Tsüri-Chopf Pablo Villars: «Musik entfesselt eine starke Kraft in mir»

Musik und Digitalisierung sind seine Leidenschaften: Pablo Villars hat das Lauter-Festival mitgegründet, in verschiedenen Bands gespielt und sich daneben ein Standbein in der Technologieberatung aufgebaut. Wer ist er? Und was treibt ihn an?
09. Februar 2018

Pablo, wer bist du und was hat dich zu dem gemacht, was du heute bist?

Ich bin Musiker turned Musikorganisator, ambitionierter Hobbykoch und frischgebacken ausstudiert. Die letzten Jahre habe ich meine Freizeit in das Projekt Lauter investiert. Wir organisieren das grösste Zürcher Indoor-Musikfestival mit freiem Eintritt. Dabei legen wir grossen Wert auf den Einbezug der Jugend, was ich auch als Juror und Coach beim Musikwettbewerb Band-it tue. Seit bald drei Jahren betreiben wir mit Lauter ein eigenes Plattenlabel und organisieren verschiedene Konzertformate – damit waren wir auch schon in Bern, Basel oder St. Gallen zu Gast.

Angefangen hat meine musikalische Entdeckungsreise als Gitarrist bei der Band Summit, mit der ich über 100 Konzerte gespielt habe. Als es darum ging, alles auf die Karte Musik zu setzen, habe ich mich dagegen entschieden – meine Bandkollegen Max und Julian sind derweil mit Faber voll durchgestartet. Dafür habe ich das Studium abschliessen und ins Ausland gehen können. So habe ich auch mein Interesse für Digitalisierung entdeckt. Ich habe für einen Dokumentarfilm zu dem Thema recherchiert und arbeite nun in der Technologieberatung.

An welchen Projekten arbeitest du zurzeit?

Wir bereiten gerade die Jubiläumsausgabe des Lauter Festivals vor – Nummer zehn steigt vom 4. bis 6. Mai. Weil wir mehr als fähigen Nachwuchs gefunden haben, darf ich mich dieses Mal bei der Organisation etwas zurücklehnen. Dafür sieht es so aus, als ob ich selber auch wieder mal auf der Bühne stehen werde...

Dann planen wir noch das «1. Max Festival» (Working Title!), ein Festival, das ganz unserem Tausendsassa Max Kämmerling gewidmet ist. Er tritt dort mit fast allen seiner knapp zehn Bands auf, und wird nur so von Bühne zu Bühne rennen. Klingt im ersten Moment nach Schnappsidee, wird aber ein Megading!

Dazu sind wir natürlich bemüht, den Lauter Freunden und Liebhaber*innen, die uns als Helfer*innen oder Gönner*innen unterstützen, stets Neues zu präsentieren. In der Pipeline ist z.B. das Debut-Album der Kinderliederbarden Laurent & Max, das den vollmundigen Titel «Greatest Hits» tragen wird.

Darum funktioniert unser Festival bis heute ohne Alterskontrollen und Eintritt.

Das Lauter-Kollektiv ist dein Baby, mit welchen Ambitionen habt ihr das damals gegründet?

Wir streiten uns immer noch darüber, wer den Namen Lauter erfunden hat. Aber das war auf jeden Fall 2009: Eine Handvoll Bands aus dem Seefeld-Quartier fand, man habe zu wenige Auftritte und so nahmen wir die Sache – zusammen mit unserem Musikschullehrer – selber in die Hand. Wir wollten aber auch von Anfang an bewusst Events und ein Kollektiv darum herum aufbauen, wo jeder willkommen ist. Darum funktioniert unser Festival bis heute ohne Alterskontrollen und Eintritt.

Was war der schönste, und was der schwierigste Moment mit deinen Lauter-Freund*innen?

Den ersten Release auf unserem Label habe ich in ganz schöner Erinnerung: Mit 10 Band-Projekten haben wir im gemeinsamen Probelokal je einen Song aufgenommen, woraus eine Vinyl-Compilation entstand. An der Plattentaufe haben dann alle zusammen aufgespielt.

Schwierig war es dagegen, als an einem Festival mal eine grössere DJ-Gage verschwand. Wir verdächtigten unsere Helfer*innen und bereuten unser blindes Vertrauen, bis das Couvert mit der Gage ein paar Tage später wie durch ein Wunder auftauchte und die Welt wieder in Ordnung war.

Was fasziniert dich an der Musik? Welche Wichtigkeit hat sie in deinem Leben?

Musik entfesselt eine starke Kraft in mir, wie es wenig Anderes kann. Ich bin nicht sicher, was eher zutrifft: Lässt Musik uns alles um uns herum vergessen oder verhilft sie uns, eins zu werden mit den Bewegungen und Menschen um uns herum? Da ist es eigentlich zweitrangig, ob man selber in die Saiten greift, vor einem Subwoofer im Club abgeht oder mit den Kopfhörern im Tram sitzt.

Wenn du König von Zürich wärst, was würdest du als erstes ändern?

Pianos im öffentlichen Raum aufstellen – und die Monarchie abschaffen.

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