Tauschbörsen «können zur Auflösung des Mietverhältnisses führen»

Mieter*innen einer städtischen Liegenschaft organisieren Tauschbörsen und werden darum mit einer Kündigungsandrohung abgestraft.
29. März 2017

Sharing Economy ist eines der Schlagwörter unserer Zeit: teilen statt unnötig konsumieren. Verschiedene digitale und analoge Plattformen erleichtern Menschen das Ausleihen, Tauschen oder Verschenken von wenig genutzten Gegenständen: Sharoo, Airbnb, Pumpipume und so weiter. Diese Ansätze werden sogar von renommierten Ökonomen gelobt – Teilen als Zukunft unserer Wirtschaft.

Der Hauswart der städtischen Hardau-Siedlung sieht das offenbar anders und droht Mieter*innen mit dem Rauswurf, falls sie weiterhin Tauschbörsen in den Eingangshallen organisieren: «Insbesondere verzeichnen wir vermehrt Tauschbörsen in den Eingangshallen. (...) Zugewiesene Entsorgungen können zur Auflösung des Mietverhältnisses führen.», steht auf einem offiziellen Aushang der städtischen Liegenschaftsverwaltung.

«Tauschbörsen im Haus werden von gut aufgestellten Verwaltungen gefördert. Viele Mieter*innen schätzen solche Angebote», teilt der Mieterverband auf Anfrage mit. Diese nicht gezeichnete Mitteilung seien unprofessionell und mit der Kündigungsandrohung habe die Stadt Zürich «massiv über das Ziel hinaus» geschossen.

Diese zeigt sich einsichtig: Wie die Medienstelle auf Anfrage mitteilt, stehe sie grundsätzlich positiv zur Sharing Economy und «begrüsst es sehr, wenn sich Mieter*innen untereinander vernetzen und ein soziales Leben aufbauen». Die angedrohte Kündigung in der Hardau-Siedlung sei auf eine Überreaktion des Hauswarts zurückzuführen und der entsprechende Aushang seit Dienstag wieder abgehängt.

Ganz unverständlich sei die Drohung allerdings nicht: «Es wurden im Hauseingang immer wieder Gegenstände deponiert, die v.a. für Kinder gefährlich werden könnten: Medikamente, Fonduegabeln, Scheren etc. Da ist dem Hauswart, der ja dann wohl von den Mietenden (mit-)verantwortlich gemacht würde, wenn etwas passiert, vermutlich der Kragen geplatzt. Selbstverständlich drohen wir Mieterinnen und Mieter, die eine Tauschbörse organisieren, nicht mit der Kündigung.»

(jas)

Titelbild: Screenshot/Instagram

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