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Vanabundos: Weltenbummelnde, Selbständige und Tsüri-Member

Sandro und Gabriella, aka Vanabundos, sind während ihrer 1000-tägigen Reise durch Amerika Tsüri-Member geworden. Vor knapp zwei Jahren gründeten sie ihre eigene Firma und arbeiten seither ortsunabhängig.
23. November 2019
Praktikantin Redaktion

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«Wir haben uns lange Zeit vom Begriff der ‹Digitalen Nomaden› distanziert», sagt Sandro. Mittlerweile hätten sie allerdings eingesehen, dass sie wohl genau das sind: ortsunabhängige Selbstständige. Dass das Interview mit Sandro, die eine Hälfte von Vanabundos, telefonisch abgehalten wird, könnte klischeehafter nicht sein. Befinden sich die beiden Weltenbummelnde zurzeit gar in Zürich.

Vor gut einem halben Jahr kamen sie von ihrer Reise quer durch Amerika zurück, «um Freunde und Familie zu besuchen und Kund*innen persönlich zu treffen», wie der 39-Jährige erklärt. Eintausend Tage waren er und seine Partnerin Gabriella, 29, unterwegs. In dieser Zeit verfassten sie ein E-Book, gründeten eine Firma und machten unter anderem die Erfahrung, dass weniger manchmal eben doch mehr ist.

Der Traum hat einen Namen

Dass die beiden so lange unterwegs gewesen seien, das habe sich so ergeben, sagt Sandro und erinnert sich: «Wie so viele hegten auch wir den Traum, einmal eine längere Reise zu machen.» Bereits bei der Planung sei ihnen klar geworden, dass es sich dabei nicht um «drei Monate unbezahlt» handeln würde. «Auf Bali hatten wir einen Bus gemietet und gemerkt, dass dies die Art ist, wie wir in Zukunft reisen wollen», so Sandro. Denn mobil zu sein, bedeute auch, eine gewisse Freiheit zu haben. Und da sich die Anschaffung eines Busses auch lohnen sollte, entschieden sich die ehemaligen Medienschaffenden dafür, die Panamericana-Route zu bereisen. Zeitbudget: Eineinhalb Jahre.

Wir haben uns lange Zeit vom Begriff der ‹Digitalen Nomaden› distanziert.
Sandro von Vanabundos

Gesagt, getan. Die beiden kündigten ihre Festanstellungen, kauften sich einen Bus und verschifften diesen nach Amerika. Das war im Juli 2016. Von da an waren sie zu dritt unterwegs: Sandro, Gabriella und Luz, ein alter VW-Bus, der sie von Seattle bis nach Feuerland bringen sollte. Ob der Name etwas mit dem Kennzeichen des Busses, das mit 666 beginnt, zu tun hat? «Nicht nur», erklärt Sandro. Zwar sei Luz auch eine Abkürzung vom Namen Luzifer, welcher mit dem Teufel assoziiert wird, eine viel wichtigere Bedeutung sprechen die beiden Abenteurer*innen jedoch einer anderen Übersetzung zu: «Auf Spanisch bedeutet luz so viel wie Licht. Das passt viel besser zu uns, zumal wir mit schwarzer Magie nichts am Hut haben.»

Realitätsnah bleiben

Der Bus diente auch als Namensgeber ihrer Firma. Seit bald zwei Jahren begrenzt sich der Tätigkeitsbereich von Sandro und Gabriella nämlich nicht mehr nur auf das Projekt Vanabundos – übrigens ein Wortspiel aus Van und Vagabund: Büro Luz heisst die Text-Agentur, die noch während der Reise gelauncht wurde. Sie verbindet die beruflichen Fähigkeiten des Paares: Gabriella schreibt, Sandro kümmert sich um die Projekte.

Menschen, die sich für ihren Social Media-Auftritt als digital nomads inszenieren, sind nicht nach unserem Geschmack.
Sandro von Vanabundo

Die Möglichkeit des ortsunabhängigen Arbeitens und der Flexibilität sei der Grund für den Gang in die Selbstständigkeit gewesen, erzählt Sandro. Gleichzeitig habe das digitale Nomadentum auch positive Effekte auf die Arbeitsleistung: «Neue Umgebungen können sehr inspirierend wirken, was gerade bei kreativen Prozessen wichtig ist. Ausserdem steigert sich die Effizienz, wenn es nicht mehr nur darum geht, seine Arbeitsstunden im Büro abzusitzen», so der Firmengründer.

Obwohl Sandro und Gabriella mit dem Büro Luz ein Paradebeispiel von digitalen Nomaden darstellen, wollten die beiden anfangs nicht als das bezeichnet werden. Hauptsächlich aus dem Grund, dass das Label einen negativen Beigeschmack habe: «Menschen, die sich für ihren Social Media-Auftritt als digital nomads inszenieren, sind nicht nach unserem Geschmack», sagt der Kommunikationsprofi, «vor allem solche, die mit dem Flugzeug von Destination zu Destination hoppen und das voll abfeiern.» Das ortsunabhängige Leben und Arbeiten sei zwar super, meint Sandro, trotzdem gebe es in vielen Dingen noch Handlungsbedarf: «Rechtlich gesehen agieren wir oftmals in Grauzonen – ob wir wollen oder nicht –, vieles wurde politisch einfach noch nicht diskutiert.» Auswanderer seien sie aber keine, stellt er klar.


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Maximale Verantwortung

Ende dieses Jahres geht es für die Vanabundos wieder nach Südamerika. In Argentinien wartet Luz auf sie; bereit, für ein neues Abenteuer. «Wir werden sicher wieder für ein Jahr weg sein», erklärt Sandro. Denn so banal es klingen möge: Es tue gut, aus dem hippen Züri, wo man alles und immer zur Verfügung habe, mal wieder mit weniger auskommen zu müssen. «Ein minimalistischer Lifestyle kann einen definitiv glücklicher machen», ist sich der Weltenbummler sicher.

Nur auf wenige Sachen würden die beiden nicht verzichten können. Unter anderem auf Tsüri.ch: «Durch den Gang in die Selbstständigkeit wurde uns bewusst, dass dies zwar mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung bedeutet.» Und weil Sandro und Gabriella auch andere Schaffende, die Verantwortung übernehmen, unterstützen wollen, sind sie Tsüri-Member – auch wenn sie bald wieder am anderen Ende der Welt sind.


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