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Veganismus-Kolumne: «Einen Monat vegan leben; was bringt das überhaupt?»

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine vegane Lebensweise. Höchste Zeit also, regelmässig eine Expertin zu Worten kommen zu lassen! Laura Lombardini ist die Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz und ab sofort auch unsere Kolumnistin. Vorhang auf für Folge 1!
18. Januar 2020
Kolumnistin / Geschäftsführerin Vegane Gesellschaft Schweiz

Der Monat Januar ist seit diesem Jahr auch in der Schweiz der «Veganuary». Das Projekt wurde 2014 zum ersten Mal in der UK durchgeführt. Es soll Menschen dazu motivieren, sich während dem Januar vegan zu ernähren. Sie erhalten täglich eine Email mit Tipps und Rezepten. Auch hier nehmen Detailhändler*innen, Take Aways und Restaurants mit zusätzlichen veganen Angeboten teil. Ein Lokalsender befragte kürzlich Menschen auf der Strasse dazu. Viele fanden das toll. Ein junger Mann fragte jedoch, was einen Monat vegan leben überhaupt bringen soll. Da kam mir dieses Zitat in den Sinn: «Wo kämen wir hin, wenn alle sagten, wo kämen wir hin, und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.» Aber fangen wir von vorne an.

Kein Vorbeikommen

Im Januar 2019 kam ein Teammitglied aus seinen Ferien in London zurück. Ganz begeistert berichtete er, wie überall Tafeln vor den Restaurants stehen. Darauf werden neue vegane Menüs und Produkte angepriesen. Ein cooles Angebot nach dem anderen. Auch die Detailhändler*innen und grossen Brands ziehen mit. Als ob sie sich gegenseitig übertrumpfen wollten. Am Veganuary kommst du in London also nicht mehr vorbei. Für viele Menschen ist es der Versuch, sich und der Umwelt etwas Gutes zu tun. Als Vorsatz fürs neue Jahr. Statt nur auf einen Monat Alkohol zu verzichten, werden auch tierische Produkte links liegen gelassen. «Das will ich hier auch!», dachte ich in aller Bescheidenheit. Also kontaktierte ich die Organisation in London. Jetzt ist er hier. Der erste Veganuary in der Schweiz. Und nun zurück zu der Frage, was das bringen soll. Denn es sprechen viele Gründe dagegen.

Theoretisch schwierig

Seien wir ehrlich: Kein einziges Weltproblem wird durch einen Monat vegan gelöst. Es wird unbequem, sich und die eigenen Gewohnheiten herauszufordern. Und vielleicht landest du tatsächlich mal in einem Restaurant, in dem es kein veganes Menü auf der Karte gibt, so dass du denkst: «Hab ich es doch gewusst, es ist eben doch kompliziert!» Aber reicht das wirklich, um stattdessen gar nichts zu ändern?

Wir stehen vor enormen Umweltproblemen, verursachen immenses Tierleid, schaden mit dem übermässigem Konsum von Tierprodukten unserer Gesundheit. Den Status quo da nicht einmal testweise zu hinterfragen, grenzt da schon fast an Absurdität. Der Sinn, einen Monat etwas auszuprobieren, besteht ja darin etwas zu lernen. Ich kann noch so lange darüber philosophieren, was ich davon halte. Wenn ich es nie ausprobiert habe, wie will ich es ansatzweise verstehen? Sehen, ob es zu mir und meinen Werten passt? Es bleibt eine Theorie, ein Hörensagen. Denn auch für die Restaurant-Szene gibt es viele Lösungen. Die lassen sich aber erst finden, wenn ich mich damit konfrontiere. Und dann ist es plötzlich gar nicht mehr so kompliziert. Versprochen.

Das Warum ist egal – just try it

Es spielt keine Rolle, ob ich einen veganen Monat aus ökologischen, gesundheitlichen oder ethischen Gründen oder aus reiner Neugierde mache. Man schlägt dabei so viele Fliegen mit einer Klappe (das darfst du übrigens erst wieder mit vegan-level 5000 sagen) – es gibt keinen guten Grund, es nicht wenigstens einmal zu probieren. Gemäss Studien braucht der Mensch durchschnittlich 21 Tage, um eine Gewohnheit zu ändern. Tatsächlich ist die Ernährungsweise genau das: eine Gewohnheit. Gemäss früheren Befragungen änderten fast alle, die am Veganuary teilnahmen, anschliessend ihre Gewohnheiten. Die Hälfte blieb sogar vegan. Also ja, es bringt was. Natürlich werden wir mit einem Monat vegan nicht die ganze Welt retten. Aber vielleicht machen wir sie dadurch ein kleines bisschen besser. Ein Versuch ist das doch wert, oder? Aktuell sagen dazu über 7’000 Personen in der Schweiz ja, und machen mit. Anmelden können sich Interessierte übrigens jederzeit kostenlos – auch über den Januar hinaus unter www.veganuary.ch. Viel Spass beim Ausprobieren!

Laura Lombardini
Laura Lombardini (33 Jahre alt) ist seit 2018 Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz und lebt seit über 5 Jahren vegan. In ihrer Kolumne wird es um veganen Lifestyle gehen. Sie beschreibt dabei wie es um den Veganismus in der Schweiz steht und wie der Verein diesen fördert.

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