Helfen in der Coronakrise – so machst du's richtig

Das öffentliche Leben in der Schweiz wird auf Null heruntergefahren. Derweil vernetzen sich in der Facebookgruppe «Gern gscheh – Tsüri hilft» bereits 5000 Zürcher*innen, die vor allem Personen aus der Risikogruppe unterstützen möchten. Hier ein paar Tipps, worauf man dabei achten muss.
16. März 2020
Redaktorin

2330 Coronafälle gibt es in der Schweiz (Stand 16. März 2020, 17:30 Uhr). Die Dunkelziffer dürfte weit grösser sein und die Fallzahlen steigen rasant an. Am Freitag hat der Bund deshalb die sofortige Schliessung aller öffentlicher Schulen bis mindestens 4. April angeordnet, am Sonntag warnte der Zürcher Uni-Professor Adriano Aguzzi in einem Video mit den Worten «Sie müssen unbedingt zu Hause bleiben!» – und am Montagnachmittag teilte der Bundesrat schliesslich mit, dass das öffentliche Leben in der Schweiz auf das Minimum reduziert wird und dass für das ganze Land die Notlage ausgerufen wird. «Wir müssen alles tun, um den Anstieg der Coronaerkrankungen zu bremsen. Jetzt muss ein Ruck durch unser Land gehen», so Bundespräsidentin Simmonetta Sommaruga an der Medienkonferenz.

Um Menschen, die zur Risikogruppe gehören und deshalb den Kontakt zu Mitmenschen meiden müssen, zu unterstützen, haben wir von Tsüri am Freitag nach dem Vorbild von Bajour die Facebook-Gruppe «Gern gscheh – Tsüri hilft» gegründet. Dort vernetzen wir mittlerweile Zürcher*innen, die auf Unterstützung angewiesen sind, mit Zürcher*innen, die gerne helfen. Wer kann, hilft, wer darauf angewiesen ist, nimmt Hilfe an. Unentgeltlich.

Mittlerweile sind der Gruppe bereits 5500 Mitglieder beigetreten, die einander solidarisch unterstützen möchten – uns es werden immer mehr!

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Einkaufshilfen und Nachhilfe für Schüler*innen

Bislang wurden leerstehende Ferienwohnungen für Personen aus der Risikogruppe zur Verfügung gestellt, Gassi-geh-Angebote für Hunde, Nachilfe für Schulkinder per Videochat, Einkaufshilfen in allen Stadtkreisen, Übernachtungsmöglichkeiten für Pendler*innen und vieles mehr. Die Herausforderung, die es zu meistern gilt: Jene Betroffene, die nicht digital unterwegs sind – und dazu zählen viele – trotzdem zu erreichen. Deshalb haben wir hier einen Aushang/Brief vorbereitet, den Helfer*innen in den Treppenhäusern oder auf der Strasse aufhängen oder den Nachbar*innen unter der Tür durchschieben können.

Eine Mitgliederin von «Gern gscheh – Tsüri hilft» hat zudem einen Aushang für fremdsprachige Menschen verfasst.

Nachbarschaftsbrief Aushang

Auch ausserhalb von Zürich haben sich in den vergangenen Tagen über 300 lokale Gruppen gegründet, Schätzungen zufolge sollen sich darin über 100'000 Menschen engagieren. Alle Gruppen findest du unter hilf-jetzt.ch.

Journalistin Seraina Kobler hat zudem ein paar Tipps zusammengestellt, wie man richtig helfen kann:

Das Allerwichtiste: Du kannst nur helfen, wenn du wirklich gesund bist.

Wer Symptome hat, das kann auch ein chronischer Raucherhusten oder der nahende Heuschnupfen sein, sollte sich derzeit in Selbstisolation begeben und bis zu 24 Stunden nach deren Verschwinden Zuhause bleiben.

1. Kontaktaufnahme

Der Freiwillige nimmt mit der Person in Quarantäne oder aus einer Risikogruppe Kontakt auf. Dies kann direkt online, per SMS, Telefon, Aushang im Treppenhaus oder indirekt über eine Vermittlungsperson passieren.

2. Bestellen

Details der Besorgung von Lebensmitteln, Büchern, Medikamenten und anderen Dingen werden telefonisch oder digital ausgemacht. Ausserdem: der Ort der Deponierung und (bei Einkäufen) die Zahlungsabwicklung.

Anschliessend Botengang erledigen. Dabei auf die eigene Hygiene achten. Selbst feinste Tröpfchen und Sekret können noch Stunden später Viren enthalten.

3. Deponieren

Die Helfende schickt der Person in Quarantäne oder aus einer Risikogruppe Fotos der Kaufbelege und fordert allfällige Auslagen via TWINT, E-Banking oder gutem Karma ein.* Anschliessend erfolgt die Lieferung bis vor die Haustüre. Direkter Kontakt sollte dabei vermieden werden. Danach werden die Empfänger*innen via Telefon Gegensprechanlage oder SMS informiert, dass die Lieferung bereit steht.

4. Empfänger*in

Je nachdem, wie stark eine Person gefährdet ist, können Plastikoberflächen mit einer 80-Prozentigen Alkohol-Lösung desinfiziert werden. Die Tasche sollte nicht am Griff angefasst werden.

* Wird mit Bargeld bezahlt, sollte auch dieses ausserhalb der Wohnung deponiert werden.

Quellen: Rotes Kreuz Basel, Bundesamt für Gesundheit, Merkblätter für med. Fachpersonen, Stand 14. 03. 2020

Eltern sind seit den Schulschliessungen besonderes gefordert. Bild: Ben Wicks/Unsplash

Eltern betreuungstechnisch unter die Arme greifen – wie macht man das am sichersten?

Schulen und Kinderkrippen wurden geschlossen, damit die Übertragungskette unterbrochen wird. Deshalb sollen soziale Kontakte möglichst reduziert werden. Irgendwie muss man die Kinderbetreuung aber organisieren, Eltern helfen dabei Eltern. Wie macht man das am sichersten?

Wichtig ist, dass die Kinder auch zuhause alle empfohlenen Hygienemassnahmen weiterhin gut beachten. Sie sollten derzeit keinen Kontakt zu älteren Menschen und solchen mit Vorerkrankungen pflegen.

  • Die Notfallbetreuung in den Schulen ist für Menschen mit «systemkritischen» Berufen wie dem Gesundheitspersonal eingerichtet worden.
  • Für Kinder bedeuten neue Bezugspersonen und Gruppen meist Stress. Daher sollen kleine und langfristige Kontaktketten mit vertrauten Personen gebildet werden.
  • Ihr Kind bleibt zuhause? Dann ist es wichtig, dass es die Zeit möglichst nicht in einer Gruppe mit anderen Kindern verbringt.
  • Am besten im eigenen Haus oder in der Siedlung einander aushelfen. Gruppen ausdünnen. Sich vorher absprechen und dann die gleichen Kontakte pflegen. Konstellationen konstant halten.
  • Die Anzahl Kinder pro Raum sollte möglichst klein sein. Gut lüften. So viel Zeit wie möglich im Freien wird empfohlen.
  • Kinder mit Fieber und Husten bleiben zu Hause. Sie sollten nicht von einer zu grossen Anzahl wechselnder Personen betreut werden.

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