Mobilität im Fokus

Urban Gardening: Anbauschlacht im Erismannhof

05. April 2016


Man könnte meinen, den Stadt-Zürchern fehlt es versorgungstechnisch an nichts. Gleich um die Ecke finden sich Coop und Migros für den täglichen Bedarf. Wer es frischer mag, besorgt sich sein Gemüse auf einem Wochenmarkt und wer das Haus überhaupt nicht verlassen will, bestellt sich sein Lieblingsessen online. Und dann gibt es noch die Bewohner des Erismannhofs.

garten2

Letzthin besuchte ich den Zürcher Innenhof und die Bewohnerinnen, welche, sobald die ersten Osterglocken blühen, zur grünen Revolution ausrufen. Bewaffnet mit Schaufel, Gartenhacke, Dünger und Samen aller Art, machen sie sich auf den Weg zu ihren Gemüsebeeten. Hofgarten 1928 nennt sich der Verein, der die Idee eines Urban Gardens und den Wunsch nach dem eigenen Gemüsegärtli in der Stadt vor drei Jahren in Taten umsetzte. Gegründet von einigen Umweltingenieuren, haben sich bis heute zahlreiche Bewohner dem kollektiven Gemüsegarten angeschlossen. «8 bis 10 Personen kümmern sich während der Saison fleissig um die Gemüsebeete. Am Erntedankfest im Oktober sind es dann aber immer ein paar Leute mehr» verrät mir Markus, Mitglied des Vereins Hofgarten 1928.

Bunt verteilt stehen die über 20 Gemüsebeete am nördlichen Rand des Erismannhofs. Darin zu finden ist allerlei. Von Zucchetti über Tomaten, Erdbeeren, Spinat bis hin zu Kürbis und Stangenbohnen hat es für jeden Geschmack etwas dabei. Ganzer Stolz sind die Chillis, die im letzten und sehr heissen Sommer besonders gut gewachsen sind.

garten3

Nun, Anfang April, geht es an die erste Saat. Mit dem Grünzeug, welches den kargen Winter überlebt hat, wird kurzer Prozess gemacht. Die Gemüsebeete werden vom Unkraut befreit, gejätet und mit Hornspäh (sieht ungefähr aus wie abgekaute Fingernägel und riecht wie ein Besuch im Elefantenhaus) gedüngt. Bevor aber die ersten Samen sorgfältig in die frische Erde gesteckt werden, wird besprochen, was wo angesät wird. «Spinat und Radieschen, die Frühlingsvorboten, können wir bereits heute ansäen. Für das weitere Gemüse müssen wir aber noch einen bis eineinhalb Monate warten», erklärt Olivia, Expertin in Sachen Gärtnern. Es wird diskutiert, in welchen Beeten Karotten, Rucola oder Wirsing angesät werden sollen. Eine Besonderheit diesen Sommer werden die chilenischen Klettergurken sein, die ungefähr gleich gross werden wie Cocktail-Tomaten. «Ziel dieses Jahr ist es, dass jeder Bewohner eine Art Patenschaft für ein Gemüse übernimmt», wirft Vereinsmitglied Markus in die Runde. Auftrag dabei soll sein, das Gemüse zu hegen und zu pflegen und vor allfälligen Krankheiten oder Schädlingen zu bewahren. Einige der angehenden Paten kommen bei dieser Vorstellung mehr oder minder ins Schwitzen, da die persönlichen Gärtnerkenntnisse noch nicht ganz so ausgereift sind. Doch das wird sich sicherlich bald ändern.




Tsüri-Mail: Willst du gratis in den Ausgang? Im Newsletter verlosen wir wöchentlich 2x2 Gästelistenplätze. Einmal abonnieren bitte. #Partyhard 
Welche Rubriken interessieren dich?





Trotz Patenschaft und hitzigen Diskussionen über die Pflege jeglichen Gemüses, frage ich mich, wer sich im Sommer jeden Tag opfert, die Beete zu giessen. «Dazu haben wir extra eine Whatsapp-Gruppe, denn wenn der kommende Sommer so heiss wird wie letztes Jahr, muss mindestens zweimal am Tag gegossen werden», gibt mir Markus zur Antwort und meint weiter: «In der Gruppe wird aber auch auf die überreifen riesigen Zucchetti aufmerksam gemacht, die dringend geerntet werden müssen!» Na dann, denke ich mir, lasst die grüne Revolution beginnen und das Gemüse wachsen!

Mehr Infos zum Verein Hofgarten 1928 gibt’s hier.

Kommentare

Nöd Jetzt!