Tsüri-Chopf: «Ich würde überall breite, lässige Velowege in Zürich machen»

Im Gespräch mit Armin, dem Mitgründer vom Öpfelchasper über den Öpfelchasper, Bio-Produkte, Muskelkraft und Velos in der Stadt.
03. März 2017

Wer bist du und woher kommst du? Was ist deine Rolle beim Öpfelchasper?
Armin: Ich bin in Stäfa am wilden Zürichsee aufgewachsen. Ursprünglich habe ich Psychologie studiert und arbeitete danach bei der UBS im Personaldienst. Parallel dazu hatte ich Bock mit meinem Freund Dominik, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Dominik führte schon damals den Bio-Laden Ultimo Bacio in Wipkingen. Anfangs wussten wir einfach, dass wir etwas mit Velos und Bio-Produkten machen wollen. So entstand das damals 2007. Jetzt feiern wir das Zehnjährige.

Insofern war ich von Anfang an dabei. Im Moment mache ich die Geschäftsleitung in einem Pensum von 50%. Zu Beginn gab es natürlich noch keine Jobs hier. Wir beide haben einen Tag pro Woche für den Öpfelchasper gearbeitet, uns keinen Lohn ausbezahlt und in der Stadt Flyer verteilt, um unsere Idee zu verbreiten. Es gab keine Homepage und das Züriwerk lieferte unsere Früchte aus. Unterdessen haben wir etwa 64 Angestellte, darunter 40 eigene Kuriere. Die sind uns sehr wichtig, da wir auf persönlichen Kontakt setzen. Montags sind jeweils bis zu 15 Kuriere auf den Strassen unterwegs.

Was macht ihr genau?
Wir liefern Biofrüche per Velokurier direkt in die Büros der Stadt. Neben Früchtekörben haben wir auch Gemüsekörbe, die wir direkt nach Hause liefern können. Uns ist wichtig, dass alles 100% bio ist und alles mit 100% Muskelkraft transportiert wird. So haben wir auch keine Elektrovelos.

Vor zehn Jahren haben wir damit angefangen, unsere Ware nicht mit Liefer- und Lastwagen, sondern mit Velos auszuliefern.
Armin Heyer

Wie ist das Projekt entstanden? Was ist die Inspiration dahinter?
Die Idee wurde inspiriert durch die holländischen Bakfiets, jene Velos mit der Tragfläche vorne, die jetzt überall in der Stadt zu sehen sind. Dominik hat eine Weile in Amsterdam studiert und kannte die Bakfiets aus jener Zeit. Also holten wir uns zwei uralte Exemplare aus Holland. Diese Velos aus den 1920er-Jahren waren mega schwer und mega cool. Sie hatten vorne eine zwei Meter lange und zwei Meter breite Kiste montiert – fast schon wie fahrende Marktstände. So entstand die Idee Bio-Früchte mit Velos auszuliefern.

Was bietet dein Projekt der Stadt? Was ist dein Beitrag zur Community?
Ich glaube, wir haben zur Etablierung von Velo-Kurieren in der Stadt beigetragen. Vor zehn Jahren haben wir damit angefangen, unsere Ware nicht mit Liefer- und Lastwagen, sondern mit Velos auszuliefern. Ich finde,, es macht keinen Sinn innerhalb der Stadt mit dem Auto zu liefern. Diese Idee wurde jetzt von anderen übernommen. Zudem bieten wir natürlich einen Haufen toller Studentenjobs.

Wir wollen, dass diese lebendige Freude – der Puls der Stadt – von unseren Kurieren und mit unseren Früchtekörben in den Büroalltag gebracht wird.
Armin Heyer

Was ist das beste Erlebnis im Rahmen des Projekts bisher?
Da gibt es viele! Schon damals, als wir noch am flyern waren, gab es gute Momente. Als wir beispielsweise nach unseren ersten Rundgängen am Abend nach Hause kamen und bereits die ersten Bestellungen in unserem Briefkasten hatten, war das sehr erfreulich. Auch die Weihnachtsessen mit unseren Kurieren gehören zu den Highlights. Da hört man die spannendsten Geschichten über die lustigsten Velo-Pannen und Abenteuer auf den Strassen.

Wofür steht der Öpfelchasper?
Für Bio-Produkte, Lebensfreude und persönlichen Kontakt. Wir wollen, dass diese lebendige Freude – der Puls der Stadt – von unseren Kurieren und mit unseren Früchtekörben in den Büroalltag gebracht wird. Zudem sind wir CO2-neutral und nehmen unsere Körbe immer wieder mit. Und natürlich stehen wir auch für das Velo im städtischen Verkehr.

Wie sieht dein normaler Alltag aus?
Zuerst bringe ich meinen Buben in die Krippe – dies selbstverständlich mit dem Velo. Ab 9 Uhr bin ich hier im Büro. Zurzeit suchen wir gerade einen KV-Lehrling für nächstes Jahr. Oft telefoniere ich mit den einzelnen Oberchaspern, um Standorte und Auslieferungen zu koordinieren. Im Hintergrund schaue ich zudem, dass unsere Säulen – Finanzen, IT, Kommunikation, Marketing, Personal – stehen. Dabei werde ich überall von guten Leuten, die einen guten Job machen, unterstützt.

Was würdest du tun, wenn du für ein Tag König von Zürich wärst?
Ich würde überall breite, lässige Velowege in Zürich machen, so dass all unsere Velos mit den breiten Anhängern ohne Probleme durchkommen. Ich finde es sehr schade, dass sich Fussgänger, Velos und Autos in die Haare geraten, nur, weil es so eng ist. Es wäre so vieles gelöst, wenn die Wege einfach breiter wären. Die Leute wären viel zufriedener und viel gesünder.

In unserer Stadt entsteht ständig Neues und es gibt schon viel Geniales. In unserer neuen Tsüri-Chopf-Reihe stellen wir dir die kreativen Köpfe hinter den inspirierenden Projekten vor. Kennst du selbst spannende Leute, die tolle Sachen in unserer schönen Stadt anreissen? Dann melde dich bei uns auf info@tsri.ch.

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