Tsüri-Chopf: «Gin machen war so ne Schnapsidee»

Im Gespräch mit Merlin Kofler, Geschäftsführer von Turicum Gin, über die erste Destillerie in Zürich und die geheime Zutat.
31. März 2017

Wer bist du?
Merlin:
Geboren im Tirol, 28 Jahre alt, heisse Merlin Kofler und produziere Gin in Zürich.

Ah, dann bist du gar kein Zürcher?
Nein, ich fühle mich hier aber sehr zuhause.

Wie bist du nach Zürich gekommen?
Ich bin ein Gastro-Kind und war immer viel unterwegs. Als ich auf den Cayman Islands arbeitete, wusste ich nicht genau, wohin ich als nächstes gehen soll. Da hat ein Freund gemeint: «Komm nach Zürich, es ist toll hier!» Also kam ich hierher. Ursprünglich plante ich nur drei Monate hier zu sein, weil ich in Österreich Militärdienst leisten musste. Obwohl ich meinen Wohnsitz in Zürich seither noch drei Mal abgemeldet hatte, verschlug es mich immer wieder hierher zurück. Hier sind die Menschen offen und schätzen Qualität. Es hat genug Stutz, sodass die Leute viel unternehmen und häufig unterwegs sind.

Was machst du jetzt?
Zusammen mit Oli, Osci und Philip stelle ich den Turicum Gin her: ein Gin aus der Stadt Zürich mit regionalen Zutaten. Zum Beispiel benutzen wir Zürichsee-Wasser und einige Zutaten pflücken wir sogar von Hand. Wir produzieren alles zu 100 Prozent selbst. Dazu gehört das Destillieren, Abfüllen und Etikettieren. Wir betreiben in Albisrieden eine Destillerie. Das ist übrigens die erste und einzige Destillerie für Spirituosen, die je in der Stadt Zürich installiert wurde. Das finde ich einen lustigen Fakt.

Wie ist die Idee entstanden?
Gin zu machen war so eine Schnapsidee. Als ich in der Milchbar arbeitete, sollte ich eine neue Cocktail-Karte zusammenstellen. Also flog ich nach London, um mich inspirieren zu lassen. Natürlich wollte ich dort nicht alleine saufen, und nahm darum meinen Stellvertreter, Oli, mit. Damit wir tagsüber auch beschäftigt waren, beschlossen wir verschiedene Gindestillerien zu besuchen. Wir waren schon damals grosse Gin-Fans. So kam es, dass wir einen Workshop bei einem recht verwirrten Typ machten, der seinen eigenen Gin herstellt und erfolgreich verkauft. Nach einem Tag voller Gin fanden wir mitten in der Nacht in einer Bar: «Wenn der das kann, können wir das auch!» Mit dieser Überzeugung sind wir am nächsten Tag zurück nach Zürich geflogen und setzen die Idee zusammen mit Osci und Philip um.

Die Kofferräume unserer Autos dienten als Lagerplatz und wir etikettierten im Freien.
Merlin Kofler

Was bietet dein Projekt der Stadt?
Die Stadt hat ihren eigenen Gin! Einen echt guten Gin.

Was ist dein bestes Erlebnis mit Turicum Gin bisher?
Zu Beginn haben wir mit unseren eigenen finanziellen Mitteln die ersten 1000 Flaschen produziert. Das war im Juni 2015. Vor dem Launch wurde uns von vielen Seiten gesagt, wie hart umkämpft der Gin-Markt sei. Und dass wir froh sein könnten, wenn wir die 1000 Flaschen bis Ende Jahr verkaufen würden. Tatsächlich waren diese ersten 1000 Flaschen aber schon nach 9 Tagen verkauft! Bis Ende Jahr waren wir bereits bei 10’000 angekommen. Das war eine unglaubliche Bestätigung für unsere Arbeit und Passion.

Es gibt aber noch weitere lustige Episoden. Hier ein anderes Beispiel: Im ersten Jahr destillierten wir in einer Scheune auf einem alten Bauernhof in Altstetten mit einem Brenner zusammen. Da dienten die Kofferräume unserer Autos als Lagerplatz und wir etikettierten im Freien. In der Scheune selbst war es manchmal nicht wärmer als 6 Grad. Weil Gin trüb wird, wenn er beim Destillieren weniger als 20 Grad hat, bestrahlten wir ihn mit einem Heizstrahler. Das war schon witzig: Während wir froren, hatte der Gin schön warm.

Für was steht Turicum Gin?
Wir wollen ein Produkt herstellen, an dem sowohl wir als auch unsere Kunden Spass haben. Wir sind ehrlich und authentisch in der Herstellung. Wir machen alles selbst, um genau in dieser Qualität zu produzieren, die wir anstreben. Anfangs hatten wir keine grosse Ahnung und haben uns mit Youtube-Tutorials und Google beigebracht, wie man Gin macht. Wir haben Drogerien nach allerlei Gewürzen durchsucht und verschiedenste Kombinationen von Geschmäckern ausprobiert. Nach acht Monaten hatten wir unser perfektes Rezept gefunden – mit einer geheimen dritten Zutat!

Ist die Zutat geheim, um euch interessanter zu machen?
(lacht) Nein. Auf die ersten 1000 Flaschen schrieben wir das vollständige Rezept drauf. Wir hatten damals noch keine Etiketten und hängten einen Zettel mit meiner Handy-Nr. dran. Anstatt massenweise Nachbestellungen bekam ich dann aber haufenweise Anfragen, ob diese dritte Zutat legal sei. Natürlich ist sie das. Um diesen Fragen zu entgehen, entschlossen wir, diese jetzt geheim zu halten.

Was würdest du tun, wenn du ein Tag König von Zürich wärst?
Was heisst da «wenn wäre»? Wir sind schon Könige von Zürich. Uns gefällts so.

In unserer Tsüri-Chopf-Reihe stellen wir dir die kreativen Köpfe hinter inspirierenden Projekten vor. Kennst du selbst spannende Leute, die tolle Sachen in unserer schönen Stadt anreissen? Dann melde dich bei uns auf info@tsri.ch.

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