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Griechischer Salat im Take Away. Alle Fotos: Elio Donauer

Wer Take-Away sagt, muss auch Abfall sagen: 3 Behälter im Vergleich

Keine Lust zu kochen! Heute gibt es Take-Away. Wir haben bei drei Restaurants Essen bestellt und die Verpackungen genauer angeschaut.
03. Mai 2020
Community-Verantwortliche und Redaktorin

Wir befinden uns im Frühling 2020. Alle Restaurants sind geschlossen. Alle? Nein! Ein paar unbeugsame Gastronom*innen hören nicht auf, Résistance zu leisten. Sie trotzen der Krise und bieten ihr Menus jetzt als Take-Away an. Aber wer Take-Away sagt, muss auch Abfall sagen: Denn wie soll das Essen vom Restaurant zu den Kund*innen transportiert werden? Wohl nicht in der hohlen Hand. Wir haben bei drei verschiedenen Restaurants Essen bestellt und geschaut, in welchen Behältern es verpackt ist, wie viel Abfall dabei anfällt und wie sich dieser entsorgen lässt.

1. Griechisch in der plastifizierten Kartonbox an Plastik

Beim Griechen holen wir einen griechischen Salat und eine Mezzeplatte mit Pitabrot, Hummus, Oliven, Feta und gefüllten Weinblätter. Der Salat und die nicht flüssigen Teile der Mezzeplatte kommen je in einer plastifizierten Box daher. Die Saucen sind in einzelnen Plastikgefässen abgefüllt, die Oliven befinden sich zu fünft in einem separaten Döschen. Dazu hat das Restaurant etwa acht Servietten und zwei Gabeln gelegt.

Die Mezzeplatte in der plastifizierten Kartonbox.

Die plastifizierte Box macht von aussen – der braunen Farbe sei dank – einen grünen Eindruck. Darauf steht: «Jede Box zählt. In der Schweiz wird ein Drittel der Lebensmittel nicht konsumiert. Gemeinsam können wir das täglich reduzieren». Ein Link führt uns auf united-against-waste.ch. Ein Verein, der sich für die Reduktion von Food-Waste im Ausser-Haus-Konsum einsetzt. Diese Boxen sind dafür konzipiert, dass der Gast die Reste nach Hause nehmen kann, falls die Portion im Restaurant zu gross war. Auf der Webseite steht explizit: «Die Box ist nicht für den Take-Away-Gebrauch sondern nur für Tellerreste geeignet». 300 solche Boxen kosten gut 500 Franken, also rund 1.60 Franken pro Stück. Davon gehen 5 Rappen an den Verein United Against Waste. Es kann gut sein, dass das Restaurant diese Boxen eigentlich zu diesem Zweck und jetzt wegen der grossen Nachfrage auch für den Take-Away benutzt.

So sieht die Bestellung vor dem Verzehr aus.

Das Essen jedenfalls hat den Transport auf dem Velo gut überstanden. Es schmeckt. Die vielen Plastikboxen hinterlassen jedoch einen fahlen Nachgeschmack. Sie kommen in den normalen Haushaltsabfall, so auch die Kartonboxen, denn in die Kartonsammlung gehören keine Boxen, die mit Plastik beschichtet sind. Theoretisch könnte man die Plastikboxen z.B. im Sammelsack sammeln und rezyklieren lassen, aber praktisch macht das kaum jemand.

2. Pizza von Don Cartone

Als zweites bestellen wir den Klassiker ohnegleichen: La Pizza. Traditionellerweise in der Kartonbox. Der Pizzakurier liefert sie mit dem Auto direkt vor die Türe, warm gehalten in einer Wärmetasche.

Weil trotzdem mehr lau als warm, schieben wir sie noch in den Ofen und schauen währenddessen die Verpackung an. Die beiden Pizzen haben je eine eigene Schachtel, sonst kein Krimskrams, keine Servietten, kein Plastikbesteck. Va bene cosi: Denn die Italiener*innen unter uns wissen, dass man a Napoli die Pizza eh von Hand isst. Die Pizza kommt aus dem Ofen und schmeckt zugegeben schon ein bisschen lampig im Vergleich zu einer, die vom Pizzaiolo bis zum Teller nur ein paar Meter zurücklegen musste.

Zur Verpackung: Karton liesse sich recyclen. Doch entgegen der Annahme vieler, gehören Pizzakartons leider nicht in die Kartonabfuhr. Swiss Recycling listet sie auf ihrer Webseite in der Rubrik auf mit Materialien, die nicht in die Kartonsammlung gehören. Das Problem sind die Fettreste, die dem Karton anhaften. Wäre der Karton komplett sauber, könnte er recycelt werden, nur ist das bei Pizzen nie der Fall. Der Pizzakarton gehört also in den normalen Hauskehricht und füllt alleine so schon fast einen 17-Liter-Zürisack.

Karton an sich hat eine sehr gute Ökobilanz: Die Kartonverpackung beansprucht die Umwelt sowohl beim Einsatz fossiler Ressourcen wie auch bei der CO2 Emission viel weniger im Vergleich zu beispielsweise Dosen oder Gläsern.

3. Antipasti im wiederverwendbarem Geschirr

Als drittes holen wir in einem Quartierrestaurant zwei Antipasti ab. Es verpackt sie in den violetten Gefässen von Recircle. Die Teller erinnern von der Haptik an Spielgeschirr für Kinder. Aber darüber schauen wir hinweg und schichten die Involtini und die Frittata sowieso in «normales» Geschirr um. Aber aus den Recircle-Tellern liesse sich notfalls schon speisen.

Involtini im Recircle Teller mit 10 Franken Depot.

Recircle ist ein junges Unternehmen aus Bern. Seine Idee: Du bezahlst du für eine Recircle Box einen Aufpreis von 10 Franken. Nach dem Essen bringst du sie zu einem «Partner Take Away» zurück oder lässt sie gleich wieder auffüllen. Zwei Schwachpunkte hat das System. Erstens, es kommt nicht selten vor, dass du spontan Essen holst und die Box nicht dabei hast. So stapeln sich zu Hause die Recircle Boxen und in den Restaurants werden sie knapp. Zweitens, bedeutet die Umstellung auf Recircle einen grossen Kostenpunkt für die Restaurants: Die Boxen müssen in grossen Mengen angeschafft werden. Pro Box zahlt das Restaurant zwischen 9 bis 10 Franken, je nach Abo, das das Restaurant abschliesst.

Einweg oder Mehrweg?

Die Verpackung soll schlussendlich für die Gastronomiebetriebe kostenneutral sein, weil sie die Kund*innen entweder kaufen oder Recircle sie zum Einkaufspreis wieder zurückkauft. Die Boxen werden in der Schweiz produziert, das Granulat wird vorzugsweise in Europa bezogen und abgenutzte Produkte werden rezykliert. Auf der Webseite von Recircle finden sich die Restaurants, die diese Gefässe anbieten. Eigentlich ein hervorragendes System, wäre der Mensch nur nicht so vergesslich.

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