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Sollen Roboter Steuern zahlen?

«Wenn Roboter unsere Jobs übernehmen, dann sollten sie auch Steuern zahlen» sagte Bill Gates in einem Video, dass 2017 die Runde machte. Klingt erstmal logisch, aber ist es das auch?
02. Oktober 2019

Autoren: Uwe Thümmel & Guido Baldi, reatch.ch

Die Auswirkungen von Robotern auf den Arbeitsmarkt sind bisher überschaubar

Schauen wir uns zunächst einmal an, was dran ist am Argument, dass Roboter unsere Jobs übernehmen. Tatsächlich sind stets mehr Roboter im Einsatz – vor allem in Fabriken. Roboter schweissen und lackieren, sortieren und schrauben. Tätigkeiten, die vorher von Menschen ausgeführt wurden, können dadurch schneller, präziser oder günstiger erledigt werden. Häufig machen diese Menschen nun einfach etwas anderes – manchmal sind ihre neuen Jobs aber schlechter bezahlt. Roboter können also dazu führen, dass Einkommen ungleicher verteilt sind. Es kommt auch vor, dass Menschen keinen neuen Job mehr finden. Auf die Wirtschaft eines ganzen Landes bezogen, sind die Effekte auf Einkommen und Beschäftigung bisher aber klein. So findet eine Studie für die USA, dass ein zusätzlicher Roboter auf 1000 Arbeiter*innen zu einem Absinken der Löhne um 0.4 Prozent führt.

Das Steueraufkommen ist stabil

Hört man Bill Gates genauer zu, so sorgt er sich darum, dass staatliche Leistungen nicht mehr bezahlt werden können, wenn wir nicht anfangen, Roboter zu besteuern. Was steckt hinter diesem Argument? Staatliche Leistungen werden durch Steuern finanziert. Momentan stammt ein grosser Teil der Staatseinnahmen aus der Besteuerung von Arbeitseinkommen. Wenn nun aber Roboter einen grossen Teil der Arbeit übernehmen sollten, könnten die Staatseinnahmen sinken – und öffentliche Leistungen wären nicht mehr zu finanzieren. Wenn wir uns die Entwicklung der Staatseinnahmen über die letzten Jahrzehnte ansehen, so machen diese einen stabilen Anteil der Wirtschaftsleistung aus. Bisher gibt es also keine Anzeichen für das Wegbrechen der Staatseinnahmen. Hinzu kommt, dass auch heute Roboter bereits besteuert werden – wenn auch indirekt. Auf Unternehmensgewinne und Dividendeneinkommen müssen Steuern gezahlt werden. Roboter, die ja zu diesen Gewinnen beitragen, werden damit also bereits besteuert. Sollte es aber vielleicht eine gesonderte und höhere Steuer auf Roboter geben?

Ökonomische Argumente für eine Robotersteuer

Es gibt durchaus ökonomische Argumente für die gesonderte Besteuerung von Robotern. Der Staat erhebt Steuern ja nicht nur um öffentliche Ausgaben zu finanzieren, sondern auch um die Ungleichheit der Einkommen zu mindern. Wenn nun Roboter durch eine Steuer teurer werden, überlegen es sich Unternehmen zweimal, ob sie Arbeiter*innen durch einen Roboter ersetzen. Es kommt zu weniger Arbeitsplatzverlusten und die Ungleichheit der Einkommen könnte damit begrenzt werden – der Staat muss also weniger mit der Einkommenssteuer oder anderen Massnahmen umverteilen. Und durch die niedrigeren Steuern bliebe den Leuten mehr Geld in der Tasche. Trotzdem ist es fraglich, ob es eine gute Idee ist, die Ausbreitung von Robotern mit einer Sondersteuer zu bremsen. Roboter sind ja nicht in erster Linie eine Gefahr, sondern können unser Leben und unsere Arbeit erleichtern. Auch ganz neue Jobs könnten durch Roboter entstehen. Zudem steckt die Forschung und die öffentliche Diskussion rund um die Robotersteuer noch in den Kinderschuhen. Bislang kann die Wissenschaft noch keine deutliche Aussage machen, ob die Einführung einer Robotersteuer alles in allem sinnvoll wäre. Es gibt aber einen wichtigen Grund, der gegen eine gesonderte Besteuerung von Robotern spricht: der Staat müsste entscheiden, was genau ein Roboter ist und was nicht. Mit ein bisschen Fantasie könnte man auch Computer als Roboter bezeichnen – das würde Bill Gates vielleicht weniger gefallen.

Über die Autoren
Uwe Thümmel ist Mitglied der Projektgruppe Zukunft der Arbeit bei reatch - einer Ideenschmiede für Wissenschaft, Technik und Gesellschaft. An der Universität Zürich untersucht er, wie sich technologischer Wandel auf den Arbeitsmarkt auswirkt – und wie Politik darauf reagieren sollte. Guido Baldi ist Leiter der Projektgruppe Zukunft der Arbeit bei reatch. Er forscht an der Universität Bern.
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