💊Fokus Gesundheit 💊

Pommes essen und Velofahren – ist das gesund? Foto: marimbajlamesa, CC BY-ND 2.0

Umfrageergebnisse «Gesundheit»: So fühlt sich die Tsüri-Community

Der kommende Fokusmonat «Gesundheit» umfasst ein vielschichtiges Thema. In einer grossen Umfrage wollten wir wissen, welche Drogen die Tsüri-Community konsumiert, wie sportlich sie ist und welche Gebiete wir behandeln sollen. Von Tabus bis zu lustigen Facts – das sind die Ergebnisse der Umfrage.
09. September 2020
Praktikantin Civic Media

4 Prozent der Schweizer Bevölkerung konsumierten zur Zeit der Umfrage des BAG im vergangenen Monat mindestens einmal Cannabis. Und wie sieht es bei der Tsüri-Community aus? Dies und vieles mehr wollten wir von dir in unserer Umfrage zur Gesundheit wissen. So breit und abwechslungsreich wie das Thema ist, sind auch die Antworten ausgefallen. Lustige Statements und bedrückende Resultate sind Teil davon.

An der Umfrage haben doppelt so viele Frauen wie Männer teilgenommen. Warum und inwiefern das die Resultate beeinflusst, sind wir uns unschlüssig. Jedenfalls sollte man sich das Geschlechterverhältnis und dass die Umfrage somit nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung ist, im Hinterkopf behalten.

Fokus Gesundheit
Warum verdienen Pflegekräfte so wenig, obwohl die Krankenkassenprämien jährlich steigen? Welche Gesundheitsmythen können wir getrost begraben und an welchen Trends ist tatsächlich etwas dran? Dein Stadtmagazin stürzt sich mit dir einen Monat lang in die Diskussionen um Franchisen, Saftkuren und Tabus. Wir diskutieren mit dir über den Pflegenotstand, testen die neusten Hypes und laden dich ein, das Thema mit uns an verschiedenen Veranstaltungen zu erleben und diskutieren.

Vielschichtige Gesundheit

Tsüri-User befassen sich in vielen Bereichen des Alltags aktiv mit Gesundheit: Ganze 87.2 Prozent der Befragten mit der Ernährung, der schweizweite Durschnitt (2017) liegt mit 68 Prozent tiefer. Mehr als zwei Drittel setzen sich bewusst mit Gesundheit in den Bereichen Schlaf und Erholung, Sport und/oder psychischem Befinden auseinander. Ein anderes Muster ergibt sich auf die Frage, was die persönliche Gesundheit am stärksten beeinflusst. Fast die Hälfte aller Befragten gewichtet das psychische Befinden am höchsten, ein Viertel der Teilnehmer*innen erachten die Ernährung als wichtigster Faktor.

Gesunde Ernährung ist angesagt

Den meisten ist es wichtig, grundsätzlich auf eine gesunde Ernährung zu achten. Lediglich 11 von 390 Personen geben an, einer gesunden Ernährung wenig Beachtung zu schenken. Gründe dafür seien Faulheit oder zu viel Stress. Andere möchten sich Essen einfach schmecken lassen und sich nicht einschränken.

Essen ist primär Kulinarik, Kultur und gastronomisches Erlebnis. Gesund ist ein nachgelagerter Aspekt.

Tsüri-User legen grossen Wert auf «Ausgewogenheit»: Oft genannt werden «frische Zutaten und wenig oder keine Fertigprodukte» oder man nehme sich Zeit, um selber zu kochen, achte auf Nährstoffe oder pflege eine vegetarische oder vegane Ernährungsweise. Übergreifend werden oft nachhaltige Aspekte genannt: Viele geben an, regional, saisonal und/oder biologisch einzukaufen.

Frisches lokales und meist selbstgekochtes Essen.

Tsüri-Leser*innen sind quasi immer auf Drogen

Bei unseren User sind viel Drogen im Umlauf, die Zahlen weichen aber nicht stark von nationalen Statistiken ab: Beinahe 80 Prozent geben an, Alkohol zu konsumieren, dicht gefolgt von Koffein mit rund 72 Prozent der Befragten. Etwa ein Drittel nimmt Nikotin zu sich. Bei illegalen Drogen ist der Prozentsatz deutlich geringer: Cannabis wird von rund einem Viertel der Befragten konsumiert, Partydrogen von 15.6 Prozent, Halluzinogene von 9 Prozent und Kokain von 5.9 Prozent. Niemand konsumiert Heroin. Eine Person weist darauf hin, eine ganz harte Gesellschaftsdroge zu konsumieren, nämlich Schokolade. 9.2 Prozent geben an, keine Drogen zu konsumieren.

Der wöchentliche Konsum fällt abgesehen von Koffein einiges tiefer aus: Nur ein Drittel der Personen, welche angegeben haben, Cannabis zu konsumieren, machen dies wöchentlich. Dies ist national jedoch immer noch ein hoher Prozentsatz: Wie bereits erwähnt konsumiert 4 Prozent der schweizerischen Bevölkerung mindestens einmal pro Monat Cannabis, bei Tsüri-User liegt dieser Prozentsatz im Zeitraum einer Woche schon einiges höher. Der Alkohol- und Nikotinkonsum sinkt nur leicht im Vergleich zum allgemeinen Konsum. Bei härteren illegalen Drogen fallen die Zahlen in die Tiefe: Nur drei Personen konsumieren wöchentlich Partydrogen und/oder Halluzinogene, vier Personen Kokain.

Beim täglichen Konsum halten sich nur Koffein und Nikotin standhaft. Bei den restlichen Drogen sinken die Zahlen extrem, knapp 30 Personen trinken täglich Alkohol, niemand konsumiert jeden Tag Kokain.

Für Statistik-Süchtige und mehr Infos: Hier gibt es einen ganzen Tsüri-Artikel über Drogenstatistiken.

Sportlich unterwegs

Unter den Tsüri-User tummeln sich sowohl Sportverweiger*innen als auch Fitnessgurus: 24 Personen machen weniger als einmal im Monat Sport, 19 Personen jeden Tag. Innerhalb dieser beiden Extremen geht die Tendenz dazu, oft Sport zu treiben: 72.8 Prozent machen einmal wöchentlich oder häufiger Sport, was sehr nah am schweizerischen Durchschnitt von 75 Prozent (2020) liegt.

Psychische Erkrankungen: ein Drittel betroffen

Die meisten Teilnehmenden fühlen sich grundsätzlich mental gesund. Aber ein bedrückendes Ergebnis ist folgendes: Ein Drittel der Befragten hat oder hatte bereits eine psychische Erkrankung. 90 Prozent dieser 130 Personen ist/war auch in Behandlung deswegen. Beinahe die Hälfte davon (62 Personen) gibt an, Depressionen aktuell oder in der Vergangenheit zu haben, 21 Personen hatten ein Burnout. Viele weiter psychische Erkrankungen wie Angstzustände, Psychosen oder dissoziative Persönlichkeitsstörungen werden genannt.

Schweizerisches Gesundheitssystem: zufrieden, aber nicht perfekt

Das schweizerische Gesundheitssystem schneidet in der Umfrage mit einer guten Bewertung ab: Ganze 81.4 Prozent der Befragten geben ihm mindestens 7 von 10 Punkten. Begründet wird das Ergebnis oftmals mit Vertrauen, Zuverlässigkeit und hoher Qualität. Zudem scheinen die gute Grundversorgung mit Versicherung und Zugänglichkeit ausschlaggebend für das hohe Ergebnis.

Ich habe das Gefühl, dass ich mir keine Sorgen machen muss, falls ich erkranken würde.

Aber gut heisst noch lange nicht perfekt: Über 300 Verbesserungsvorschläge wurden in der Umfrage angegeben. Forderungen für eine Einheitskasse oder für einen Fokus auf Prävention statt Symptombekämpfung und mehr ganzheitliche Betrachtungen werden gestellt. Kritik wird an den hohen Preisen und der Privatisierung von Krankenhäusern geübt. Ebenfalls sehen viele Handlungsbedarf in den Arbeitsbedingungen von Ärzt*innen und Pflegepersonal und in der Chancengleichheit in der Gesundheitsversorgung.

Es sollten alle Menschen, egal ob privat versichert oder nicht, die gleichen Anrechte auf qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung haben.

Wir müssen reden, gopfnomal und tammisiech!

Auf die Frage hin, welche gesundheitlichen Themen in der Öffentlichkeit zu wenig diskutiert werden, wird eine Antwort extrem oft genannt: Psychische Gesundheit.

Psychische Gesundheit muss entstigmatisiert werden. Dringend!
Gesundheit (physisch und psychisch) von LGBTQIA+ Personen.

Weitere sehen in der Diskussion um Geschlechtskrankheiten, Verdauungsproblemen, Menstruations- und Zyklusstörungen gesellschaftliche Tabus, welche noch nicht genug aufgegriffen werden.

Endometriose gopfnomal. Hormone tammisiech.

Zudem wird im gesellschaftlichen Umgang mit dem Tod, Behinderungen oder in der kritischen Betrachtung von Homöopathie Diskussionsbedarf gesehen.

Homöopathie ist wirklich ein Gugus.
Behinderungen! Menschen mit geistigen und körperlichen Beeinträchtigungen werden immer noch marginalisiert.

Auf dem Diagramm ist ziemlich klar ersichtlich, wozu unsere User gerne Artikel lesen möchten und wozu nicht. Corona scheint out of the game. Wir geben uns Mühe, die Inputs und Interessen möglichst einzubeziehen und uns in die genannten gesellschaftlichen Tabus zu stürzen. Auf in einen vielfältigen und lehrreichen Fokusmonat!

Zur Umfrage
An der Umfrage nahmen 390 Personen teil, wobei es sich um 248 Frauen, 122 Männer, 11 nonbinäre Personen und 9 Personen ohne Angabe handelt. Mitgemacht haben 18 bis 80-Jährige, die Mehrheit der Befragten ist zwischen 20 und 50 Jahren alt.

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