Unsere 10 Tipps fürs «Zürich liest»: Literatur im Kino, auf der Bühne und im Tram

Beim viertägigen Festival «Zürich liest» erlebst du die Literaturwelt von einer ganz neuen Seite. Oder wann hat dir das letzte Mal jemand in der Kirche was vorgelesen, der kein Messgewand trug? Und hast du schon einmal ein Verlagshaus von innen gesehen?
24. Oktober 2017

1. Der Krieg in Bildern

Während des Ersten Weltkriegs waren Zeichnungen und Malereien noch ein wichtiges Dokumentationsinstrument. Danach wurden sie langsam durch Film und Fotografie abgelöst. Seit einigen Jahren hat die traditionelle Reportage-Art in Form sogenannter Graphic Novels aber erneut an Bedeutung gewonnen. So ist auch «Dem Krieg entronnen» von Oliver Kugler ein Reportage-Comic. Dafür hat der Zeichner vier Jahre lang im Auftrag von «Ärzte ohne Grenzen» syrische Flüchtlinge getroffen, interviewt und gezeichnet. Zuerst im Flüchtlingslager Domiz im Nordirak, später auf der Insel Kos und im Dschungel von Calais.

Buchvernissage und Gespräch, Do 26.Oktober, 18.00 bis 19.30 Uhr, Karl der Grosse, Kirchgasse 14

Freier Eintritt

2. Vegetarische Landkarte der Schweiz

Basler Mehlsuppe, Luzerner Chässchnitte und Genfer Kartoffelgratin: Ist dir schon einmal aufgefallen, wie viele traditionelle Gerichte ganz ohne Fleisch auskommen? Wie in allen landwirtschaftlich geprägten Gebieten wurde auch in der Schweiz jahrhundertelang gekocht, was Gemüsegarten, Feld und Wald hergaben, ergänzt durch Käse, Butter und Rahm. Um eine umfangreiche vegetarische Landkarte durch die Schweiz zu erstellen, haben Carlo Bernasconi und Myriam Lang diverse Archive und Kochbücher nach Landfrauen- und Familienrezepten durchforstet. Wie viele der 150 Rezepte aus «Helvetia Vegetaria» kennst du echt noch vom Essen beim Grosi?

Buchvernissage, Do 26. Oktober, 19.30 bis 21.30 Uhr, Berg und Tal – Marktladen im Viadukt, Limmatstrasse 231

Freier Eintritt

3. Slam Poetry in Slow Motion

Mit dem Zungenbrecher «Wenn ich ein John Deer Traktor 7810 Powershift mit Gewicht in der Fronhydraulik wär» spuckte und zsichte sich Lara Stoll 2009 direkt in unsere Herzen. Obwohl die mittlerweile 30-Jährige immer noch in einer Punkband singt, ist sie auf der Poetry-Bühne etwas ruhiger geworden. So duelliert sie im Dichter-Duett während des Festivals auch nicht etwa mit Dominic Deville sondern mit Altsprachmeister Franz Hohler.

Dichter-Duett, Fr. 27. Oktober, 20.00 bis 21.30 Uhr im Theater Rigiblick, Germaniastrasse 99

Tickets (25.-/20.-) gibt es über Email und die Webseite

4. Mini-Theater Hannibal

«Es war einmal vor vielen Jahren...» – dieses Anfangssätzchen ist dann auch so etwa das einzige, was die Geschichten von Andrea und Adrian Schulthess mit Märchenklassikern gemein haben. In ihren bitterbösen Geschichten schicken sie Rotkäppchen mal an die Langstrasse und lassen die sieben Zwerge S-Bahn fahren.

Handpuppentheater, Fr. 27 Oktober, 20.00 bis 22.00 Uhr, im Miller’s, Seefeldstrasse 225

Tickets (25.-) über die Webseite bestellen

5. Pressefreiheit auf der Bühne

1958 wurde die Anna Politkowskaja in New York geboren. Die Reporterin mit russischen Wurzeln machte es sich zur Lebensaufgabe, ungeschönt über Korruption und Folter im Heimatland ihrer Eltern zu berichten – bis zum 7. Oktober 2006. An Putins Geburtstag wurde sie im Treppenhaus ihrer Moskauer Wohnung ermordet. Der Täter und seine 4 Hintermänner wurden dafür zu lebenslanger Haft verurteilt. Dass die Ehrung des unermüdlichen Einsatzes der Menschenrechtlerin nachhaltiger ist als jede Gefängnisstrafe, zeigt Stefano Massini mit seinem Stück «Anna Politkowskaja – Eine nicht umerziehbare Frau».

Bühne, Freitag 27. Oktober, 20.00 Uhr, Sogar Theater, Josefstrasse 106

Tickets (18.-/25.-) über Email und die Webseite

6. Mitternachtslesung in der Krypta

Gehörst du zu der Sorte, die immer so geschätzte 10 Minuten – sprich mindestens 30 Minuten – zu spät kommt? Kein Problem, wenn du an die Nachtlesung in der Krypta der Grossmünsters gehen willst. Denn Franz Dodel liest während vier Stunden aus seinem auf 32'720 Zeilen angewachsenen Kettengedicht. Wenn er gerade Luft holt setzt Niklaus Erismann mit der Gitarre ein. Der Einstieg ist jederzeit möglich.

Lesung, Fr. 27. Oktober von 20.00 bis 24.00 Uhr, Krypta Grossmünster, Zwingliplatz

7. Verlagsleute löchern

Was machen Verlagsleute eigentlich den ganzen Tag? Wie viele Stunden lesen sie pro Tag? Wie häufig sprechen sie mit Autoren? Und wie lange geht es eigentlich bis aus einem eigereichten Skript ein fertiges Buch wird? Vier Zürcher Verlage beantworten alle deine Fragen dazu.

Rotpunktverlag: Fr. 27. Oktober von 17.00 bis 18.00 Uhr, Hohlstrasse 86a.

Dörlemann, Nagel & Kimche und Unionsverlag: Sa. 28 Oktober von 14.00 bis 18.00 Uhr, Neptunstrasse 20 (1./2./3. Stock)

8. Meet the bitches

Schon mal von «Bitch Media» oder vom «Bitch Doktrin» gehört? Bei ersterem handelt es sich um ein Non-Profit-Medienprojekt aus den USA, bei letzterem um das neuste Werk von Laurie Penny. Die englische Literaturwissenschaftlerin ist eine der wichtigen Stimmen des jungen Feminismus. Über Sehnsüchte, neue Genderkämpfe und den Zerfall des «alten Feminismus’» spricht Franziska Schutzbach, Geschlechterforscherin in Basel, mit Laurie Penny und Andi Zeisler, Autorin und Mitbegründerin von Bitch Media.

Gespräch und Lesung, Sa, 28. Oktober, 20.00 bis 21.30 Uhr, Theater Neumarkt, Neumarkt 5

Tickets (30.-/25.-) über die Webseite

9. Einen Film schauen

Zugegeben, Buchverfilmungen sind selten der Hit. Gut handelt es sich bei «Das Kind meiner Mutter» aber auch nicht um einen Film, der einem Buch folgte, sondern anders rum. Aber kurz der Reihe nach: «Electroboy» ist das Pseudonym des 43-jährigen Florian Burkhardt – Model, Grafikdesigner und Komponist –, der unter einer Angststörung leidet. 2014 brachte Regisseur Marcel Gisler Burkhardts Leben unter dem Titel «Electroboy» in die Schweizer Kinos. Alles was davor geschah, hat Florian Burkhardt nun unter dem Titel «Das Kind meiner Mutter» zusammengefasst.

Film und Lesung, So. 29. Oktober, von 11.30 bis 14.30 Uhr, Arthhouse Movie 1, Nägelihof 4

Tickets (19.-/14.-) über die Webseite oder an allen Arthouse Kinokassen

10. Tram fahren

Im Tram lesen kann jede*r! Aber im Tram vorgelesen wird dir – wenn nicht gerade das Märlitram unterwegs ist – nur während «Zürich liest». Auf der Strecke vom Bellevue durch die Innenstadt und zurück wirst du am Sonntag von Autor und Kolumnist Max Küng begleitet. Er plaudert am liebsten über den Alltag. Den Alltag der anderen. Zum Beispiel von jenen, die vor ihm in der Schlange bei der Apotheke stehen und deren Beschwerden zu ihrem Entsetzen in aller Laustärke wiederholt werden – «Wie meinet Sie? Wie lang händ Sie scho Schmärze bim Wasser löse?».

Lesung, So. 29. Oktober, von 16.30 bis 17.25 Uhr, Extrafahrten-Haltestelle Bellevue

Tickets (15.-) über die Webseite

Zum ganzen Programm geht es hier.

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