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Björn Müller / Bild: Elio Donauer

STRIDE: Um-Bildung - Neue Perspektiven in der Weiterbildung

Die Stride unSchool stellt sich in sechs Gastartikeln vor. Sie wollen neue Perspektiven in der Erwachsenenweiterbildung aufzeigen. Sie thematisieren transformative Bildungsansätze und Musikschulen. Zeigen auf, wie wichtig lebenslanges Lernen ist und welche bedeutende Rolle hierbei die Neugier hat.
19. Februar 2020

Text: Anaïs Sägesser & Björn Müller (beide STRIDE the unSchool)

Change (Y)our Tomorrow (Stride)

Die Konsequenzen menschlichen Handelns und eines nach wie vor wachstums- und profitorientierten Wirtschaftssystems haben unter anderem den Klimawandel, Biodiversitätsverlust oder auch den zu hohen Stickstoffeintrag in die Biosphäre zur Folge, die die planetarischen Grenzen überschreiten und das Weiterbestehen der Menschheit bedrohen. Dies führt einerseits zu einer gesellschaftlichen Polarisierung und andererseits auch zu einem Gefühl der individuellen Ohnmacht. Gleichzeitig zeigt sich auf einer globalen Ebene auch eine Krise der Demokratie und immer stärker auch einer Krise des Einzelnen mit sich selber, die sich bspw. in immer höheren Burnout-Raten und Vereinsamung manifestieren. Viele Menschen im 21. Jahrhundert haben die Beziehung zu sich selbst, Anderen, der Natur und dem grösseren Ganzen verloren.

Bildung kann Teil des Problems oder Teil der Lösung sein. Im weitesten Sinne bedeutet Bildung kulturelle Weitergabe. Es ist der Prozess durch den sich jede neue Generation die Fähigkeiten, das Wissen, die Überzeugungen, die Werte und die Überlieferungen der eigenen Kultur aneignet und darauf aufbaut. Die Frage ist einfach: Bilden wir Menschen aus um im bisherigen System zu funktionieren, oder schaffen wir Bildungsräume um Menschen die Freiheit, das Wissen und die Verantwortung zu ermöglichen, die Welt mit kritischer Neugierde zu erkunden, zu verstehen und auch zu verändern.

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Bis auf die jüngste Geschichte der Menschheit lag die Verantwortung für Bildung immer bei denjenigen, die sich bildeten. Menschen kommen in die Welt, um sich selbst zu bilden, indem sie die Kultur um sich herum beobachten und das, was sie sehen, in ihr Spiel - als Kinder - und ihr weiteres Tun einbeziehen. Selbstgesteuertes Erforschen und spielerisches Lernen sind die Grundsätze dieser Art der ursprünglichen Bildung. Es waren solche Ideen, die im 20. Jahrhundert die Reformpädagogik prägten, beispielsweise eines John Dewey und einer Maria Montessori, oder dann auch Ivan Illichs politisch motivierten Aufruf zum Deschooling (1970).

Seit Jahren werden diese Prinzipien inzwischen mehr oder weniger strikt zumeist im Rahmen von freien Schulen oder dem sogenannten home schooling umgesetzt; oft unter dem Begriff unschooling. Das Resultat, auch durch jüngste Forschungsergebnisse bestätigt: Wachsame und verantwortungsvolle (junge) Menschen die, im besten Sinne der paradoxen Funktion von Bildung, das Erlernte und Tradierte auf unternehmunglustige und konstruktive Weise in Frage stellen. Die Maxime ist klar: “Change (Y)our Tomorrow”.

Was, wenn auch die (Weiter)Bildung erwachsener Menschen diesen Prinzipien folgen würde? Was, wenn Weiterbildung Funken schlagen würde? Was, wenn es ein Raum wäre um uns und unsere Welt zu verwandeln? Nie war es dringender und wichtiger diese Fragen zu stellen und ernsthaft auf die Suche zu gehen.

Der unschooling Ansatz dient als Rahmen um kritisch und zukunftsorientiert über Bildung nachzudenken.
Stride unSchool

In den folgenden Artikeln geht es um neue Ansätze in der (Weiter)Bildung, die unser Heute und unsere Zukunft verändern können. Zentral dient der unschooling Ansatz, so wie er praktisch und theoretisch von STRIDE in der Erwachsenenbildung weiter entwickelt wurde, als Rahmen um kritisch und zukunftsorientiert über Bildung nachzudenken.


In einzelnen Artikeln schauen wir uns zunächst das Prinzip unschooling genauer an, als Zukunftslabor einer freien (Weiter)Bildung; wir behandeln das für das Entstehen neuer Bedeutungsperspektiven zentrale transformative Lernen; wir beleuchten lebenslanges Lernen als soziale Innovation; wir zeigen den Umgang mit (Lern)Zielen in einem agilen unschooling Umfeld auf; wir verdeutlichen die praktischen Konsequenzen des unschoolings im Rahmen eines bestehenden institutionellen Rahmens, am Beispiel einer Musikschule.

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