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«Wir machen aktivistische Rechtsarbeit im Migrationsbereich»

Die Juristin und angehende Anwältin engagiert sich bei der Frei Platz Aktion Zürich. Was das ist und warum die ehrenamtliche Rechtsarbeit im Asylbereich wichtig ist, erklärt Corinne Reber im Interview.
23. Mai 2019

Hallo Corinne, wer bist du und was hat dich zu dir gemacht?

Ich bin in Zürich aufgewachsen und habe an der Uni Zürich und in Maastricht (NL) Jura studiert mit Fokus auf Menschenrechte. Nachdem ich Erfahrungen in der Aussenpolitik beim EDA gesammelt und ein Praktikum beim Gericht absolviert hatte, arbeitete ich zuletzt bei einer kleinen Anwaltskanzlei, die auf Ausländer- und Asylrecht spezialisiert ist. Bereits während des Studiums engagierte ich mich ehrenamtlich, u.a. in der Amnesty International Hochschulgruppe. Seit nun bald drei Jahren setze ich mich für die Freiplatzaktion Zürich ein. Was hat mich zu der gemacht, die ich bin? Wohl der Fakt, dass ich mich dank meiner lokalen Verbundenheit zu Zürich stets auf meine Familie und meinen langjährigen Freundeskreis verlassen durfte.

Du engagierst dich bei der Freiplatzaktion Zürich. Was ist das genau?

Die Freiplatzaktion Zürich ist ein gemeinnütziger und unabhängiger Verein in Zürich, der sich seit bald 35 Jahren für eine menschliche Asyl- und Migrationspolitik einsetzt. In unserem Büro an der Dienerstrasse 59 im Kreis 4 bieten drei Rechtsberater*innen kostenlose Rechtsarbeit für asylsuchende und migrierte Menschen an. Getreu unserem Grundsatz «Recht auf Rechte» sind wir der Überzeugung, dass jeder Mensch uneingeschränkten Zugang zu seinen Rechten sowie vollumfängliche Partizipationsmöglichkeiten in unserer Gesellschaft haben soll. Wir verstehen unsere Arbeit als «aktivistische Rechtsarbeit»: Einerseits bemühen wir uns, stets die Perspektiven und Anliegen der uns aufsuchenden Menschen ins Zentrum unserer Arbeit zu stellen, andererseits engagieren wir uns politisch und tragen rechtliche Missstände im Asyl- und Migrationsbereich in die Öffentlichkeit.

Wie sieht dein Engagement aus? Machst du das ehrenamtlich und neben deinem «richtigen» Job?

Ich engagierte mich zunächst als Freiwillige im Büro der Freiplatzaktion, wo ich Beschwerden und Gesuche verfasste. Seit über zwei Jahren bin ich nun Mitglied des ehrenamtlich tätigen 10-köpfigen Vorstands. Neben der Wahrnehmung organisatorischer Aufgaben für den Verein organisieren wir regelmässig Vorträge und Veranstaltungen zu Themen im Bereich Asyl und Migration, verfassen Stellungnahmen, vernetzen uns lokal und national mit anderen Akteur*innen und nehmen an verschiedenen Projekten teil. Wir treffen uns etwa alle drei Wochen und pflegen einen intensiven Austausch, was auch zu einem guten Zusammenhalt führt.

Wie kann die Freiplatzaktion unterstützt werden?

Die Freiplatzaktion finanziert sich als gemeinnütziger Verein ausschliesslich mit privaten Spenden. Einen Grossteil unserer finanziellen Unterstützung erhalten wir von unseren Mitgliedern, die uns mit ihren Beiträgen, aber auch mit ihrem Interesse an unserer Arbeit zur Seite stehen. Für uns ist es nämlich sehr wichtig, dass unsere politischen Anliegen und unsere Idee einer aktivistischen Rechtsarbeit von möglichst vielen mitgetragen werden. Auf unserer Webseite www.freiplatzaktion.ch kann man mehr über Unterstützungsmöglichkeiten und unserer Arbeit erfahren.

Bald bist du ja Anwältin. Wirst du dich dann weiter in diesem Bereich engagieren oder gründest du eine grosse Wirtschaftskanzlei?

Im Moment konzentriere ich mich auf meine Anwaltsprüfung. Was danach kommt, kann ich noch nicht sagen. Aber ich habe vor, weiterhin im Bereich Asyl und Migration tätig zu sein, denn in diesem Gebiet ist engagierte Rechtsarbeit besonders wichtig und nötig: Nicht nur sind die juristischen Verfahren für die Betroffenen schwierig zu verstehen und zu durchlaufen. Es gilt auch, den politischen Tendenzen in Richtung ständiger Verschärfung des Ausländer- und Asylrechts entgegenzuwirken.

Wenn du einen Tag lang Königin von Zürich wärst, was würdest du als erstes ändern?

Ich bin ja grundsätzlich kein Fan von Monarchie oder Machtkonzentrationen auf kleine, privilegierte Gruppen. Würde mir aber das Zepter in die Hand gedrückt, würde ich dafür sorgen, dass staatliche Mittel sozialer eingesetzt werden, dass die Bewohner*innen der Stadt sich weniger um ihr eigenes Wohlergehen und Sicherheitsbedürfnis kümmern und dafür mehr Toleranz und ein grösseres Bewusstsein für ihre Umgebung und ihre Mitmenschen an den Tag legen. Ich würde mich darum kümmern, dass niemand mehr aus unserer Gesellschaft ausgegrenzt und allen das Recht zugestanden wird, Rechte und Bedürfnisse frei wahrnehmen zu dürfen und sich in der Stadt sorglos bewegen zu können. Gerade besonders verletzlichen Menschen werden diese grundlegenden persönlichen Freiheiten allzu oft verwehrt.

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