Tsüri-Chopf Nora Gailer: «Nicht nur wir wollen Veränderung, sondern viele andere auch»

Nora Gailer hat Interaction Design studiert. Mit ihrem Design möchte sie zwischenmenschliche Interaktion fördern und sinnlose Normen durchbrechen. Warum der anstehende Designathon wichtig ist und sie besser in der Nacht arbeiten kann, erzählt sie im Interview.
20. Oktober 2017

Nora, wer bist du?

Ich bin ein sehr motivierter und optimistischer Mensch – und leicht bis bitzli idealistisch. Ich bin in einer Familie aufgewachsen mit Mami und Papi und drei Geschwistern. Ich würde um nichts in der Welt tauschen – Es ist wirklich schön, Zuhause zu sein.
Schon in meiner Kindheit hatte ich den Drang, mich visuell auszudrücken. Seit meiner Ausbildung fokussierte sich meine Passion für Gestaltung und Design. Das begleitet mich jetzt auch auf der beruflichen Ebene.

Erzähl uns von deinem Herzensprojekt...

Der anstehende Designathon! Am 20.-21. ist der Hauptevent. Freitagabend geht es los und es muss noch einiges gemacht werden, damit alles ready ist! Der Designathon ist ein Design-Marathon, abgeleitet aus dem Hackathon-Format. Wir finden das cool: Innerhalb kurzer Zeit, meistens 48 bis 72 Stunden, widmen sich die Teilnehmenden der Zukunft unserer Gesellschaft. Dabei entstehen überraschende Lösungen oder kritische Hinterfragungen des jetzigen Zustandes.

Wir wollen in unserem Tun die Relevanz sehen und nicht die Welt, wie sie schon immer gesehen wurde.
Nora Gailer

Was erwartet uns am Designathon?

Dieses Jahr dreht sich alles um Nähe. Am Event selber gibt es dann genauere Aufgaben, Talks, Workshops und Einführungen.
Weil es eine so kurze Zeit ist, muss und kann es nicht so in die Tiefe ausgearbeitet werden. Man muss sich auf sein Bauchgefühl verlassen – und an das denken, was einem wichtig ist. Am Sonntag um 15:00 muss alles ready sein! Dann werden die Projekte von einer Jury bewertet – nach zwei Tagen Denken und Werken wird der Hauptpreis von 5'000 Franken vergeben.

Warum braucht es den Designathon?

Wir wollen in unserem Tun die Relevanz sehen und nicht die Welt, wie sie schon immer gesehen wurde. Wir wollen das Potential ausschöpfen und Dinge neu denken. Beim Designathon geht es ums Machen! Es würde vielen Menschen gut tun, Vertrauen zu fassen und sich befähigt zu fühlen, etwas zu machen.

Es ist genauso wichtig, ob jemand gut zeichnet oder weiss, warum das Gesundheitssystem Veränderung braucht.
Nora Gailer

Wie ist die Idee entstanden?

Die Initiative stammt von Mona Neubauer und David Simon, die beide immer noch dabei sind. Hackathon ist ein tolles Format, aber unsere technischen Fähigkeiten sind begrenzt, vor allem im Vergleich mit den ganzen ETH Absolvent*innen, die zum Beispiel am #hackzürich anzutreffen sind. Wir fühlten uns nicht befähigt, an einem so stark technisch orientierten Event teilzunehmen.
Wir wollten etwas schaffen, das kein spezifisches Skill-Level erfordert, denn jede*r hat Fähigkeiten und es ist genauso wichtig, ob jemand gut zeichnet oder weiss, warum das Gesundheitssystem Veränderung braucht.

Wenn man Geld gewinnen kann, geht es um mehr als Mitmachen?

Das Preisgeld soll dem Projekt den Startschuss ermöglichen, damit es nach dem Designathon weiter wachsen kann. Es gibt vielen Leuten die Chance, sich erstmals so intensiv mit einem Projekt zu beschäftigen. Der Wettbewerb soll Zeit und Rahmen bieten und auch anspornen, etwas richtig Tolles zu machen ausserhalb von wirtschaftlicher Rechtfertigung.

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Ich wünsche mir, dass Menschen wie Banker*innen, die sehr stark wirtschaftlich denken, auch dabei sind.
Nora Gailer

Welche unerwarteten Teilnehmer*innen sollen an den Designathon?

Ich wünsche mir, dass Menschen wie Banker*innen, die sehr stark wirtschaftlich denken, auch dabei sind. Menschen, die den ganzen Tag mit Jahresberichten, Statistiken und Zahlen zu tun haben. Menschen, die ausschliesslich logisch denken.
Das fände ich toll, aber ich denke, dass es schwierig ist, die zu erreichen.

Was ist dein schönstes Erlebnis?

Der Event an sich war mega lässig, was auch irgendwie selbstverständlich ist. Es ist eine starke Motivation für alle, die letztes mal dabei waren, den Designathon nochmals so gelingen zu lassen!
Am wichtigsten war es, die Passion und das Interesse zu sehen, Sachen zu entwickeln und die Welt neu zu denken. Zu sehen, dass nicht nur wir Veränderung wollen, sondern viele andere auch, das war ein unglaublich schönes Gefühl!

Am wichtigsten war es, die Passion und das Interesse zu sehen, Sachen zu entwickeln und die Welt neu zu denken.
Nora Gailer

Abgesehen vom Aussergewöhnlichen, wie sieht dein Alltag aus?

Ich arbeite als Webdesignerin. Dort arbeite ich zu mehr oder weniger durchschnittlichen Büro-Zeiten. In der restlichen Zeit widme ich mich anderen Projekten – auch zu weniger konventionellen Tageszeiten. Ich kann sehr gut in der Nacht arbeiten, dann ist es ruhig, es hat weniger Menschen und ich bin viel fokussierter. Ich bin auch psychisch ruhiger, vielleicht hat das damit zu tun, dass ich ein visueller Mensch bin und alles Dunkel ist und ich weniger sehe (lacht).

Was würdest du tun, wenn du für ein Tag Königin von Zürich wärst?

Ich würde im Sommer einen «Couch-Tag» einrichten. Alle Menschen hätten frei und in der Stadt würden keine Autos fahren.
An jeder Ecke gäbe es die Möglichkeit, ein Tisch mit Stühlen, ein Sofa oder einen Liegestuhl aufzustellen. Es ist ein Prinzip: wenn man eine Sitzgelegenheit bietet, setzten sich die Menschen hin. Das Schönste wäre natürlich, dass die Menschen merken, dass sie auch gemeinsam sitzen können und man so seine Mitmenschen kennen lernen kann.

Hier findest du alle anderen Tsüri-Chöpfe!

In unserer Stadt entsteht ständig Neues und es gibt schon viel Geniales. In unserer Tsüri-Chopf-Reihe stellen wir dir die kreativen Köpfe hinter den inspirierenden Projekten vor. Kennst du selbst spannende Leute, die tolle Sachen in unserer schönen Stadt anreissen? Dann melde dich bei uns auf info@tsri.ch.

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