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Bild: Elio Donauer

STRIDE 1: Mit kritischer Neugierde sich und die Welt verändern

Die Stride unSchool stellt den Ansatz der Unschule vor. Es geht hierbei nicht um Schule, wie wir sie kennen. Sich und die Welt in Frage stellen ist ein Prinzip der Unschule.
19. Februar 2020

Text: Anaïs Sägesser & Björn Müller (beide STRIDE the unSchool)

Formelle Bildung gilt als wichtige Entwicklungsmöglichkeit für einzelne Menschen wie ganze Gesellschaften. In einer Zeit, in der wir uns grundsätzlich fragen müssen, ob wir so weiter leben und wirtschaften können, sind bestehende Bildungsformate allerdings Teil des Problems geworden: sie sind systemerhaltend und nicht unbedingt systemerneuernd. Ivan Illich plädierte schon in seinem 1970 erschienenen Essay «Deschooling Society», dass in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels eine radikale ‘Un-Schulung’ notwendig sei. Die bestehenden öffentlichen Bildungsangebote - zu träge - und privaten Bildungsräume - meist zu marktorientiert - bieten bisher nicht den richtigen Rahmen für eine solche Veränderung.

Wozu soll ich mich auf mich selbst besinnen, wozu meinen besonderen Weg wählen [...]? Die Antwort lautet: Nicht um meinetwillen. Darum heißt es: Bei sich beginnen, aber nicht bei sich enden. Von sich ausgehen, aber nicht auf sich abzielen.
Martin Buber
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Es braucht einen dritten Raum, sprich Bildungsorte an und jenseits der Grenze von Öffentlichem und Privatem; Bildungsformate die «bei uns beginnen, aber nicht bei uns enden». Orte und Zeiten, nicht so sehr der Weiter-Bildung, sondern der Um- und Un-Bildung, in denen es neben dem Erlernen auch ums Verlernen und Umlernen geht; immer in Resonanz und Verbindung mit dem was uns persönlich und gesellschaftlich wichtig ist. Es braucht Bildungsansätze die uns, basierend auf demokratischen Prinzipien zur aktiven Teilhabe, Selbsthilfe und Veränderung ermächtigen.

Im Folgenden möchten wir das sogenannte Unschooling als einen solchen Ansatz vorstellen. Unschooling, wie es von STRIDE weiterentwickelt und praktisch erprobt wurde, speist sich dabei aus langjähriger eigener Erfahrung, dem kontinuierlichen Austausch mit Teilnehmenden und Kolleg*innen, Erkenntnissen aus der (eigenen) Unternehmungspraxis sowie der innovativen Synthese von aktuellen Forschungsergebnissen.

Unschooling ist kein feststehender Bildungsansatz, sondern stellt, aus einer Grundhaltung und daraus abgeleiteten Prinzipien, sich und die Welt fortwährend in Frage. Dies bedeutet auf der

  1. Ebene des Individuums: die Förderung von Autonomie, Selbsthilfe sowie selbst-strukturiertem und aktivem Lernen;
  2. Ebene der Gemeinschaft: die Ermöglichung von Teilhabe, gegenseitiger Unterstützung, vertrauensvollen Beziehungen sowie gemeinschaftlicher sozialer / politischer Aktion und Unternehmungstum;
  3. Strukturellen Ebene: das Einfordern von Mitspracherecht und nicht-hierarchischen Beziehungen.

Mit spielerischem Ernst zielt Unschooling darauf ab die oftmals verkümmerte Resonanz zwischen uns und der Welt zu reaktivieren. Die Folge: Veränderungsmotivation und Unternehmungslust, bei STRIDE verstanden als persönlichkeits- und gesellschaftsverändernde Kraft.

Unschooling ist eigentlich ganz simpel, dabei aber trotzdem nicht einfach: Man gebe Menschen Raum, Zeit und Prozessbegleitung um herauszufinden was, im Blick auf Morgen und Übermorgen, für sie und andere, Hier und Heute wichtig und relevant scheint. Hieraus entsteht ein kollektiv-kreativer Lernprozess bei dem der Weg erst durchs Gehen entsteht. Das gemeinsam-individuelle Lernen im Unschooling gleicht einer Lernreise und ist am besten als iterativer Prozess zu verstehen. In einer Mischung aus Selbstorganisation und instruktionaler Unterstützung werden fortwährend gemeinsam Präferenzen und Ideen entwickelt. Spiralförmige Lernzyklen rund um die Lernmodi «Erleben», «Reflektieren», «Konzeptionalisieren» und «Experimentieren» erzeugen aussagekräftiges Wissen und praktische Argumentationen.

Der zentrale Mechanismus des Unschooling besteht aus der Verbindung von richtungsgebenden Fragen und lebendigen Beziehungen. Unschooling erblüht in und aus wachsenden Beziehungen, und zwar zwischen den Teilnehmenden, den Teilnehmenden mit sich selbst, den Teilnehmenden und den sogenannten Prozessbegleiter*innen, den Teilnehmenden und den Inhalten sowie den Teilnehmenden und der von ihnen mitgestalteten Struktur. Wahrhaftige Beziehungen ermöglichen Vertrauen, und ein vertrauensvoller Safe Space ist das Umfeld in dem Ver-, Um- und Neulernen erst möglich werden.

Für die Orte des Unschooling gilt: die Welt ist das Klassenzimmer, und Lernen ist nicht mehr an einen Ort oder an starre Strukturen gebunden; andererseits kommt im Unschooling die Welt auch ins Klassenzimmer: eine unSchool ist als kollektiver Ort mit persönlichem Mitspracherecht immer auch eine demokratische Keimzelle. Als privat/öffentlicher Zwischenraum werden im Unschooling persönliche Anliegen in die Sprache öffentlicher Angelegenheiten übersetzt, und (im Kleinen) gesellschaftliche Innovationen für persönlich relevant erlebte Probleme getestet, verhandelt und entwickelt werden.

Behandelt werden im Unschooling Themen mit «Energie»; Inhalte, die persönlich relevant gemacht werden und Funken schlagen können. Es setzt die Kraft der Unternehmungslustigen voraus und frei, dealt mit «gefährlichen Ideen» und entwickelt Know-How um uns und unsere Gehäuse (Gesellschaftliche Institutionen, Praktiken etc.) zu Hacken oder gleich radikal anders zu denken und zu erproben.

Wir arbeiten daran, dass Unschooling, gerade in all seiner Offenheit, die Erwachsenenbildung und damit auch unsere Welt erneuern kann. Unschooling hat das Potenzial eine andere Ethik und auch Tugend des Selbst, der Identität, der Freiheit, der Spontaneität, der Neugierde und des Unternehmungstums zu entwickeln. Immer mehr Menschen werden sich bewusst, dass es für sie und für uns so nicht weitergehen kann. Der unschooling Ansatz nach STRIDE lädt Dich dazu ein etwas zu unternehmen, und dabei «bei DIr zu beginnen, aber nicht bei Dir zu enden».

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