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Von Steffen Kolberg

Redaktor

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1. Januar 2023 um 06:00

Goretex-Jacken und Wanderschuhe verirren sich in die Stadt

Nachdem uns Covid einige Monate unseres Lebens geraubt hatte, konnte das Jahr 2022 so einige Trends aus dem Hut zaubern. Derjenige zu Goretex-Jacken in der Stadt hatte sich schon länger abgezeichnet, doch mit den passenden stylischen Wanderschuhen war der Outdoor-Look im letzten Jahr dann komplett, weiss unser Redaktor Steffen Kolberg.

Damit warst du im Jahr 2022 cool. (Foto: Collage Tsüri.ch)

In meinen frühen Teenager-Jahren träumten wir davon, dass in der nächstgrösseren Kleinstadt endlich ein H&M eröffnen würde. So hätten wir nicht immer einen Tagesausflug darauf verwenden müssen, um zu erfahren, was die internationale Markenwelt uns so zum Anziehen feilbietet. Doch es kam anders als erhofft: Statt eines H&M eröffnete Mitte der 2000er ein Jack-Wolfskin-Store, und fortan liefen im gesamten Einzugsgebiet alle Menschen der Alterskohorte, die wir heute als «Boomer» bezeichnen, in Jack-Wolfskin-Jacken durch die Gegend.

Übertrieben peinlich, befanden wir damals, und in der Rückschau glaube ich inzwischen, dass an genau diesem Punkt das heute allgegenwärtige Boomer-Bashing begonnen haben muss. Jedenfalls erschien es uns ziemlich irrsinnig, im Dorf oder der kleinstädtischen Einkaufsstrasse mit einer Goretex-Jacke herumzulaufen, die dafür konzipiert ist, einem kräftigen Regenschauer während einer Bergbesteigung standzuhalten.

«Ich meine, wurde jemals eine bequemere Fussbekleidung hergestellt?»

Steffen Kolberg

Doch wir zogen aus, entdeckten das Reisen und mit ihm den Nutzen der praktischen Allwetterbekleidung. Und später, in unseren Studienstädten, entdeckten wir, dass unsere Reisejacken sich auch bei städtischen Abenteuern mit unklarer Witterung gut machen, zum Beispiel auf Demos.

So schlichen sich die Jacken langsam in den Alltag ein, und heute, 2022, schlägt sich mit Northface-Jacke durch den Grossstadtdschungel, wer für alles gewappnet sein und dabei trotzdem noch lässig aussehen will. Hier zeigt sich, ähnlich wie bei den Joggingschuhen, der Siegeszug des Praktischen über das Schicke. Mag sein, dass es Goretex nicht zwingend braucht inmitten der Zivilisation. Aber schaden tut die Funktionalität im Alltag ja auch nicht. Gerade an einem Ort wie Zürich, wo der nächste Waldspaziergang oder die nächste Demo ja nie ganz weit weg sind.

So ist es kein Wunder, dass auch die halbhohen Trekkingschuhe à la Salomon oder La Sportiva, die sich in den letzten Jahren durch den Trailrunning-Hype im Hochgebirge ausgebreitet haben, 2022 in den städtischen Niederungen angekommen sind. Ich meine, wurde jemals eine bequemere Fussbekleidung hergestellt? Höchstwahrscheinlich nicht.

Ich selbst habe mir vor einiger Zeit ein Paar solcher Schuhe zugelegt, als Alternative zu den schweren Wanderstiefeln. Seither hatte ich letztere kaum noch an. Sie wären natürlich auch viel zu klobig für städtische Ausflüge gewesen. Anders als die halbhohen: Egal, ob Pfützen auf der Strasse oder Matsch im Park, was weisse Sneaker ruinieren würde, ist natürliches Terrain für die stylischen Wandertreter.

Vor wenigen Jahren hat in der nächstgrösseren Kleinstadt übrigens ein H&M eröffnet. Ich nehme an, bei Jack Wolfskin ist nach wie vor mehr los.

Das Szeni-Starterpack 2022

Trends kommen und gehen. So kamen auch im Jahr 2022 so einige modische und gesellschaftliche Neuheiten dazu, andere wurden wiederbelebt. In unserem Rückblick schauen wir auf ein Jahr voller fetzigen Frisuren, lässigen Tretern und neuen Hobbys zurück, die unsere Bubble in den letzten 12 Monaten bewegt haben. Zusammen kam ein Starterpack, mit dem du in Zürich alles warst, aber bestimmt nicht auffällig.

1. «Vorne Business, hinten Party» – der Vokuhila ist die beste Frisur aller Zeiten

2. App «BeReal»: Von wegen authentisch

3. Balaclavas – die politische Häkelware

4. Der Siegeszug der Joggingschuhe

5. Die Swarovski-Steine auf den Zähnen sind zurück

6. Schlange stehen vor der Sauna im Seebad Enge

7. Goretex-Jacken und Wanderschuhe verirren sich in die Stadt