Bullshit-Job? 💩

Tsüri-Chopf Chrigi G. us Z.: «Ich kann bald in Cannes mein Pesto-Gipfeli enjoyen»

Wer kennt ihn nicht, den Radiomacher und Clubbetreiber Christian Gamp? Ohne ihn wäre der Musikstandort Zürich um einiges ärmer. Darum ist er der aktuelle Tsüri-Chopf. Im Interview spricht er über Pesto, seine Leidenschaften und dass ihm zu viel gelabert und zu wenig ausprobiert wird.
05. Juni 2019
Chefredaktor

Wer bist du und was hat dich zu dir gemacht?

Ein hässiger, weisser, privilegierter Junge, der sich über die hiesige Radiolandschaft (Top 40 aaaaalldaylong) echauffierte. Zum Glück privilegiert genug, um auch etwas dagegen machen zu können. Und das zu tun, macht auch noch Freude und kommt anscheinend gut an.

Du lebst für dein Radio GDS.FM und deine Bar-Sender. Warum braucht es das in Züri?

So ziemlich jede andere grössere Stadt hat mehrere Radiosender, die lokale Subkulturen on air und online an Interessierte verbreiten. In Downtown *hust* Switzerland fehlte mir diese Plattform. Bizli war mein Traumjob also auch eine Marktlücke. Mit Plattform meine ich, dass DJs und Labels in ihren Sets und Sendungen frisch gediggtes und selbstreleastes Material präsentieren können, und Konzerte und Interviews einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden als nur den sieben hiphopzigirauchenden Homies im Studio. Es gibt so verdammt viele qualitative und kreative Künstler*innen in Zürich, da kann ein Nerd mehr nicht schaden, der das mitverbreitet.

Als Bar- und Radio-Besitzer verdienst du sicher einen Haufen Kohle. Was machst du damit?

Seit wir die Bar haben (und ich meinen Dayjob kündigen konnte), werde ich (neben: «Wie schaffst du das eigentlich alles ohne Koks?») immer wieder gefragt, ob ich davon leben kann. Ja, kann ich. Nur ist meine Auslegung von «leben» zur Zeit wohl eher abstrakt. Ich arbeite von Montag bis Donnerstag von morgens bis oft spätabends im Büro. Administratives für Gastro und Personal, Playlisterstellung und Bookings fürs Radio sowie Meetings für die nächsten grösseren Events und bei den Lieblingsämtern der Stadtverwaltung. Dazwischen gönne ich mir jeweils ein Gipfeli zum Zmittag und Pasta mit Pesto zum Znacht. Dann kommen Mittwoch bis Samstag jede Woche vier Events mit bis zu Zwölfstundenschichten in der Bar. Da esse ich meistens Bier, weil gratis. Wer mitgerechnet hat, kommt auf 7.20 Franken laufende Ausgaben in der Woche. Als ich noch rauchte, waren es 25 Franken. Somit ja: Wenn die Bar halbwegs gut läuft, habe ich einen halbwegs guten Barlohn und dank den geringen Ausgaben kann ich bald an der Riviera in Cannes mein nächstes Pestogipfeli enjoyen.

...dass mehr Frauen sich zum Auflegen und Sendungmachen melden.

Träumen wir mal los in den blauen Himmel hinaus. Wo stehen deine Herzensprojekte in fünf Jahren?

Ich wünsche mir, dass unser Radio mit allem Drum und Dran langsam und konstant weiterwächst. Dass wir mehr Leute einstellen können, um professioneller zu werden und auch mal Ferien machen zu können. Dass wir mehr Gage zahlen können. Dass in den Räumen über der Bar mehr Musiker*innen einziehen. Dass mehr junge Menschen ausgehen bei uns. Dass sich mehr Frauen zum Auflegen und Sendungmachen melden. Dass aus dem Haus an der Kurzgasse auf allen Stockwerken und auch tagsüber ein richtiger Treffpunkt wird für Musiker*innen und Musikliebhaber*innen. Dass Neues und Schönes entstehen wird aus einem endlich sauber und längerfristig funktionierenden Radio- und Barbetrieb.

Titelbild: Franziska Meierhofer

Wenn du einen Tag lang König von Zürich wärst, was würdest du als Erstes tun?

In Zürich haben wir, wie fast an keinem anderen Ort, alle Möglichkeiten offen – zumindest als anfangs erwähnte gut situierte Individuen. Als König würde ich befehlen, dass alle, die immer sagen «Mach doch mal das!» oder «Weisch was wär cool?» verpflichtet sind, das auch selbst durchzuziehen. Es wird viel zu viel geredet, genetworked und gestartupevented, statt einfach drauflosprobiert. Was kann man dabei schon verlieren ausser Geld und Zeit?!

Viel dringender und als Erstes am Morgen würde ich an meinem Königstag aber bei meinen Rittern aufräumen. Was ich in den letzten Jahren an Unprofessionalität, Willkür, Rassismus, Indiskretion, Unverhältnismässigkeit und unnötigem Machtgehabe bei der Stadtpolizei erlebt habe, ist absolut inakzeptabel. Von der Kripo, die es nicht schafft, perverseste Kleinkriminelle an der Langstrasse aus dem Verkehr zu ziehen, über die Wirtschaftspolizei, die die Verantwortung ständig in die nächste Abteilung weiterschiebt, bis zu den gepanzerten Patrouillen, die im Viertelstundentakt mit dem Farbfächer durch die Bäcki tuckern und jeden Spaziergänger mit Hautteint Pantone 14-1315 (Hazelnut) und dunkler mit dem Todesblick weglasern.

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