Tsüri-Chopf: «Für die Glacé-Rezepte liess ich mich von den Stadtkreisen inspirieren.»

Sarah Schott wollte an der Abschlussvernissage ihres Style und Design Studiums nicht nur ein Kartonmodell ihrer Idee ausstellen, sondern the real thing präsentieren. Darum läuft jetzt ein Crowdfunding, damit sie dir im Sommer ihre eigenen Glacé-Kreationen direkt vom Markt-Velo verkaufen kann.
28. April 2017

Wer bist du und was machst du im Leben?

Sarah: Ich studiere im letzten Semester Style und Design an der ZHdK. Während des Studiums entdeckte ich mein Interesse für Gesellschaftserscheinungen und Alltagsphänomene – kurz für alles, was in der Gesellschaft spezielle Aufmerksamkeit hervorruft. Also wollte ich meine Bachelor-Arbeit einer solchen Erscheinung widmen. Ich beschloss, mich auf den Trend von ‘Regionalität bei Lebensmitteln’ zu fokussieren. Regionalität steht seit einiger Zeit in direkter Konkurrenz mit Bio und erfreut sich an immer grösserer Popularität. Ich überlegte mir, wie ich dieses Konzept ‘Regionalität’ in Zürich auf die Spitze treiben könnte: Was gibt es Spezielles in der Stadt Zürich, das Regionalität ausmacht? So bin ich auf die Stadtkreise gekommen. Jeder der zwölf Kreise hat seine eigene Geschichte, seinen ganz eigenen Mythos.

Ausserdem wollte ich, dass mir mein Abschlussprojekt Spass macht und nachhaltig ist. Darum entschied ich mich, meine Vorliebe für feines, selbstgemachtes Essen einfliessen zu lassen. So kam ich auf die Idee ein neues Glacé mit dem Namen Schläck zu kreieren.

Was ist Schläck?

Schläck ist ein Glacélabel, bei dem es zu jedem Zürcher Stadtkreis eine eigene Sorte gibt. Für die Rezepte habe ich mich von Assoziationen zu den Kreisen inspirieren lassen oder bewusst Unerwartetes eingebaut. Ich stelle das Glacé selbst aus natürlichen Zutaten her. Gerade in der Glacé-Industrie werden fast keine natürlichen Geschmäcker mehr verwendet. Dazu bietet mein Glacé eine Alternative. Zudem möchte ich mit meiner eigenen Produktion lokale Produzenten unterstützen. Mein Lieblingsbeispiel dafür ist der Langstrassen-Honig, den ich für die Sorte des Kreis 4 verwende. Vom Kreis 4 haben wir alle eine klare Vorstellungen. Da ist die Lavendel/Honig-Kreation, die ich dafür entworfen habe, etwas überraschend, dennoch sehr passend, weil ich eben diesen lokal produzierten Honig verwenden kann. Zudem bekommt jedes Glacé ein Topping. Im Falle des Kreis 4 ist das ein Gin-Shot. So spielte ich mit den Klischees und Bildern jedes Kreises. Insgesamt produziere ich fünf der zwölf an die Stadtkreise angepasste Glacé-Sorten. Im Sommer will ich diese dann mit dem Velo überall in der Stadt verkaufen.

Verstehe ich das richtig: du wirst das Glacé selber produzieren, verladen und mit einem Velo-Stand auch selbst verkaufen?

Ich habe zuhause die Kreationen selber gemacht. Die Rezepte sind jetzt für die Menge eines Liters abgestimmt. Um grössere Mengen von fünf Litern zu produzieren, fragte ich bei Tine Giacobbo um Unterstützung an. Sie hat grosse Gastro-Erfahrung, selbst ein Glacélable und darum die notwendigen Maschinen. Für sie ist es wichtig, dass Lebensmittel hochwertig und nachhaltig sind, vertritt also die gleichen Ansätze wie ich. Sie hilft mir nun bei der Testproduktion, die Rezepte auf die grösseren Mengen anzupassen. Und ja klar – Verkaufen werde ich selbst! Ich möchte gerne eine Route entwerfen oder einen live Tracker erstellen, so dass die Leute immer wissen, wann ich wo sein werde, um ein Glacé bei mir holen zu können.

Was ist dein bestes Erlebnis bisher?

Gerade jetzt beim Crowdfunding meldete ich mich bei vielen Bekannten und alten Freunden, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Ich bat diese, sich mein Projekt kurz anzuschauen. So viele haben sich daraufhin bei mir gemeldet und fanden es total unterstützenswert. Dieses persönliche, positive Feedback freute mich manchmal fast mehr, als ihren Beitrag – ohne den würde es natürlich nicht gehen, klar, auch darüber bin ich natürlich sehr erfreut. Oder wenn mich fremde Leute schon jetzt an ihre Events einladen, um dort dann Glacé zu verkaufen, ist das auch eine wahnsinnige Ermutigung. Ich hatte das einfach null erwartet.

Was würdest du tun, wenn du für einen Tag Königin von Zürich wärst?

Vielleicht ist das jetzt eine komische Antwort: Ich habe mich lange damit auseinandergesetzt, welches Verpackungsmaterial ich verwenden will. Zum einen werde ich Cornets anbieten, zum anderen brauche ich aber auch kleine Behälter. Nun fand ich einen kompostierbaren Kartonbecher, auf welchen ich mein Logo drucken kann. Doch in der Stadt gibt es gar keine Möglichkeit, kompostierbares Verpackungsmaterial ordnungsgerecht zu entsorgen! Da fragte ich mich, für was ich denn kompostierbares Material verwende. Schlussendlich landet es doch im regulären Abfall! Das würde ich ändern. Ich würde in der ganzen Stadt getrennte Abfalleimer einführen, jenen ähnlich, die es an den Bahnhöfen schon gibt. Damit Kompostierbares auch kompostiert werden kann.

Hier kannst du Sarah bei ihrem Crowdfunding unterstützen. Das Geld braucht sie um ihr Marktstand-Velo und um zwei bis drei Testdurchläufe der grösseren Produktion zu finanzieren. Ab Juni kannst du ihre kreativen Glacés dann probieren.

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