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Das Städtchen Vergers geht innovative Wege in der urbanen Landwirtschaft, zum Beispiel auch mit diesem Feld. (Bild: Colsu / Wikimedia / CC BY-SA 4.0)

Städte als neue landwirtschaftliche Territorien

Präsentiert von Greenpeace
Ein Blick in die Westschweiz zeigt, wie urbane Gebiete für nachhaltige und soziale Landwirtschaft genutzt werden kann
04. Oktober 2021

Kolumne von Mathias Schlegel, Pressesprecher Greenpeace Schweiz


Die globale Erwärmung birgt viele Gefahren für die Zukunft der Landwirtschaft. Häufige extreme Wetterereignisse und ungewöhnliche klimatische Bedingungen sind die künftigen Herausforderungen für die Nahrungsmittelproduktion. Die industrielle Nahrungsmittelproduktion ist nicht nur schlecht vorbereitet, sondern verschlimmert die Situation noch, indem sie ihr Streben nach Produktivität und Landnahme blindlings fortsetzt. Diese beiden Phänomene begünstigen den Zusammenbruch der Artenvielfalt und der Fähigkeit des Planeten, CO2 zu absorbieren und damit das Klima zu regulieren.

Angesichts dieser Herausforderungen fordern viele Expert:innen sowie alle mit Ernährungsfragen befassten UN-Organisationen eine Erhöhung der Resilienz der landwirtschaftlichen Systeme, das heisst ihrer Fähigkeit, Krisen zu widerstehen oder sich im Falle einer Katastrophe zu erholen. Unter den zahlreichen Instrumenten zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit spielt die urbane Landwirtschaft eine wichtige Rolle.

Sie kann die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln erhöhen und eine bessere Ernährung fördern und gleichzeitig das Bewusstsein für die landwirtschaftliche Produktion und die Rolle der Landwirt:innen in der Gesellschaft schärfen. Darüber hinaus bieten Projekte der städtischen Landwirtschaft auch Vorteile, die nicht mit der Ernährung zusammenhängen: Schutz vor Hitzeinseln, Bewirtschaftung organischer Abfälle, Grünflächenmanagement usw.

Im Westen was Neues

In der Westschweiz wächst die urbane Landwirtschaft rasch. Die Initiative «Incroyables Comestibles», die in sieben Städten und drei Kantonen der Westschweiz vertreten ist, wurde 2008 in England ins Leben gerufen und wird in der Westschweiz von Dutzenden von Freiwilligen durchgeführt. Das Projekt besteht darin, auf öffentlichen Flächen in Städten Nutzpflanzen anzubauen und die Lebensmittel den Bewohner:innen zum Verzehr zur Verfügung zu stellen.

In den französischsprachigen Städten entstehen zahlreiche Bürgerprojekte unterschiedlicher Grösse. Und es entstehen Unternehmen, die diese Bewegung begleiten. Dies ist der Fall von Légumes perchés, einem Lausanner Start-up-Unternehmen, das im November 2020 den SUD-Preis (für nachhaltige Start-ups) der Zeitung Le Temps erhalten hat. Das Unternehmen entwickelt Projekte für urbane Landwirtschaft auf den Dächern von Gebäuden, unabhängig davon, ob es sich um bestehende Gebäude handelt oder ob sie den Bau neuer Stadtteile begleiten.

Sie organisieren ihre Aktivitäten um die drei Säulen der nachhaltigen Entwicklung.

Im Kanton Genf werden Projekte der urbanen Landwirtschaft mit Hilfe der städtischen und kantonalen Behörden in bestimmte Neubauprojekte integriert. Ziel ist es, «landwirtschaftliche Relaisstellen in städtischen Gebieten» zu entwickeln, also städtische Bauernhöfe, die Lebensmittel erzeugen, lokale landwirtschaftliche Erzeugnisse verkaufen und fördern und die Öffentlichkeit für Ernährungsfragen sensibilisieren. Gegenwärtig gibt es vier von ihnen.

Die Bauernhöfe Budé und Lignon produzieren seit vielen Jahren Lebensmittel in einem städtischen Umfeld und folgen dabei den Grundsätzen der bäuerlichen Landwirtschaft, so organisieren sie ihre Aktivitäten um die drei Säulen der nachhaltigen Entwicklung: Wirtschaft, Umwelt und soziokulturelle Aspekte. Der erste befindet sich zwischen dem Bahnhof und dem Flughafen, mitten im internationalen Viertel, der zweite in Le Lignon, einem in den 1960er Jahren errichteten Viertel, in dem sich der grösste Baublock Europas befindet.

In Meyrin, der drittgrößten Stadt des Kantons Genf mit mehr als 25’000 Einwohner:innen, umfasst das neue Stadtviertel Vergers – mehr als 1300 Wohnungen in 30 Gebäuden, deren Bau 2020 abgeschlossen sein wird – einen städtischen Bauernhof, der mehrere Ziele verfolgt. Die Gemeinde Meyrin hat den Betrieb mit der Durchführung von Landschaftsbauarbeiten beauftragt. Der Betrieb bewirtschaftet auch Parzellen im neuen Stadtteil und führt Bildungsprojekte für Schulkinder und Hobbygärtner:innen durch. Er ist vor allem das Herzstück eines Projekts zur Lebensmittel Autonomie für die Einwohner:innen des Bezirks und arbeitet mit mehreren Genfer Bauernhöfen zusammen, um die Einheimischen zu versorgen, immer in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der bäuerlichen Landwirtschaft.

Kolumne von Greenpeace
Während des Landwirtschaftsfokus publiziert unser Hauptsponsor Greenpeace ab Mitte August immer am Montag eine Kolumne. Dabei werden Themen wie das Landwirtschaftssystem, die Massentierhaltung, genveränderte Kühe und viele weitere diskutiert.

In Bernex, einer kleinen Stadt am Rande des Genfer Stadtgebiets, wird ein Stadtentwicklungsprojekt, das noch grösser ist als die Vergers in Meyrin (bis 2030 sind mehr als 5000 Wohneinheiten und ebenso viele Arbeitsplätze geplant), von der Einrichtung einer acht Hektar grossen Grünfläche begleitet, die auch einen städtischen Bauernhof beherbergt, dessen Produktion den Bewohnern zum Direktverkauf zur Verfügung gestellt wird. Ziel ist es, eine Verbindung zwischen der Stadtbevölkerung und den Landwirt:innen zu schaffen.


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