewusst, dass der Fleischkonsum ein Drittel der eigenen Umweltbelastung ausmacht. Information und Aufklärung seien darum wichtige Schritte in der Klima-Debatte.

Taub für Tatsachen

Sowohl die Initiative wie auch der Gegenvorschlag zielen darauf ab, zu sensibilisieren und aufzuklären. Die Bürgerlichen im Rat schienen dies trotz mehrfacher Erklärungen seitens der Grünen, der GLP, der SP und der AL nicht verstehen zu wollen. CVP, SVP und FDP empfanden denn auch den Gegenvorschlag, welcher lediglich über den Zusammenhang zwischen CO2 und Ernährung informieren will, als Bevormundung. Die Angst, dass ihnen die Bratwurtst verboten würde, war bei den SVP-Männern wohl zu gross, als dass sie sich noch auf Fakten hätten konzentrieren können. Mit ihnen sprachen sich CVP und FPD geschlossen gegen die Initiative sowie den Gegenvorschlag aus. Auch die AL sah nicht ein, warum die Bevölkerung über die Konsequenzen von Fleischkonsum aufgeklärt werden sollte. Eduard Guggenheim (AL) fand, dass beide Vorschläge zwar gut gemeint seien, jedoch zu weit gehen. Zudem vergessen sie andere Übel wie Palmöl.

Schlussendlich sprach sich das Parlament für den Gegenvorschlag aus. Dieser kommt nun zusammen mit der Initiative – sofern diese nicht von den Initiant*innen zurückgezogen wird – in einer städtischen Abstimmung vor die Zürcher*innen.

Titelbild: Sceenshot/Instagram

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