Tsüri-Fäscht 🕺🏽💃🏽

«Uns war klar: Das Bergmal Festival sollte einzigartig werden.»

Am 22. Oktober 2016 feierten Freunde des Post-Rock das erste Bergmal Festival. Nach dem Festival ist vor dem Festival! Ein Nordlicht spricht mit einem Bär via Skype.
09. November 2016

Knapp zwei Wochen nach der ersten Ausgabe des Bergmal Festivals zapfe ich Daniela Bär an. Sie ist verantwortlich für Kommunikation und Medienarbeit des Bergmal Festivals. Ich kann sie nicht persönlich treffen, da sie im hohen Norden ist, in Reykjavik am legendären Iceland Airwaves Musikfestival.

Hej Daniela, cool, dass es doch noch klappt. Siehst du mich?
Nein, ich sehe nur eine Art Nordlicht. Aber das passt schon!

Am 22. Oktober 2016 habt ihr mit zahlreichen Fans das Genre Post-Rock gefeiert. Wie kam es dazu?
Jake Gutzwiller hatte die Idee bereits vor drei Jahren. Er spielt selbst in einer Post-Rock-Band, veranstaltet regelmässig Konzerte und sah das Genre als Nische, das bisher keine gebührende Plattform erhalten hat.

Wie seid ihr alle dazu gestossen?
Jake hatte zu Beginn der Planung Kontakt mit einer guten Freundin von mir. Sie meinte, es brauche unbedingt jemanden, der sich um Social Media, Sponsorenanschreiben und sämtliche weitere Textarbeit kümmere. Sie hat mich vorgeschlagen, ich besuchte zwei, drei Sitzungen, und plötzlich war ich mittendrin im OK statt einfach nur so dabei. Pascal Hächler, verantwortlich für die ganze Multimedia-Technik und Videoproduktionen, hat Jake öfters an Post-Rock-Konzerten getroffen. Mahmoud Kattan und Nik Petronijevic waren ihm als Musiker oder Veranstalter bekannt.

Nachdem ihr euch alle beschnuppert habt und die Aufgaben verteilt waren - wie lief die Planungsphase ab?
Ein Jahr dauerte die konkrete Planungsphase. Wir haben das Festival von Beginn weg alle sehr ernst genommen und uns war klar: Es soll ein einzigartiges Festival werden, das dem Publikum auch durchs Rahmenprogramm in Erinnerung bleibt. Die Rollen waren klar verteilt, unsere Konstellation war ideal – und Jake ist ein toller Tätschmeister!

Da ging sicherlich auch viel Freizeit drauf?
Ja klar, es war eine sehr intensive Zeit. Bands buchen, arbeiten, Sponsoren suchen, studieren, proben, wöchentliche Sitzungen, immer wieder die Location besichtigen, Eintreffen, Auftreten und Übernachtungen von 13 Bands planen. Wir haben das alle nebenbei und unbezahlt gemacht.

Das hört sich nach viel Aufwand an. Hat es sich gelohnt?
Ja, auf alle Fälle! Wir wollten diesem Genre eine Bühne, in unserem Fall mehrere Bühnen bieten. Das ist uns gelungen.

Wie war das Feedback?
Es war ein unglaublicher Moment für uns als die ersten Leute, die Tickets gekauft haben und sich auf all die Bands freuten, durch die Türe ins Dynamo traten. Bei einer Erstausgabe hat man noch keine Erinnerungen oder Erfahrungswerte im Kopf, daher war dies ein sehr emotionaler, surrealer Moment. An all die viel zu kurzen Nächte hat in diesem Moment niemand mehr gedacht.

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Wie reagierten die Bands auf das Festival?
Wir haben „unsere“ Bands den ganzen Sommer lang schon begleitet, haben verlinkt und Konzerte empfohlen und Videos gepostet. Die Bands merkten, dass wir alle Musik-Freaks sind und das Bergmal ein absolutes Herzensprojekt ist. Daher kam sehr viel von ihnen zurück. Dass am Festival selbst eigentlich alles wie geschmiert lief, war auch für die Bands wichtig – viele haben sich für unsere Organisation und für die tollen Helfer bedankt.

Gab es einen speziellen Moment, der dir geblieben ist?
Mehrere! Zum Beispiel, als Serge Olar, Drummer von Leech, spät in der Nacht in unser Produktions-Büro kam und sich bedankt hat für die Organisation und dafür, dass sie Teil dieses Anlasses sein durften. Das war eine schöne Geste und hat uns gezeigt, dass wir vieles richtig gemacht haben. Auch all die Momente, in denen wir beobachten konnten, wie Musiker und Publikum sich vermischten, Bands zu Fans wurden, Organisatoren und Helfer für kurze Momente stehen bleiben und in den Sound eintauchen konnten, werden uns lange in Erinnerung bleiben.

Über welche Situation musst du im Nachhinein schmunzeln?
Jake ist der Kopf unseres Teams, er kennt das Dynamo in- und auswendig. An diesem Abend war er aber nicht nur Veranstalter, sondern hatte auch einen Auftritt mit seiner Band Glaston – irgendwann stand er plötzlich vor mir, übergab er mir ein zweites Funkgerät, und ich wusste: Die nächsten zweieinhalb Stunden muss es ohne ihn gehen. Und es ging!

Welches Konzert hat dir am besten gefallen?
Sicherlich hatten wir immer wieder mal eine Minute, um irgendwo stehen zu bleiben und einer Band zuzuhören – die meiste Zeit waren wir aber alle anderweitig beschäftigt. Und wenn dauernd gefunkt wird, wo gerade WC-Papier, Tonic oder Stockgeld fehlt, kann man auch nicht wirklich eintauchen in die Musik.

Wann war für euch Schluss?
Mit abrechnen, aufräumen und verabschieden ging es bis in die frühen Morgenstunden. Für mich war das Festival jedoch erst am Montagabend wirklich vorbei.

Was? Montag? Wie das?
Ich habe mein Zimmer einem unserer Acts angeboten. Er übernachtete bis Montag in meiner WG, mein Mitbewohner hat am Sonntag für ihn gekocht, abends haben wir noch lange übers Festival geredet. Erst am Montag konnte ich die Veranstalter-Rolle zum ersten Mal ablegen.

Die Frage aller Fragen: Dürfen wir uns auf eine zweite Edition freuen?
Ich kann dazu noch keine definitive Antwort geben. Wir warten noch die letzten Debriefings mit diversen Partnern ab und entscheiden uns anschliessend.

Ok. Aber wenn ja, wieder im Dynamo? Oder draussen?
Draussen sicherlich nicht, Ende Oktober ist es zu kalt und wir wollen unabhängig vom Wetter sein. Wenn, dann sicherlich wieder im Dynamo – es eignet sich aus unserer Sicht perfekt für unser Festival und die Zusammenarbeit war toll.

Werdet ihr wieder mit dem Wal auftreten?
Der Wal ist unser Symboltier geworden und nicht zufällig gewählt. Wir freuen uns, dass unser visuelles Auftreten so viel Zustimmung gefunden hat. Ob wir bei einer allfälligen Zweitausgabe wieder mit Wal auftreten oder ein anderes Tier zum Maskottchen wird, überlassen wir aber ganz unsern Grafikern...

Warum ein Wal?
Die Idee war, ein Tier zu finden, das in einer scheinbar unendlichen Welt lebt, die mit einzigartigen Geräuschen, aber auch mit ständiger Stille verbunden wird. Der Wal orientiert sich via Echoortung, kommuniziert also mit Schall und Echo – das passt für uns perfekt zu Post-Rock.

Titelbild: Kathrin Hirzel / Artnoir

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