Illustration: Zana Selimi

Umfrageergebnisse: Misch dich ein!

Am 28. April starten wir gemeinsam mit der Urban Equipe in den Fokusmonat «Misch dich ein!». Für die optimale Gestaltung dieses Monats haben wir aber zuerst einmal unsere Community mit Fragen gelöchert. Jetzt wissen wir, welche Wörter dir als erstes in den Sinn kommen, wenn du das Wort Aktivismus hörst, welche Themen dir besonders am Herzen liegen und welche Fragen zu Aktivismus und zivilgesellschaftlichem Engagement dir Kopfzerbrechen bereiten.
23. April 2021
Praktikantin Civic Media

Aktivismus lesen, hören und sehen wir überall, aber an was denkst du als erstes, wenn du den Begriff hörst? Für die einen bedeutet er: «Demos», «Rebellion» und «Mut». Viele empfinden den Begriff aber offensichtlich auch etwas kritischer, so fielen mehr als einmal die Worte: «hyperaktive Menschen», «linke, naive Chaoten» und «unnötiger Radikalismus».

Mehrere Personen haben angegeben, dass sie sich gerne mehr engagieren würden – die meisten wissen aber schlichtweg nicht wie, wofür und mit welcher Zeit. Insgesamt haben 325 Personen die Umfrage ausgefüllt und das Spektrum der Antworten könnte nicht breiter sein. Wir haben für dich die fünf wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

1. Aktivist*innen empfinden den Begriff Aktivismus als eher positiv

Die Antworten auf die Frage, wie unsere Community den Begriff Aktivismus empfindet, fielen erstaunlich positiv aus. Der Durchschnitt gab an, dass sie dem Wort die Schulnote 4.7 geben würden, was sich zu einem «eher positiven» Empfinden aufrunden lässt. An dieser Stelle gilt aber auch zu erwähnen, dass 70 Prozent der Umfrage-Teilnehmenden sich selbst als Aktivist*innen bezeichnen würden und sich bereits für ein Thema einsetzten.

2. Wie wichtig ist unserer Community ihr Engagement?

Doch wie viel Herzblut stecken sie tatsächlich in ihr Engagement? Wie wichtig ist es unserer Community, sich zu engagieren? Auch bei diesen Antworten schwillt unsere Brust vor Stolz ein wenig an. Von 1-10 liegt die durchschnittliche Wichtigkeit bei rund 8.4, was als Schulnote eine abgerundete 5 ergäbe. Aber Aktivismus ist ja bekanntlich nicht nur von der Stärke der moralischen Vorstellungen abhängig, sondern schlichtweg auch von der verfügbaren Zeit. Die Befragten gaben an, durchschnittlich knapp über acht Stunden im Monat auf ihr Engagement aufzubringen, wobei die gegebenen Antworten zwischen einer Stunde und 170 Stunden lagen. Aktivismus ist für einige Tsüri.ch-Leser*innen also ein Vollzeitjob inklusive einer stolzen Zahl an Überstunden.

3. Welche Themen bewegen die Tsüri-Community?

In Zürich gibt es tausende Vereine, Kollektive und Organisationen, die sich für eine Sache einsetzen. Doch bei welchen für welche Anliegen kämpfen unsere User? «Klima» und «Feminismus» wurden am häufigsten gewählt und sind mit Abstand die Spitzenreiter. Doch auch «Velo», «Antirassismus» und «Bildung» kommen nicht schlecht weg und lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Unter «Sonstiges» fiel mehr als einmal das Thema «Pflege», das glücklicherweise spätestens seit Corona eine intensive Diskussion verdient hat.

4. Wieso engagieren sich die Tsürcher*innen?

Wie kamen denn all diese Aktivist*innen zu ihrem Verein, Kollektiv oder ihrer Organisation? Wie haben sie sich für eine Thematik entschieden und was hat bei ihnen dazu geführt sich aktivistisch zu beteiligen? Einige argumentieren da ganz simpel und doch überzeugend: Wer menschlich und empathisch ist, realisiert automatisch dass er*sie aktiv werden muss. Andere meinen, dass sie durch bereits aktive Freund*innen oder eine frühe politische Sensibilisierung in der Familie ganz natürlich in ihr Engagement reingerutscht sind. Ein grosser Motivationsfaktor für viele Personen sei ausserdem der Ärger und Frust über unsere gesellschaftliche Entwicklung und die institutionelle Politik. Diese wird von vielen als zu langsam oder zu kompromissbereit empfunden. Zugangsmöglichkeiten wie Demos und Streiks gaben vielen Aktivist*innen den letzten Ruck, damit sie sich in einer Gruppe engagieren.

5. Wieso engagieren sich Tsürcher*innen nicht?

Wie bereits erwähnt, engagieren sich 70 Prozent der an der Umfrage beteiligten Personen bereits aktiv. Aber was ist mit den anderen 30 Prozent? Das Stichwort bei dieser Frage ist wohl «der Zugang». Den Mut haben, einfach mal alleine an eine Sitzung oder ein Plenum zu gehen, das klingt in der Theorie definitiv einfacher als es ist. Viele fänden bereits aktive Freund*innen, mehr Zeit oder eine bessere Kommunikation seitens der Kollektive hilfreich. Immerhin gaben 61.5 Prozent aller Nicht-Aktiven an, dass sie sich grundsätzlich gerne engagieren würden in der Zukunft. Wir finden, dass das vielversprechend klingt und haben deshalb bei der Planung unseres Fokusmonats viele Veranstaltungen geplant, die einen Zugang für Interessierte bieten können. Ausserdem wird es eines Stammtisch geben, an dem sich Kollektive und aktivistische Organisationen über Zugänglichkeit austauschen können.

Auf die Frage hin, wie oft unsere User ihre politischen Rechte wahrnehmen – also wählen, abstimmen oder gar selbst kandidieren –gaben knapp 80 Prozent an, dass sie von jenen immer Gebrauch machen würden. Somit liegt die Stimmbeteiligung der Tsüri-Leser*innen klar über dem nationalen Durchschnitt, der im Jahr 2020 bei 49.3 Prozent lag. Umgerechnet errhält unsere Community deshalb die Note 4.75 für ihre politische Aktivität. Viele der Personen, die ihre Stimmzettel nicht ausfüllen, argumentieren wie folgt: Einige können sich nicht mit der Schweizer Politik identifizieren und wollen deshalb auch nichts damit zu tun haben. Weiter gaben andere an, dass sie oft gar nicht wissen würden, um was es geht und ihnen der Aufwand, sich zu informieren, zu gross sei. Die Hälfte aller Nicht-Wähler*innen besitzen keine politischen Rechte und sind gar nicht fähig, aktiv an der institutionellen Politik teilzunehmen.

Zur Umfrage: An der Umfrage nahmen 325 Personen teil, wobei es sich um 208 Frauen, 94 Männer, 3 Personen eines anderen Geschlechts handelt und 13 Personen keine Angaben gemacht haben. Das Durchschnittsalter der Befragten beträgt 38 Jahre.

Der Fokusmonat «Misch dich ein!» ist eine Kooperation von Tsüri.ch und der Urban Equipe . Unterstützt wird er durch die Gemeinnützige Gesellschaft des Kantons Zürich , durch den Integrationskredit des Bundes im Rahmen des Programm «Citoyenneté – mitreden, mitgestalten, mitentscheiden» sowie durch das Kantonale Integrationsprogramm und den Integrationskredit der Stadt Zürich.


Wir gehen mit der Zeit und verwenden neu den Gender-Doppelpunkt anstelle des Gendersterns. Das sieht nicht nur schöner aus, sondern ist auch inklusiver, da es maschinenlesbar ist und sich dadurch sehschwache Menschen den Text vorlesen lassen können.

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